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Extremwetter setzt Europas Ernten zu: Bäuerinnen und Bauern zeigen Ausweg

Der EARA-Landwirt Gunnar Thelin bewirtschaftet Västra Gatugård, einen fünf Hektar großen Hof in Vederslöv in Südschweden, mit regenerativem Weide- und Grünland.
Der EARA-Landwirt Gunnar Thelin bewirtschaftet Västra Gatugård, einen fünf Hektar großen Betrieb in Vederslöv in Schweden, mit regenerativem Weide- und Grünland. -  Copyright  Gunnar Thelin via EARA
Copyright Gunnar Thelin via EARA
Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am
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Welternährungstag: Europa verliert laut Bauern „Hunderte Höfe pro Tag“. Mehr Vielfalt und erfolgsabhängige Prämien sollen Betriebe retten.

Mandeln, die dem Frost zum Opfer gefallen sind, Tomaten, die unter Hitze leiden, und Halloween-Kürbisse, die wegen der Dürre geschrumpft sind: Für die Landwirtschaft in Europa war es ein knallhartes Jahr.

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Der heiße, trockene Sommer – ein Wetterereignis, das ohne den Klimawandel „praktisch unmöglich“ gewesen wäre – hat die erwartete Getreideernte in Europa Schätzungen zufolge um 16,7 Millionen Tonnen verringert. Laut der Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU) verloren Bäuerinnen und Bauern dadurch mehr als 3 Milliarden Euro.

„Nach diesem Sommer stehen viele europäische Betriebe am Abgrund“, sagt Josefine Herz, Geschäftsführerin der European Alliance for Regenerative Agriculture (EARA).

„In einem Jahr brechen die Preise ein, weil sie zu viel produziert haben. Im nächsten Jahr straft die Dürre sie dafür, dass sie überhaupt etwas angebaut haben. Bei jedem Ausschlag gewinnen dieselben wenigen Verarbeiter und Händler Marktanteile hinzu – und sie drehen an der Preisschraube für die Verbraucherinnen und Verbraucher.“

Der französische Gemüsebauverband Légumes de France warnte im Juli, dass die Verluste in einzelnen Segmenten bis zu 50 Prozent erreichen könnten.

Störungen der Schifffahrt durch die Straße von Hormus, ausgelöst durch den Krieg gegen Iran, erhöhen zusätzlich den Druck auf Treibstoff- und Düngemittellieferungen. Zugleich hat die Dürre den Güterverkehr auf einigen europäischen Wasserstraßen eingeschränkt. Zusammen verstärken diese Engpässe in den Lieferketten die Sorge um die Kosten der Landwirtschaft und um die Sicherheit der Nahrungsmittelversorgung.

Kann ein anderer Umgang mit Landwirtschaft den Weg in eine verlässlichere Zukunft ebnen?

Vielfältige Anbaukulturen: Bauern trotzen Klimaextremen

Auf der Curly Creek Ranch (Quelle auf Englisch) im spanischen Baskenland hörten die Tomaten – eine der lukrativen Kulturen des Hofes mit 7 Euro pro Kilo – in der extremen Hitze plötzlich auf zu blühen.

„Stellen Sie sich die Länge einer Tomatenpflanze vor, und im mittleren Drittel klafft eine Lücke ohne Früchte. So etwas haben wir noch nie erlebt“, sagt Bäuerin Meghan Sapp, die zugleich Direktorin für Außenbeziehungen bei EARA (Quelle auf Englisch) ist. Inzwischen tragen die Pflanzen wieder Blüten, und sie hofft, dass eine später als üblich beginnende Saison einen Teil der Ausfälle ausgleicht.

Der Wassermangel hat auch die Halloween-Kürbisse des Hofes getroffen; sie bleiben dieses Jahr kleiner als sonst. Die hohen Temperaturen hinterließen zudem Maispflanzen „mit ersten Anzeichen von Verbrennungen an den Blättern, wie wir sie noch nie gesehen hatten“, sagt Meghan.

Die Hitze legte außerdem Schwächen in der lokalen Wasserversorgung offen, etwa undichte Leitungen. Die Curly Creek Ranch erhielt wiederholt weniger Wasser als täglich vorgesehen, sodass die Behörden 50.000 Liter per Tankwagen anliefern mussten.

Die Vielfalt im Anbau hat das Risiko jedoch breiter verteilt.

„In vielen Jahren bekommen wir wegen fehlender Wärme keine einzige Aubergine, und trotzdem pflanzen wir sie – für den Fall der Fälle“, erklärt Meghan. „Dieses Jahr hat sich diese Wette ausgezahlt: Zum ersten Mal überhaupt haben wir eine riesige Ernte eingefahren.“

Landwirt Yanniek Schoonhoven: Besitzer des Betriebs La Junquera und Mitbegründer der Regeneration Academy.
Landwirt Yanniek Schoonhoven: Besitzer des Betriebs La Junquera und Mitbegründer der Regeneration Academy. Yanniek Schoonhoven via Commonland

Auch weiter südlich in Spanien setzen Landwirte auf diese Strategie.

„Historisch hing unser Hof stark von Getreide ab“, sagt Yanniek Schoonhoven, Besitzer der Farm La Junquera (Quelle auf Englisch) in der Region Murcia. „Wir haben nach und nach diversifiziert und nach Systemen gesucht, die besser zu einem immer unberechenbareren Klima passen.“

Aromatische Pflanzen wie Rosmarin, Lavendel, Salbei und Oregano sind besonders gut an die trockenen Bedingungen des Mittelmeerraums angepasst. Gleichzeitig erzielen sie gute Preise: rund 2.000 Euro pro Hektar bei Kosten von etwa 1.000 Euro, so Yanniek. Pistazien, die ebenfalls mit Trockenheit zurechtkommen, bringen sogar noch mehr ein – etwa 2.350 Euro pro Hektar bei ähnlichen Kosten.

Frost in einer kritischen Phase zerstörte jedoch die Mandelbäume von La Junquera. Das bedeutete einen „sehr erheblichen Verlust“ von rund 700 bis 1.050 Euro pro Hektar.

Weg von Massenware: Diversifizierung bleibt Hürde

Trotz der attraktiven Margen mancher dürretoleranten Kulturen ist der Umstieg alles andere als einfach.

Aromenpflanzen lassen sich zu ätherischen Ölen destillieren, einem höherwertigen Produkt als Getreide. „Doch diese Märkte brauchen Verarbeitungskapazitäten, Investitionen und verlässliche Abnehmer“, erklärt Yanniek.

Getreide und Ölsaaten sind dagegen klassische Massenware. Es handelt sich um standardisierte Produkte, die in großen Mengen gehandelt werden, mit Preisen, die vor allem von den Weltmärkten bestimmt werden. Viele Betriebe haben feste Abnehmer, besitzen aber kaum Spielraum, für klimaresiliente Sorten höhere Preise zu verlangen. Auf La Junquera erzielen sie mit Weizen rund 600 Euro pro Hektar bei Kosten von etwa 500 Euro, so Yanniek.

Subventionen begünstigen dennoch genau diese Kulturen. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU zahlt eine Basisprämie pro Hektar bewirtschafteter Fläche, nicht nach Kulturart oder Ertrag. So fließt automatisch mehr Geld an große Betriebe, die häufig Massenware anbauen. Zudem greift die EU ein, wenn die Marktpreise für solche Produkte unter eine bestimmte Schwelle fallen.

Doch auch Massenkulturen sind nicht vor Extremwetter geschützt. Auf Gut Weimarschmieden, einem 700 Hektar großen Bio-Betrieb mit konservierender Bodenbewirtschaftung in Fladungen, taten sich Sommergerste und Winterweizen in der Hitze schwer, berichtet Betriebsleiter Maximillian Krimm. Die Maisfelder brachten nur rund 17 Tonnen ein statt der üblichen 25 bis 30 Tonnen.

Dinkel und Raps kamen besser zurecht. Maximillian denkt zudem über Emmer nach, eine alte Weizenart, die rund 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag liefert als moderner Weizen und nur einen leicht höheren Preis erzielt. „Im Allgemeinen bauen wir wenig an, das einen geringen Wert hat, weil sich die Preise einfach nicht rechnen“, sagt er.

EARA-Landwirt Maximillian Krimm bewirtschaftet Gut Weimarschmieden in Fladungen in Deutschland. Neben Ackerbau produziert der Betrieb Raps- und Leinöl und betreibt Agrartourismus.
EARA-Landwirt Maximillian Krimm bewirtschaftet Gut Weimarschmieden in Fladungen in Deutschland. Neben Ackerbau produziert der Betrieb Raps- und Leinöl und betreibt Agrartourismus. Maximillian Krimm via EARA

Gesunde Böden: Chance für Europas Landwirtschaft

Der Anbau von Massenware begünstigt zudem intensive Verfahren, die Böden auslaugen und Treibhausgase freisetzen – nicht zuletzt durch synthetischen Dünger. Die Wahl anderer Kulturen allein löst dieses Problem nicht.

„Eine dürretolerante Kultur, die in toten, verdichteten Boden in einer biologischen Wüste gesät wird, wird trotzdem kämpfen. Es ist niemand und nichts mehr da, der das Wasser hält, wenn es endlich fällt“, sagt Lily Maxwell-Lwin, Leiterin der Interessenvertretung bei der internationalen gemeinnützigen Organisation Commonland (Quelle auf Englisch).

Ihr Team arbeitet mit Gemeinden in mehr als 50 Ländern zusammen, um degradierte Landschaften zu restaurieren – mit einem ganzheitlichen Ansatz, der soziale Wirkung, Biodiversität, wirtschaftliche Tragfähigkeit und Verbundenheit mit dem eigenen Land verbindet.

Lily Maxwell-Lwin leitet die Interessenvertretung bei Commonland, einer internationalen gemeinnützigen Organisation, die mit lokalen Gemeinschaften arbeitet, um degradierte Landschaften mit einem ganzheitlichen Ansatz wiederherzustellen.
Lily Maxwell-Lwin leitet die Interessenvertretung bei Commonland, einer internationalen gemeinnützigen Organisation, die mit lokalen Gemeinschaften arbeitet, um degradierte Landschaften mit einem ganzheitlichen Ansatz wiederherzustellen. Commonland

„Auf den meisten Ackerbaubetrieben in unserer Region haben jahrelange Bodenbearbeitung, Monokulturen und der Einsatz synthetischer Mittel den Boden in harte, trockene Flächen mit wenig organischem Kohlenstoff verwandelt. Dadurch kann der Boden Regen schlechter aufnehmen und speichern. Stattdessen läuft das Wasser ab und verursacht Erosion“, erklärt Meghan.

Gesündere Böden können Erträge steigern, den Bedarf an teurem Kunstdünger senken und mehr Wasser halten – ein Vorteil in Dürreperioden ebenso wie bei Überschwemmungen. „Wir haben gesehen, wie sich degradierte Landschaften innerhalb eines Jahrzehnts erholen“, sagt Lily. „Böden, die verkrustet waren, beginnen wieder Regen aufzunehmen, und Hänge, die Wasser früher nur abgeleitet haben, wirken plötzlich wie Schwämme.“

Auf La Junquera bremsen Teiche, Mulden, dauerhafte Vegetationsdecken und eine Bewirtschaftung entlang der Höhenlinien den Oberflächenabfluss und erhöhen die Versickerung. „Für uns besteht Anpassung an Dürre nicht darin, mehr Wasser zu finden. Es geht darum, jeden Regentropfen wesentlich besser zu nutzen“, sagt Yanniek.

Das gibt widerstandsfähigen Kulturen „eine echte Chance“, sagt Lily. „Wenn wir wollen, dass Landwirte das Risiko eingehen und auf ertragsschwächere, klimaresiliente Sorten umstellen, müssen wir zuerst in die Wiederherstellung der Flächen investieren. Es reicht nicht, ihnen einfach anderes Saatgut zu geben und damit fertig zu sein.“

Welche Unterstützung brauchen Landwirte von der Politik?

Die GAP der EU belohnt zwar regenerative Praktiken wie Fruchtfolge, Zwischenfrüchte und den Anbau stickstoffbindender Pflanzen, die natürlichen Dünger liefern und die Bodengesundheit verbessern. Doch in der Praxis tragen Landwirtinnen und Landwirte die Kosten und Verantwortung für diese Maßnahmen weitgehend allein – obwohl sie der Ernährungssicherheit, der Artenvielfalt und der menschlichen Gesundheit zugutekommen.

„Wir brauchen politische Rahmenbedingungen, die Anpassung für Landwirte weniger riskant machen“, sagt Yanniek. Er fordert bessere Versicherungen gegen Dürre und Frost sowie finanzielle Unterstützung für die Jahre, in denen sich mehrjährige Kulturen erst etablieren müssen.

Meghan fordert die Regionalpolitik auf, schnell zu handeln und den Übergang zu regenerativer Landbewirtschaftung zu finanzieren – etwa durch Beratungsdienste, Umstellungsversicherungen und gemeinsame Investitionen in neue Maschinen.

EARA-Betriebe erzielen gleiche oder höhere Ernten mit weniger Wasser und geringeren Betriebsmitteln, sagt Josefine. Dennoch „bezahlen weder der Markt noch die GAP die aufgebaute Resilienz“. Sie fordert „einen fairen Markt und eine GAP, die Ergebnisse vergütet, nicht nur Praktiken und Hektar. Dann hört Resilienz auf, ein Kostenfaktor zu sein, den allein die Landwirte schultern“.

Meghan Sapp ist Mitgründerin und Direktorin für Außenbeziehungen bei EARA und bewirtschaftet die Curly Creek Ranch im Baskenland in Spanien.
Meghan Sapp ist Mitgründerin und Direktorin für Außenbeziehungen bei EARA und bewirtschaftet die Curly Creek Ranch im Baskenland in Spanien. Meghan Sapp via Commonland

Einer der Landwirte der Allianz, Gunnar Thelin von Västra Gatugård, einem fünf Hektar großen Betrieb im schwedischen Vederslöv, skizziert, wie so ein System aussehen könnte: Satellitenmessungen würden während der Saison prüfen, ob die Photosynthese über einem für die Region vereinbarten Wert liegt und ob der Anteil kahler Böden und die Bodentemperaturen unter vereinbarten Grenzwerten bleiben.

Wer diese Ziele erreicht, erhält GAP-Gelder; wer sie verfehlt, nicht. „Das wäre ein echter Anreiz für regenerative Bewirtschaftung“, sagt er.

Nicht alle sind überzeugt. Maximillian sagt, er sei „kein großer Fan von Subventionen“ und glaubt, dass Betriebe sich durch regenerative Landwirtschaft schlicht anpassen müssen. Bessere Preise allein, so seine Ansicht, lösen das Grundproblem nicht.

Für viele bleibt jedoch ein fairer Markt das fehlende Puzzleteil. „Der Anbau einer dürre-resistenten Kultur ist nur die halbe Lösung“, sagt Yanniek. „Landwirte brauchen auch einen Markt, der so bezahlt, dass sich dieser Anbau lohnt.“ Ohne diese Perspektive, warnt Josefine, „verliert Europa auf diese Weise Hunderte von Höfen pro Tag – genau jene Betriebe, die die Lösungen für seine Regeneration in Händen halten“.

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