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KI-Überwachung wird zum Desaster: Tausende Studenten in Mexiko müssen Prüfungen wiederholen

Campus der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko
Campus der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko Copyright  Wikimedia Comons
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Von Cagla Uren
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KI-Skandal bei der Aufnahmeprüfung der größten mexikanischen Uni, der Nationalen Autonomen Universität. Tausende Studierende müssen ihre Tests neu schreiben.

Die größte Universität Mexikos, die Nationale Autonome Universität von Mexiko (UNAM), hat ihre Aufnahmeprüfung in diesem Jahr erstmals online abgehalten – überwacht von einem System mit Unterstützung durch Künstliche Intelligenz (KI).

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Nach Veröffentlichung der Ergebnisse fiel jedoch eine ungewöhnlich hohe Erfolgsquote auf. Das weckte den Verdacht, dass Zehntausende Bewerberinnen und Bewerber betrogen haben könnten.

Die Hochschule hat daher beschlossen, 58.000 Kandidatinnen und Kandidaten erneut zu prüfen.

Aufnahmeprüfung erstmals online

Die UNAM nimmt jedes Jahr rund 50.000 Studierende auf. Mehr als die Hälfte der Plätze geht an Schülerinnen und Schüler aus den 14 Vorbereitungsgymnasien der Universität.

Für die übrigen etwa 22.000 Studienplätze müssen Bewerberinnen und Bewerber die Aufnahmeprüfung bestehen. In diesem Jahr traten rund 160.000 Menschen an.

In den vergangenen Jahren fand die Prüfung mit Aufsicht in Präsenz statt. Um den Zugang zu erleichtern, stellte die UNAM diesmal erstmals auf ein Onlineformat um.

Um Betrug zu verhindern, setzte sie zwei unterschiedliche Programme ein.

Das erste war ein Browser namens LockDown Browser, der verhindern soll, dass Teilnehmende während der Prüfung andere Tabs oder Programme öffnen.

Das zweite System stammte vom Bildungstechnologie-Unternehmen Territorium: eine KI-gestützte Aufsichtssoftware. Sie beobachtete die Kandidatinnen und Kandidaten über die Webcam und suchte nach Hinweisen auf Betrug – etwa versteckte Kopfhörer, stummgeschaltete Mikrofone oder auffälliges Verhalten.

Sprunghafte Erfolgsquote sorgt für Verdacht

Nach der Auswertung der Prüfung zeichnete sich jedoch ein auffälliges Bild ab.

In den vergangenen fünf Jahren erreichten nicht einmal ein Prozent der Teilnehmenden mindestens 110 Punkte.

In diesem Jahr stieg der Anteil in dieser Leistungsklasse auf 5,5 Prozent. Mit anderen Worten: Der Anteil der Bestplatzierten lag mehr als beim Fünffachen.

Diese ungewöhnliche Zunahme hielten sowohl Bewerberinnen und Bewerber als auch unabhängige Fachleute für verdächtig.

"75.000 Menschen könnten betrogen haben"

Wie die New York Times berichtet, analysierte der KI-Experte und Mathematiker Raúl Rojas die Ergebnisse. Er kommt zu dem Schluss, dass etwa 75.000 Kandidatinnen und Kandidaten – also fast die Hälfte der Teilnehmenden – betrogen haben könnten.

Nach seiner Einschätzung nutzten viele Prüflinge digitale Varianten des klassischen "Spickzettels".

Betrugstricks kursieren in sozialen Medien

Das legt nahe, dass das KI-gestützte Überwachungssystem bestimmte Tricks nicht erkannte.

Bereits vor der Prüfung kursierten in sozialen Netzwerken zahlreiche Tipps, wie man das System umgehen kann.

Genannt wurden etwa ein zweiter Bildschirm außerhalb des Kamerabereichs, um Fragen an ein anderes KI-Tool weiterzuleiten, unter langen Haaren versteckte Kopfhörer oder Echtzeithilfe durch KI-basierte Assistenzsysteme.

58.000 Personen müssen erneut zur Prüfung

Die UNAM setzte zudem ein unabhängiges Expertengremium ein, das die Ergebnisse prüfen soll.

In einem diese Woche veröffentlichten Bericht empfahl das Gremium eine "Kontrollprüfung".

Demnach müssen alle, die aufgrund der Onlineprüfung einen Studienplatz erhalten haben, erneut antreten. Ebenso jene, deren Punktzahl in diesem Jahr ausgereicht hätte, um die Zulassungsgrenzen der vergangenen fünf Jahre zu überschreiten.

Insgesamt sollen so 58.000 Menschen ein zweites Mal geprüft werden. Dieses Mal findet die Aufnahmeprüfung vollständig in Präsenz statt.

Proteste vor Campus

Wegen der Debatte um die Prüfung demonstrierten in der vergangenen Woche Studierende und Bewerberinnen und Bewerber vor dem UNAM-Campus.

Sie kritisierten das Online-Prüfsystem der Universität und skandierten: "Wir wollen keine Künstliche Intelligenz, sondern Ehrlichkeit."

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