Kurswechsel: Der französische Fußballverband unterstützt Gianni Infantino nicht bei der Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten im März 2027.
Der französische Fußballverband (FFF) wendet sich nun doch von Gianni Infantino ab. Das Exekutivkomitee beschloss am Donnerstag, seine Unterstützung für den FIFA-Präsidenten zurückzuziehen. Infantino will sich bei der Wahl am 18. März 2027 erneut bestätigen lassen. Der Schritt beendet mehr als zehn Jahre Rückhalt aus Frankreich für den schweizerisch-italienischen Funktionär, zuletzt noch Ende Juni bekräftigt.
In ihrer Erklärung begründet die FFF diesen Schritt mit einem „Vertrauensbruch“ gegenüber der Führung des Weltfußballs. Sie sieht die Bedingungen nicht mehr erfüllt, um Gianni Infantino weiter zu unterstützen.
Der Verband begründet die Abkehr von Infantino mit einer „Reihe von Ereignissen, die unmittelbar die Führung der FIFA und ihren Präsidenten betreffen“, die er als "völligen Widerspruch zu den grundlegenden Prinzipien guter Governance und zu den Werten des Fußballs“ bewertet.
Die FFF verweist besonders auf das Projekt FIFA Forward Enterprise (FFE), das Gianni Infantino am 28. Juli vorgestellt hatte. Der Plan sah vor, 20 Prozent der FIFA-Wettbewerbe, darunter die Rechte an den Weltmeisterschaften, für rund 4 Milliarden Dollar an private Investoren zu verkaufen, wobei ein Teil an die Familie Trump gehen sollte. Nach heftiger Kritik, unter anderem von FFF-Präsident Philippe Diallo, legte Infantino das Vorhaben am ersten August wieder auf Eis.
Philippe Diallo kritisierte zudem die Art und Weise, wie die Initiative präsentiert wurde, und beklagte fehlende Abstimmung. "Schon in diesem Moment habe ich deutlich gemacht, dass dieses Projekt viele Fragen und sogar Sorgen aufwirft“, erklärte er und bemängelte, dass der Vorschlag "ohne Konsultation und ohne jede Information“ vorgelegt worden sei.
Die Kehrtwende der FFF ist vor allem ein weiterer Rückschlag für Infantino. Zugleich markiert sie einen klaren Kurswechsel von Philippe Diallo. Bisher setzte der Verbandschef auf Vorsicht und auf französische Interessen, auch mit Blick auf eine mögliche Bewerbung für die WM 2038. Nun bezieht er deutlich kritischere Positionen gegenüber der Art, wie die FIFA geführt wird.
Europa zeigt Gelb: Droht Infantino bei der nächsten Wahl Rot?
Frankreich reiht sich nun in eine Gruppe europäischer Verbände ein, die Infantino die Unterstützung entzogen haben. Vor allem England und Italien haben sich vom FIFA-Präsidenten distanziert. Die Niederlande gingen noch weiter und schlugen einen internationalen Gipfel in Amsterdam vor, um über die Zukunft der FIFA nachzudenken – ohne Gianni Infantino.
Trotz des französischen Rückzugs, der sich zu zahlreichen anderen gesellt, heißt das jedoch nicht automatisch, dass Gianni Infantino seinen Posten in sieben Monaten verliert. Er verfügt weiterhin über starke Rückendeckung, vor allem in Afrika, Südamerika und Ozeanien.
Im Wahlsystem der FIFA entspricht ein Verband einer Stimme, und Infantino hält theoretisch noch eine Mehrheit der Stimmen für den Wahlkongress. Zudem hat sich wenige Monate vor der Abstimmung bisher kein glaubwürdiger Gegenkandidat klar in Stellung gebracht.