Loader
Finden Sie uns
Werbung

Europas Megafeuer: Würden Frankreich und Spanien ohne Klimawandel noch brennen?

Feuerwehrleute löschen einen Waldbrand nahe Blagon in Südwestfrankreich am Mittwoch, 29. Juli 2026.
Feuerwehrleute bekämpfen am Mittwoch, 29. Juli 2026, einen Waldbrand nahe Blagon im Südwesten Frankreichs. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Copyright Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Laut einer neuen Analyse verstärkt der Klimawandel die aktuelle Brandgefahr: Im Südwesten Frankreichs ist sie doppelt so wahrscheinlich, in Zentralspanien mindestens 20‑mal so wahrscheinlich.

Von Menschen verursachter Klimawandel hat die feueranfälligen Bedingungen, die große Teile Europas verwüstet haben, bis zu 20-mal wahrscheinlicher gemacht, warnen Wissenschaftler.

WERBUNG
WERBUNG

Spanien und Frankreich kämpfen derzeit mit außer Kontrolle geratenen Feuern. Sie haben bereits mehr als 120.000 Hektar Land verbrannt und rund 300.000 Menschen zur Evakuierung ihrer Häuser gezwungen. Die EU hat ihren Notfallmechanismus aktiviert, Löschflugzeuge und Fahrzeuge am Boden entsandt, warnte jedoch, dass ihre Kapazitäten rasch an ihre Grenzen stoßen.

Anfang der Woche wurde ein Waldbrand in Frankreich so heftig, dass seine Rauchwolke zu einem eigenen Gewitter wurde. Die Zelle produzierte Blitze, die den Boden trafen und weitere Brände auslösten. Zudem entstanden starke Winde, die die Flammen in neue Richtungen trieben.

Inzwischen sind auch in Griechenland Waldbrände ausgebrochen – auf der Insel Kreta kamen drei Feuerwehrleute ums Leben. Entlang der westlichen und südlichen Küsten der Türkei wurden Hunderte Menschen in Sicherheit gebracht.

Die Feuer sorgen weltweit für Schlagzeilen. Viele Medien scheuen jedoch den direkten Zusammenhang zwischen Europas sogenannten „Megabränden“ und dem Klimawandel.

Klimawandel: Wie stark steigen Europas Megabrand-Risiken?

Eine neue Studie der Initiative World Weather Attribution (WWA) hat historische Wetterdaten – ohne Klimamodelle – ausgewertet, um nachzuvollziehen, wie sich feuerbegünstigende Wetterlagen im Lauf der Zeit verändert haben.

Dafür nutzte das Team eine Kennzahl namens Daily Severity Rating (DSR). Sie fasst heiße, trockene und windige Bedingungen zusammen und spiegelt wider, wie schwer sich ein Feuer löschen lässt, sobald es ausgebrochen ist. Die Forschenden betrachteten den Zeitraum von sieben Tagen mit dem höchsten DSR in Südwestfrankreich und in Zentralspanien, wo die Brände wüteten.

Sie fanden heraus, dass der menschengemachte Klimawandel die feueranfälligen Bedingungen in Südwestfrankreich mindestens doppelt so wahrscheinlich gemacht hat, in Zentralspanien sogar mindestens 20-mal so wahrscheinlich. Nach Einschätzung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind das eher konservative Schätzungen.

„Wenn gleichzeitig in verschiedenen Regionen Waldbrände ausbrechen, wird deutlich, dass der durch den Menschen verursachte Klimawandel nicht nur die Wahrscheinlichkeit extremerer Feuer erhöht, sondern auch ihre Gleichzeitigkeit“, sagt Andreia Ribeiro, Klimaforscherin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Deutschland.

„Das hat einen realen Preis, denn sich überlappende Feuerextreme erschweren die Zusammenarbeit zwischen Ländern. Sie können Löschflugzeuge und Einsatzkräfte dann nicht mehr so leicht teilen, obwohl die Unterstützung gerade am dringendsten wäre.“

Die Analyse ergab, dass Ereignisse dieser Intensität im heutigen Klima in Südwestfrankreich im Schnitt einmal in 20 Jahren zu erwarten sind, in Zentralspanien ungefähr alle sechs Jahre.

Clair Barnes, Wissenschaftlerin für Extremwetter und Klimawandel am Centre for Environmental Policy des Imperial College London, betont, die aktuellen Brände seien nicht einfach „Pech“, sondern „ein klarer Hinweis auf die sich verschärfenden Folgen der anthropogenen Erwärmung“.

„Ein nasser Winter, gefolgt von diesem extrem trockenen Sommer und einer Abfolge von Hitzewellen, hat die Wälder mit trockenem Brennmaterial aufgeladen. Die unerbittliche Hitze – angeheizt durch den menschengemachten Klimawandel – hat die Bedingungen geschaffen, in denen Funken zünden und zu gewaltigen, gefährlichen Waldbränden werden können“, sagt sie.

Gestern, am 30. Juli, erschien zudem eine weitere Studie in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“. Sie wertete nationale Waldbrandstatistiken aus Portugal, Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland zusammen mit Wetter- und Klimadaten für den Zeitraum 1981 bis 2025 aus.

Demnach hat in Teilen Frankreichs und Spaniens die Intensität feuerfördernder Wetterlagen zwischen 2016 und 2025 um bis zu 50 Prozent zugenommen, verglichen mit dem Zeitraum 1981 bis 2010.

Die Zahl der Tage mit „stark brandfördernden Bedingungen“ stieg außerdem von weniger als zehn Tagen pro Sommer in den Jahren 1981 bis 2010 auf rund 25 Tage im vergangenen Jahrzehnt – jeweils in Teilen aller untersuchten Länder.

UN mahnt Europa: schneller weg von fossilen Energien

Nach der WWA-Attributionsanalyse erklärte Simon Steill, Exekutivsekretär des UN-Klimasekretariats, Europas Megabrände zeigten, wie schnell klimawandelbedingte Extremhitze und ausgetrocknete Landschaften Waldbrände in „verheerende nationale Katastrophen“ verwandeln können.

„Solange die Menschheit weiter kolossale Mengen an Kohle, Öl und Gas verbrennt, backen wir unseren Planeten. Wir machen diese Bedingungen gefährlicher und diese Megabrände tödlicher und zerstörerischer“, sagt er.

„Doch die Lösungen sind genauso klar: Alle Staaten müssen sich schneller von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien bewegen und die Menschen besser vor den zunehmenden Klimafolgen schützen – von Waldbränden über Megastürme und Überschwemmungen bis hin zu Dürren, die die Nahrungsmittelproduktion treffen.“

Nach Angaben der Europäischen Kommission würde die Zahl der Menschen in der EU, die nahe an Wildland leben und an mindestens zehn Tagen im Jahr einer hohen bis extremen Brandgefahr ausgesetzt sind, bei einer Erwärmung um nur 3 °C um 15 Millionen steigen. Der vom Menschen verursachte Klimawandel hat die globale Durchschnittstemperatur bereits um etwa 1,3 bis 1,5 °C über das vorindustrielle Niveau hinaus erhöht.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Interaktive Karte zeigt landwirtschaftlichen Rückgang durch Klimawandel bis 2100

Europas Megafeuer: Würden Frankreich und Spanien ohne Klimawandel noch brennen?

Erneut historischer Fund im trockenen Donaubett: Ist diese Steinkugel bis zu 2000 Jahre alt?