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Für den Ernstfall : Polen und Litauen planen die Evakuierung über den Suwałki-Korridor

Grenzschützer an der litauischen Grenze, Juni 2021
Grenzbeamter an der litauischen Grenze, Juni 2021 -  Copyright  Mindaugas Kulbis, AP Photo
Copyright Mindaugas Kulbis, AP Photo
Von Jan Bolanowski
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Polen und Litauen erarbeiten einen internationalen Evakuierungsplan für schwere Krisen oder militärische Bedrohungen. Gemeinsam üben sie Grenzfluchten aus dem Baltikum über Polen.

Über die Arbeiten an dem Plan hat Vilmantas Vitkauskas informiert, Leiter des litauischen Nationalen Krisenmanagementzentrums. Er erklärte, dass Vertreter Litauens und Polens derzeit Verfahren, Logistik und infrastrukturelle Möglichkeiten prüfen. Ein detaillierter Plan soll entstehen, sobald beide Staaten eine entsprechende Vereinbarung schließen.

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Eine besondere Rolle in den Planungen spielt der Suwałki-Korridor, ein schmaler Landstreifen zwischen Polen und Litauen. Er verbindet die baltischen Staaten mit dem übrigen NATO-Gebiet und der Europäischen Union.

Litauen: Übungen testen Abläufe

Die Vorbereitungen laufen im Rahmen einer am 25. September in Litauen begonnenen Übung. Diese soll zeigen, wie das nationale Mobilisierungssystem funktioniert und wie Institutionen in einer Krisenlage zusammenarbeiten. Die Übung dauert bis zum dritten Oktober. Ein praktischer Schwerpunkt ist das Testen von Evakuierungsverfahren für die Bevölkerung.

An der Übung nehmen rund 3 000 Beschäftigte aus Behörden, Kommunen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen teil sowie etwa 1 000 Freiwillige. Nach Litauen ist auch eine Delegation von rund 20 Vertreterinnen und Vertretern verschiedener polnischer Institutionen gereist.

Die Verantwortlichen testen dabei unter anderem Warnsysteme für die Bevölkerung, die Organisation von Sammel- und Registrierungsstellen, den Transport sowie die Weiterleitung der Evakuierten durch verschiedene Regionen. Polen arbeitet an den Schritten für eine mögliche grenzüberschreitende Evakuierung mit.

Die Behörden in Vilnius betonen, dass es um die Vorbereitung von Abläufen für Krisensituationen geht. Die Übungen dienen der Ausbildung und bedeuten nicht, dass die Regierung mit einer unmittelbaren Bedrohung rechnet.

Suwałki-Korridor hat strategische Bedeutung

Der Suwałki-Korridor verbindet die baltischen Staaten mit dem übrigen NATO-Gebiet und der Europäischen Union.

Über diesen Korridor verlaufen die wichtigsten Landverbindungen zwischen Litauen und Polen. Bei einem schweren Krisenfall könnte die Infrastruktur dort daher sowohl für den Transport von Truppen und Nachschub als auch für die Evakuierung der Zivilbevölkerung entscheidend sein.

"Der Suwałki-Korridor ist von enormer Bedeutung, militärisch wie logistisch“, betonte Vitkauskas. Aus seiner Sicht ist die Beteiligung Polens an den Übungen besonders wichtig.

Polen bereitet Aufnahme von Evakuierten vor

Die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf Litauen. Polen bereitet sich ebenfalls darauf vor, im Ernstfall Menschen aus den baltischen Staaten aufzunehmen. Im September haben Delegationen aus Litauen und Lettland Polen zu einer Studienreise besucht. Thema waren unter anderem Massen­evakuierungen, Bevölkerungsschutz sowie die Organisation von Aufnahme und Unterbringung der Evakuierten. An den Gesprächen nahmen Vertreterinnen und Vertreter polnischer Sicherheitsbehörden und Institutionen teil, die für Sicherheit und Schutz der Bevölkerung zuständig sind.

Litauen hat bereits zuvor einen eigenen Evakuierungsplan für die Bevölkerung im Fall einer militärischen Bedrohung oder einer schweren Krise ausgearbeitet. Eine der Hauptrouten für eine Evakuierung aus Vilnius führt in Richtung der polnischen Grenze. Die Behörden der Woiwodschaft Podlachien bereiten die Region auf eine mögliche Rolle als Transitkorridor für Einwohner der baltischen Staaten vor.

Die neue Regelung soll international angelegt sein. Im Fall einer ernsten Bedrohung könnte sie es Evakuierten ermöglichen, die Grenze nicht nur aus Litauen, sondern auch aus Lettland und Estland zu überqueren.

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