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Zittern vor dem Winter: EU-Energiechef jagt Schockwelle durch die Hauptstädte

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Energiekommissar Dan Jorgensen auf einer Pressekonferenz zum Ausstieg aus russischen fossilen Brennstoffen, Dezember 2025.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Energiekommissar Dan Jørgensen bei einer Pressekonferenz zum Ausstieg aus russischen Fossilenergien, Dezember 2025. -  Copyright  Harry Nakos/Copyright 2025 The AP. All rights reserved.
Copyright Harry Nakos/Copyright 2025 The AP. All rights reserved.
Von Marta Pacheco & Euronews
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Energiekommissar Jørgensen warnte die Hauptstädte: Der EU droht keine akute Gassicherheitskrise, doch Preise und Versorgung stehen unter Druck.

EU-Energiekommissar Dan Jørgensen fordert die Regierungen der Mitgliedstaaten auf, den Energieverbrauch weiter zu drosseln und Gas sowie Strom zu sparen. Hintergrund sind „außergewöhnlich niedrige“ Füllstände in den Speichern, wie aus einem Euronews vorliegenden Schreiben hervorgeht.

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"Ich bitte Sie, Maßnahmen zu prüfen oder fortzuführen, die Einspeisungen stützen oder die Nachfrage nach Gas und Strom so lange wie nötig senken können“, heißt es in dem Schreiben. Dabei hält er fest, dass sich die Lage seit Jørgensens erster Warnung im März „nicht verbessert“ habe.

Die Mahnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Gasspeicher der EU nur zu rund 70 Prozent gefüllt sind – etwa zwölf Prozentpunkte weniger als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr, wie aktuelle Zahlen des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe zeigen. Anhaltende Unruhen im Nahen Osten und harter Wettbewerb aus Asien um Flüssigerdgas-Ladungen treiben die Preise nach oben und schüren die Gefahr einer Versorgungskrise.

Der niederländische TTF, die wichtigste Referenz für europäische Erdgaspreise, notiert derzeit bei etwa 72 Euro pro MWh. Das sind rund 40 Euro pro MWh mehr als vor den Bombardierungen Irans durch die Vereinigten Staaten und Israel am 28. Februar. Analysten warnen vor möglichen Ausschlägen von über 100 Euro pro MWh im Winter, falls die LNG-Exporte aus dem Golf nicht steigen oder Wartungsarbeiten in Norwegen die Ausfuhren länger bremsen.

Der oberste Energieverantwortliche der EU betont, dass ein geringerer Stromverbrauch zu Spitzenzeiten bedeutet, dass Kraftwerke weniger Gas verbrennen. Das nehme den Druck von Gasangebot und Strompreisen. Haushalte und Unternehmen reagieren ohnehin sensibel auf ihre Energierechnungen, und die Regierungen stehen unter Druck, die Verbraucher vor einem weiteren Preisschock zu schützen.

Die Kommission verweist ausdrücklich auf Instrumente aus der Energiekrise 2022. Dazu gehören ein geringerer Stromverbrauch in Spitzenstunden, Anreize für Verbraucher, ihren Bedarf über intelligente Zähler und Tarifmodelle zu verlagern, Temperaturbegrenzungen in öffentlichen Gebäuden, Einschränkungen von Außenheizungen und das Abschalten nicht notwendiger öffentlicher Beleuchtung in der Nacht.

Verbindliche Vorgaben will Jørgensen aber vorerst nicht machen.

"Freiwillige und gut geplante Nachfragereduktionen haben sich während der Energiekrise 2022 bewährt. Aus diesen Erfahrungen können wir in der aktuellen Lage lernen“, heißt es in dem Brief.

Gleichzeitig verweist der EU-Energiekommissar die Minister auf ihre nationalen Notfallpläne. Darin stehen schärfere Instrumente, die bei einer Verschlechterung der Lage greifen könnten, etwa unterbrechbare Gaslieferverträge oder der Brennstoffwechsel in Kraftwerken weg von Gas hin zu anderen Energieträgern.

Gasspeicher: Brüssel warnt vor Panikkäufen

Jørgensen ermuntert die Hauptstädte außerdem, die Flexibilität der EU-Regeln für Gasspeicher zu nutzen, um Panikkäufe zu vermeiden. Statt mit aller Kraft das Ziel von 90 Prozent anzusteuern, sollten sie eher eine Füllquote von 80 Prozent ins Auge fassen.

Normalerweise dient das Auffüllen der Speicher der Versorgungssicherheit: Je mehr Gas im Untergrund lagert, desto größer ist der Puffer für den Winter. Werden jedoch große Mengen zu einem Zeitpunkt gekauft, an dem die globalen Märkte bereits angespannt sind, treibt das die Preise zusätzlich nach oben.

Nach Ansicht der Kommission reichen 80 Prozent unter den aktuellen Bedingungen aus, um gut durch den Winter zu kommen. So könnten die Staaten ihre Käufe über einen längeren Zeitraum strecken und ein hektisches Wettrennen um Gas am Ende der Füllsaison vermeiden.

Der dänische Kommissar sieht die EU vor Beginn des Winters besser gewappnet als vor dem russischen Überfall auf die Ukraine. Von einer wirklich entspannten Lage kann aber keine Rede sein.

"Obwohl die Gasspeicher der EU außergewöhnlich niedrig gefüllt sind und die Lage angespannt bleibt, bestehen derzeit keine unmittelbaren Risiken für die Versorgungssicherheit“, heißt es in dem Schreiben.

Energiekrise: Vom Preis- zum Versorgungsrisiko

Trotz dieser Beruhigungssignale geht es Brüssel längst nicht mehr nur darum, Verbraucher vor hohen Preisen zu schützen. Die Kommission fordert die Regierungen auf, den Verbrauch aktiv zu steuern, weil die Nachfrage selbst zunehmend Teil des Versorgungsproblems wird.

"Wie wir in der Taskforce Energieunion besprochen haben, stehen wir vor einer Preiskrise, die mit einer Versorgungskrise verknüpft ist“, heißt es in dem Brief.

Gleichzeitig bemüht sich Brüssel, klar zwischen einer sich verschlechternden Preislage und einem akuten physischen Mangel zu unterscheiden. Derzeit sieht die Kommission keine unmittelbare Gefahr für die Versorgungssicherheit.

Die EU dürfte zwar genug Gas haben, um durch den Winter zu kommen. Doch die Sicherung dieser Mengen könnte deutlich teurer werden, vor allem wenn die weltweiten LNG-Märkte angespannt bleiben und europäische Staaten stärker mit anderen Käufern konkurrieren müssen.

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