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Angst vor Kriegsabgabe: Russen holen Milliarden Bargeld von den Banken

Geldwechsel in Moskau, 14. August 2026.
Währungsumtausch in Moskau, 14. August 2026. Copyright  AP Photo
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Von Yulia Gritsay & Euronews
Zuerst veröffentlicht am
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Russlands Zentralbank meldet, dass jeden Monat Milliarden Rubel von Konten abfließen: Viele Bürger heben Bargeld ab, aus Angst vor Kriegsabgaben und der schwächelnden Wirtschaft.

Russen haben in den ersten sieben Monaten dieses Jahres rund 24,4 Milliarden Euro aus dem Bankensystem des Landes abgezogen.

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Ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien und Logistikinfrastruktur verschärfen die Wirtschaftskrise, und die Angst wächst, der Kreml könnte private Guthaben einfrieren oder verstaatlichen, um seinen Krieg in der Ukraine zu finanzieren.

Daten der Finanzplattform Banks.ru zeigen, dass die Nachfrage nach Bargeld Anfang März anzog und seitdem weiter steigt. Monat für Monat fließen demnach rund 300 Milliarden Rubel (rund 3,05 Milliarden Euro) von Konten ab.

Fünf der sieben größten Banken Russlands melden per Saldo Abflüsse von Spareinlagen.

Gazprombank traf es am stärksten: Sie verlor in vier Monaten 299,5 Milliarden Rubel (3,04 Milliarden Euro), das sind 10,8 Prozent ihrer gesamten Einlagen. Rosselkhozbank verzeichnete einen Rückgang um 270,5 Milliarden Rubel (2,75 Milliarden Euro), ein Minus von mehr als 15 Prozent.

Alfa-Bank, die größte Privatbank des Landes, verlor 179,4 Milliarden Rubel (1,82 Milliarden Euro), das entspricht 5,6 Prozent der Einlagen. Bei Sovcombank und VTB gingen weitere 81,7 Milliarden Rubel (830 Millionen Euro) beziehungsweise 20,4 Milliarden Rubel (207 Millionen Euro) ab.

Sberbank hielt sich zunächst stabil, doch inzwischen greifen auch ihre Kunden verstärkt zu Bargeld: Im Juni zogen sie 211,6 Milliarden Rubel (2,15 Milliarden Euro) ab, im Juli weitere 31,8 Milliarden Rubel (323 Millionen Euro). Eine Ausnahme bildet T-Bank, deren Einlagenvolumen um 193 Milliarden Rubel (1,96 Milliarden Euro) stieg.

Die Gesamtsumme des Bargelds im Umlauf stieg allein im Juli um 643,4 Milliarden Rubel (6,53 Milliarden Euro). Das ist laut Zentralbank der höchste Monatsanstieg seit Jahresbeginn. In der ersten Augusthälfte kamen weitere 300 Milliarden Rubel hinzu.

Warum viele Russen ihr Geld abziehen

Hinter den Abhebungen stehen zwei überlagerte Ängste: Zum einen könnten ukrainische Drohnenangriffe das Finanzsystem destabilisieren. Zum anderen fürchten viele Menschen, der Staat greife direkt auf ihre Guthaben zu oder friere sie ein, um die steigenden Kriegskosten zu decken.

Die zweite Sorge speist sich aus jüngsten Vorgängen. Nach Angaben der Washington Post übertrugen russische Staatsanwälte im vergangenen Jahr Privatvermögen im Wert von rund 51,5 Milliarden Dollar (44,3 Milliarden Euro) unter staatliche Kontrolle.

Im Juni beschlagnahmten die Behörden Vermögenswerte im Umfang von etwa 7,6 Milliarden Dollar (6,5 Milliarden Euro), die mit dem Milliardär Wadim Moshkowitsch, dem Gründer des Agrarkonzerns Rusagro, in Verbindung stehen.

Parallel dazu fordert Präsident Wladimir Putin von Oligarchen, was Beamte als freiwillige „Spenden“ bezeichnen. Bis Mitte August flossen so Hunderte Milliarden Rubel zusätzlich in den Bundeshaushalt, berichtete die dortige Wirtschaftszeitung „Wedomosti“.

Russische Banken vergeben seit Jahren auf Anweisung des Kreml staatlich gelenkte Kredite an die Rüstungsindustrie.

Auch Großunternehmen bringen ihr Geld außer Reichweite der heimischen Aufsicht. Allein im zweiten Quartal 2026 flossen laut Zentralbankdaten mehr als 9,4 Milliarden Dollar aus dem russischen Bankensystem ab.

Schon 2022 zogen viele russische Bürger hohe Summen von ihren Konten ab, nachdem Russland die Ukraine angegriffen hatte und der Westen erste Sanktionen verhängte.

Die Zentralbank reagierte damals mit einer vorübergehenden Anhebung des Leitzinses auf 20 Prozent und mit Kapitalverkehrskontrollen, um das System zu stabilisieren. Später hob sie die Beschränkungen wieder auf, und der Ansturm ließ nach. Die jetzige Bewegung ist jedoch größer und hält länger an.

Die gesamtwirtschaftliche Lage verschlechtert sich. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Halbjahr 2026 laut Kreml-Statistik nur um 0,3 Prozent, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 1,2 Prozent. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

Am Wochenende verlor Andrei Klepach seinen Posten als Chefökonom der staatlichen Entwicklungsbank VEB, nachdem er öffentlich infrage gestellt hatte, ob Russland einen langen Krieg gewinnen könne.

„Wir werden diesen Wettbewerb in einem Abnutzungskrieg nicht gewinnen. Wir leben in der Illusion, dass Dinge zusammenbrechen. Das ist nicht passiert und wird nicht passieren. Unsere Kosten steigen immer weiter“, sagte er im Mai auf einem Wirtschaftsforum der Moskauer Börse.

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