Packende Rückblicke und frische Perspektiven: Das Ausstellungsjahr 2026 begeistert bereits mit einer starken Auswahl. Wir zeigen die spannendsten laufenden Schauen in Europa.
Wer Ausstellungen liebt, hat in Europa die Qual der Wahl.
Auf dem Kontinent stehen einige der renommiertesten Museen und Galerien der Welt. Sie zeigen jedes Jahr Kunst, die Grenzen verschiebt, große Retrospektiven und historische Neudeutungen. Besucherinnen und Besucher können so die Welt mit anderen Augen sehen.
Allein in diesem Jahr widmen sich große Schauen Pionieren wie Alexander Calder, Henri Matisse, Frida Kahlo, Rothko und Martin Parr. Dazu kommen Jubiläumsausstellungen zu Marilyn Monroe und den Aardman-Studios. Anderswo geht es um alles, von Samurai über Black British Music bis hin zu Paradiesvögeln.
Und das sind nur die großen Namen. Dazu kommen unzählige kleinere, lokale Ausstellungen – und viele neue, die im Herbst erst eröffnet werden. Zu den kommenden Höhepunkten zählen „The Bayeux Tapestry“ im British Museum in London und „Monet, Painting Time“ im Musée de l’Orangerie in Paris. Beide öffnen im September.
Bis dahin und auf dem Weg aus dem Sommer ist es ein guter Moment, einige unserer aktuellen Favoriten zusammenzustellen. Besonders, wenn Sie eine Pause von der Sonne brauchen...
Schiaparelli: Mode wird Kunst
Wo: V&A (London, Vereinigtes Königreich)
Wann: Bis 8. November 2026
Zapfen-Colliers, schuhförmige Hüte und Kleider mit Hummermotiv: Die große Elsa-Schiaparelli-Schau im V&A ist ein rauschendes Fest des avantgardistischen Einfallsreichtums. Es ist zudem die erste Ausstellung in Großbritannien, die ausschließlich der visionären italienischen Modedesignerin gewidmet ist. Sie spannt den Bogen von ihren frühen Arbeiten der 1920er-Jahre bis in die Gegenwart. Aus dem Dialog von Vergangenheit und Gegenwart entsteht eine detailreiche Designgeschichte, die große Entwürfe, kreative Prozesse und die Schnittstellen von Haute Couture und Kunst beleuchtet.
Edvard Munch and the Chocolate Factory
Wo: MUNCH (Oslo, Norwegen)
Wann: Bis 11. Oktober 2026
Die meisten denken bei Edvard Munch an „Der Schrei“. Oder an seine vielen expressionistischen Bilder, in denen sich die dunklen Abgründe menschlicher Qual verdichten. Doch sein Werk reicht viel weiter. 1923 erhielt Munch als erster Maler einen Auftrag für eine Fabrik: Er schuf leuchtende Ölporträts für Freia, Norwegens bekannteste Schokoladenmarke. Viele dieser Gemälde zeigen Frauen, die den Großteil der Belegschaft ausmachten, und fangen eine Zeit gesellschaftlichen Aufbruchs ein.
Darauf konzentriert sich die Ausstellung im MUNCH. Mit Archivmaterial, Dokumentarfilmen und Bildserien eröffnet sie Schicht für Schicht nicht nur neue Einblicke in Munchs Karriere, sondern auch in ihren sozialökonomischen Hintergrund.
Marina Abramović: Balkan Erotic Epic in Berlin
Wo: Gropius Bau (Berlin, Deutschland)
Wann: Bis 30. August 2026
Bei Marina Abramović können Sie sich auf eines verlassen: Es wird Sie sprachlos machen. Die legendäre Performancekünstlerin lotet seit Jahrzehnten die geistigen und körperlichen Grenzen des Körpers aus. Sie bleibt etwa sechs Stunden regungslos in einem Raum stehen oder lässt das Publikum zusehen, wie sie Blut von Rinderknochen wäscht. Allerdings ist „Balkan Erotic Epic“ wohl ihr bisher ehrgeizigstes Projekt. Mehr als 70 Mitwirkende sind beteiligt. Die spirituell und sexuell aufgeladene Hommage an ihre slawischen Wurzeln verstört, überwältigt und nimmt das Publikum mit in einen kathartischen Umgang mit menschlichem Schmerz.
Rothko in Florence
Wo: Palazzo Strozzi (Florenz, Italien)
Wann: Bis 23. August 2026
Rothkos ikonische Colour-Field-Gemälde wirken wie Öffnungen in eine andere Welt. Ihre transzendente Qualität lässt sich kaum in Worte fassen – und wäre ohne Florenz kaum denkbar. Die Stadt prägte seine Vorstellungskraft; Architektur und spirituelle Atmosphäre stecken in jedem Pinselstrich. Die große Ausstellung im Palazzo Strozzi bringt beides wieder zusammen und zählt zu den eindrucksvollsten Rothko-Retrospektiven bisher. Sie zeigt mehr als 70 Werke aus seiner gesamten Laufbahn, ausgeliehen aus privaten Sammlungen und bedeutenden Museen weltweit. Kuratiert von Christopher Rothko und Elena Geuna ermöglicht die Schau, die Breite seines Œuvres ebenso zu erleben wie die Tiefe seiner Visionen.
Tracey Emin: A Second Life
Wo: Tate Modern (London, Vereinigtes Königreich)
Wann: Bis 31. August 2026
Ein zerwühltes Bett, ein leuchtendes Beicht-Neon, eine blutige Zeichnung – Tracey Emin findet Schönheit und Poesie im Schmerz des Lebens. Mit „My Bed“, das in den 1990er-Jahren für den Turner Prize nominiert war, wurde sie schlagartig berühmt und zu einer prägenden Stimme der britischen Gegenwartskunst. Seither wechselt sie beständig die Medien, bleibt aber radikal: weiblich, roh, kompromisslos. Die Ausstellung in der Tate Modern bietet einen überwältigenden Überblick, von den bekanntesten Arbeiten bis zu bislang nie gezeigten. Es fühlt sich an, als würden Sie in ein persönliches Tagebuch eintreten, dessen Seiten von Flecken und Tränen gezeichnet sind – und Sie nicht mehr loslassen.
Maria Lassnig und Edvard Munch: Painting Flow = Life Flow
Wo: Hamburger Kunsthalle (Hamburg, Deutschland)
Wann: Bis 30. August 2026
Auch wenn zwischen Edvard Munch und der österreichischen Malerin Maria Lassnig eine Generation liegt, zeigen ihre Werke erstaunliche Parallelen. Beide versuchen, inneres Gefühlschaos in abstrakte Bilder zu übersetzen. Die Hamburger Kunsthalle legt eine psychologische Verbindung zwischen den beiden offen und präsentiert fast 200 Gemälde, Skulpturen, Filme, Fotografien und mehr. Zu den Höhepunkten zählen Munchs „Madonna“ (1893–1895) und Lassnigs „Traditionskette“ (1983).
Lucian Freud: Everything is a Portrait
Wo: Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk, Dänemark
Wann: Bis 27. September 2026
Lucian Freud war ein Meister der figurativen Malerei. Er konnte die verletzlichen emotionalen Zustände seiner Modelle festhalten, ohne Eitelkeit und ohne künstliche Pose. Bekannt ist er vor allem für seine Gemälde, doch seine Laufbahn begann mit Zeichnungen und entwickelte sich über sie weiter. Das Louisiana Museum vereint alle Medien seiner Porträtkunst – von dunklen Skizzen unbekannter Männer im Anzug bis zu der strukturierten Haut seiner Kohleakte. So wird deutlich, wie sehr ihn Gesichter und Körper ein Leben lang faszinierten und wie jede Arbeit die schöne Hässlichkeit des Daseins offenlegt.
Jasper Johns: Night Driver
Wo: Guggenheim Bilbao (Bilbao, Spanien)
Wann: Bis 12. Oktober 2026
Jasper Johns gilt als Wegbereiter der Gegenwartskunst. Er nutzte Bildwelten des amerikanischen Nachkriegszeitalters, um neue, experimentelle Bewegungen anzustoßen. Vor allem seine Pop-Art-Arbeiten mit Zielscheiben und US-Flaggen verfremden vertraute Motive zu etwas Leuchtendem und Nachdenklichem und stellen Fragen dazu, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Die Retrospektive im Guggenheim Bilbao rückt diese Werke ebenso in den Mittelpunkt wie zahlreiche andere Skulpturen und Gemälde und entfaltet ein dichtes, klug komponiertes Gesamtbild.
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