Wer auf Malta dem Touristentrubel entgehen will, lässt die Hauptstadt Valletta links liegen und fährt nach Gozo, Mdina oder in eines der malerischen Fischerdörfer.
Kennen Sie die zwei Länder, die Sie mit der Fähre direkt von Sizilien aus erreichen? Selbst eingefleischte Fähr- und Bootsreisefans müssen da kurz überlegen. Eines ist Tunesien – von Palermo aus dauert die Überfahrt rund elf Stunden (in den sechs Jahren, in denen ich auf Sizilien lebe, habe ich trotzdem nur eine einzige Person getroffen, die dieses Schiff jemals genommen hat). Das andere ist Malta.
Für mich ist das ein Glücksfall: Die meistgenutzte Fähre nach Malta legt in meinem Heimatort ab. Die Strecke von Pozzallo nach Valletta ist eine angenehme Fahrt von etwa einer Stunde 45 Minuten mit einem Katamaran, dessen Crew überwiegend, erstaunlicherweise, von den Philippinen stammt. Mit drei oder vier Überfahrten täglich ist Malta schneller zu erreichen als viele Gegenden des italienischen Festlands. Seit ich an Siziliens Südostküste lebe, fahre ich deshalb regelmäßig hinüber.
Auf den meisten meiner Reisen habe ich in Valletta übernachtet, der Hauptstadt von Malta. Eine alte, befestigte Stadt mit großartiger Architektur, lebhaften Bars und Restaurants unter freiem Himmel und Dachterrassen mit Ausblicken, die kaum zu übertreffen sind.
Was bedeutet all diese Schönheit? Sie ahnen es: Valletta ist voll mit Touristinnen und Touristen.
Wer Zeit in Valletta verbringt, versteht schnell, warum Malta oft als eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt gilt. In der Hochsaison im Sommer ist es auf den Kopfsteinpflasterstraßen der Stadt schwer, sich überhaupt zu bewegen. Es gibt viele gute Geschäfte, doch es fällt schwer, das zu genießen, wenn man ständig fürchten muss, im besten Fall überteuerten Touristenkitsch zu kaufen und im schlimmsten Fall bestohlen zu werden.
Bei meiner jüngsten Reise wollte ich den Menschenmassen entkommen. Ich suchte mir ein Hotel und plante ein Programm, das mir einen möglichst authentischen Eindruck vom Land verschaffen sollte – mit Abstechern nach Gozo, einer der kleineren Inseln, und nach Mdina, einer eindrucksvollen Stadt mit Mauerring.
Gruppenreise nach Malta: Wo sich ein Aufenthalt lohnt
Die meisten touristischen Hotspots Maltas liegen im Süden des Landes: Valletta, St Paul’s Bay, St Julian’s und Sliema befinden sich alle in dieser Region. Dort kommen auch die meisten Besucherinnen und Besucher an, weil hier der Flughafen liegt.
Viele nehmen von dort ein Taxi oder den Bus in den Norden, um Tagesausflüge nach Comino und Gozo zu machen. Auf diesen Inseln liegen beliebte Ziele wie die Blue Lagoon und die vielen schönen Strände Gozos.
Weil die meisten Touristinnen und Touristen nur bis zur äußersten Nordspitze Maltas fahren, um dort gleich wieder mit der Fähre weiterzureisen, habe ich mir gedacht, dass die Hotels in dieser Gegend weniger überlaufen sein müssten.
Ich entschied mich für das Riviera Spa Resort (Quelle auf Englisch), ein großes Hotel nur für Erwachsene mit Blick auf Comino. Das Haus liegt direkt vor dem Anleger in Marfa. Von dort aus konnten wir beobachten, wie sich die Touristinnen und Touristen für die Schnellboote nach Comino anstellten – die meisten wollen zur Blue Lagoon.
Das Riviera liegt außerdem ideal für Ausflüge nach Gozo – dazu gleich mehr.
Einer der Hauptgründe für unsere Wahl war das klare Versprechen, ein Hotel nur für Erwachsene zu sein. Ich war mit acht weiteren Personen unterwegs, und fast alle hatten Babys oder Kinder zu Hause gelassen. Wir lieben unsere eigenen Kinder, wollten aber im Urlaub keine fremden Schreikinder am Pool hören.
Wir waren aus ganz Europa angereist, und unser Aufenthalt im Riviera drehte sich vor allem um lange Gespräche und ausgedehnte Mahlzeiten. Knallbunte Cocktails von der Poolbar hielten uns bei Laune, während wir auf den Liegestühlen entspannten. Mit vier Restaurants und zwei Bars bot das Hotel genug Auswahl für jeden Geschmack und jedes Budget.
Auch wenn es kein Luxushotel ist, eignet sich das Riviera hervorragend für eine Gruppenreise. Es bietet viele Dienstleistungen und lässt sich über verschiedene Reiseveranstalter buchen, darunter Jet2 und EasyJet Holidays. Wer nicht auf sein Training verzichten wollte, konnte beim energiegeladenen Aqua-Aerobic mitmachen oder ins Fitnessstudio gehen. Für einen ruhigeren Start in den Tag schlossen sich einige von uns einem Pilateskurs an, der in einem schönen Studio sehr professionell unterrichtet wurde. Und für maximale Entspannung sorgte das Spa im Haus, mit einem der längsten Massageangebote, die ich je gesehen habe.
Eine der größten Stärken des Hotels ist sein Personal. Die Mitarbeitenden stammen aus aller Welt, sprechen mehrere Sprachen und wirkten sichtbar stolz auf das frisch renovierte Riviera. Es gab stets genug Leute, die helfen konnten, sodass wir trotz gut ausgelastetem Haus immer schnell und mit einem Lächeln bedient wurden.
Ich würde das Riviera für Gruppenreisen und Aufenthalte mit mehreren Generationen empfehlen – und für alle, die gern alles, was sie im Urlaub brauchen, unter einem Dach haben.
Mdina: Maltas stille Stadt
Der Abstecher jenseits der üblichen Touristenrouten hat sich allein wegen unseres Besuchs in Mdina gelohnt (ausgesprochen um-dii-na). Der Name bedeutet auf Arabisch „befestigter Ort“. Die ummauerte Stadt thront auf einem Hügel in der Mitte der Insel und fühlt sich ganz anders an als jeder andere Ort, den ich in Malta gesehen habe.
Mdina ist rund 3.000 Jahre alt und hat eine faszinierende Geschichte. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts war sie Hauptstadt des Landes und Sitz des maltesischen Adels. Dann kamen die Ritter des Heiligen Johannes. Sie wählten einen anderen Teil Maltas, Birgu, zu ihrer neuen Hauptstadt. Die Große Belagerung von 1565 durch die Türken richtete sich deshalb gegen Birgu und nicht gegen Mdina. Unter den Rittern und später noch stärker unter der britischen Herrschaft verlor Mdina Schritt für Schritt seine Bedeutung als Machtzentrum. Aus der einstigen „Citta Notabile“ wurde die „stille Stadt“, fast eine Geisterstadt. Heute leben nur noch 400 Menschen innerhalb der Mauern.
Geschäfte, kleine Museen und Aussichtspunkte sorgen zwar dafür, dass Mdina heute keine Geisterstadt mehr ist. Trotzdem wirkt der Ort abgeschlossen und friedlich. Das liegt auch daran, dass keine Fahrzeuge durch die Stadt fahren – die engen Kopfsteinpflastergassen lassen das schlicht nicht zu.
Wir verbrachten einen wunderschönen Nachmittag damit, durch die Gassen zu schlendern, die prächtigen Gebäude zu bewundern und zwischendurch etwas zu trinken oder ein Eis zu holen. Besonders im Sommer empfehle ich, am späteren Nachmittag zu kommen.
Wenn die Sonne tiefer steht, taucht sie die Sandsteingebäude in ein goldenes Licht und verleiht Mdina eine traumhafte, fast ätherische Atmosphäre.
Gozo: Einer der besten Tauchspots Europas
Gozo fühlt sich ganz anders an als die Hauptinsel Malta und ist deshalb ein ideales Ziel für alle, die eine Alternative suchen. Die Insel ist von der Bebauung verschont geblieben, die ihren Nachbarn vielerorts geprägt hat. Im Landesinneren dominieren noch immer Felder, dazwischen liegen kleine Städte und Dörfer.
Weil die Landschaft weitgehend erhalten geblieben ist, ist der Boden hier sehr fruchtbar. Ein Teil der Lebensmittel für die Hauptinsel stammt von Gozo, auch wenn der Großteil der Nahrungsmittel nach wie vor aus Sizilien importiert wird. Es lohnt sich, gezielt nach lokalen Spezialitäten zu suchen – etwa nach dem Käse „gbejna“ aus Schafsmilch.
Mich begeistert vor allem die spektakuläre Küste Gozos, nicht zuletzt, weil ich ausgebildete Gerätetaucherin bin. Viele europäische Taucherinnen und Taucher glauben, sie müssten nach Südostasien oder in die Karibik fliegen, um Korallenriffe und beeindruckende Unterwasserwelt zu sehen – und wissen gar nicht, dass Malta Tauchreviere von Weltklasse bietet.
Die Insel bietet Plätze für alle Level, von Anfängerin oder Anfänger bis hin zu sehr erfahrenen Taucherinnen und Tauchern. Es gibt zahlreiche Tauchschulen, die genau wissen, welche Spots sich wann eignen. Meist können Sie mit guter Sicht und sanften Strömungen rechnen. Beim Schwimmen ohne Guide sollten Sie aber vorsichtig sein.
Wer nicht taucht, kann die Sehenswürdigkeiten wie das Azure Window, das Inland Sea und das Blue Hole auch vom Strand aus oder per Boot erleben.
Fürs klassische Sightseeing lohnen sich die Ġgantija-Tempel in Xagħra – sie gelten als eine der ältesten frei stehenden neolithischen Anlagen der Welt – und die Basilika Ta’ Pinu. In der alten Kirche, die viele als Ort von Wundern betrachten, suchen Einheimische wie Besucherinnen und Besucher bis heute Glück und Trost.
Für einen Tagesausflug nach Gozo bietet die Gozo Fast Ferry (Quelle auf Englisch) häufige Abfahrten ab Valletta an; nach etwa 45 Minuten legt sie in Mgarr an. Auf Gozo selbst kommen Sie mit Linienbussen gut herum, und vieles lässt sich auch zu Fuß erkunden.
Marsascala, Marsaxlokk und Birżebbuġa: Maltas Fischerdörfer
Beim Wort Fischerdorf denkt man vielleicht an einen idyllischen Hafen, Möwengeschrei und ein paar bunte Boote. Die drei kleinen Orte sind tatsächlich deutlich ruhiger als Valletta und seine Umgebung. Ihre Häfen sind jedoch klar darauf ausgelegt, Touristinnen und Touristen anzuziehen. Weil es auf Malta einen großen Teil des Jahres sehr warm ist, sind die Bars und Restaurants am Wasser aber eine willkommene Gelegenheit für eine Erfrischung.
Alle drei Orte sind mit dem Bus von Valletta aus erreichbar. Sie liegen nicht allzu weit vom Flughafen entfernt. Wenn Sie jedoch einen Flug erreichen müssen, sollten Sie viel Zeit einplanen – der Verkehr auf Malta kann gnadenlos sein.
In Marsascala, Marsaxlokk und Birżebbuġa gibt es abseits davon nicht allzu viel zu tun. Am besten lässt man sich einfach treiben, entdeckt die Strände und kommt mit ein paar Einheimischen ins Gespräch.
Der Sonntag ist der beste Tag für einen Besuch in Marsaxlokk: Dann findet der berühmte Fischmarkt statt, den viele für den besten Ort zum Fischkauf im ganzen Land halten.
Ruth Wright war Gast im Riviera Spa Resort (Quelle auf Englisch).