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Europa trocknet aus: Hitze statt Regenmangel treibt Dürren

Blick auf den fast ausgetrockneten Pergusasee nahe Caltanissetta in Zentralsizilien, der früher große Teile der Region mit Wasser versorgte, Freitag, 19. Juli 2024.
Blick auf den fast ausgetrockneten Lago di Pergusa bei Caltanissetta in Mittelsizilien, der einst große Teile der Region mit Wasser versorgte, Freitag, 19. Juli 2024. Copyright  AP Photo/Andrew Medichini
Copyright AP Photo/Andrew Medichini
Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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„Das ist nicht nur eine Krise für Landwirte, sie trifft am Ende auch Europas verletzlichste Menschen“, sagt die Forscherin Merel Laauwen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen in Europa immer häufiger die Hitze, nicht den Regenmangel, als Haupttreiber der Dürren. Die Feuchtigkeit im Boden verschwindet demnach „schneller, als sie es in einer Welt ohne Klimawandel tun würde“.

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Frankreich steuert auf die schlechteste Maisernte seit 50 Jahren zu. In Rumänien sind mehr als eine Million Hektar Ackerfläche verloren gegangen. Viele Flüsse in Europa führen so wenig Wasser, dass Schifffahrtsrouten blockiert sind und die Energieproduktion unter Druck gerät.

Eine neue Studie sieht die eigentliche Ursache jedoch nicht nur im fehlenden Regen, sondern in der Hitze.

Forschung von World Weather Attribution (WWA), einer internationalen Kooperation von Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, kommt zu dem Schluss: Rekordverdächtige Sommerhitze verstärkt die Dürre in Europa massiv, weil sie das Wasser aus den Böden schneller verdunsten lässt, als es nachkommen kann.

Forschende aus zwölf europäischen Ländern analysierten Niederschlagsmuster, die landwirtschaftliche Bodentrockenheit und die „potenzielle Evapotranspiration“ – ein Maß für den „Durst“ der Atmosphäre und ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu verdunsten. So wollten sie bestimmen, welchen Anteil der Klimawandel an der diesjährigen Dürre hat.

Sie kommen zu dem Ergebnis: Die langfristigen Niederschlagstrends unterscheiden sich je nach Region. Ausschlaggebend dafür, dass aus normalen Trockenphasen schwere Dürren werden, ist jedoch die extreme Hitze.

Bodenfeuchte nimmt in alarmierendem Tempo ab

Der Studie zufolge treten landwirtschaftliche Bodendürren in Westeuropa wegen des Klimawandels inzwischen rund fünfmal so häufig auf. In Osteuropa, wo die Trockenheit bereits seit sechs Monaten anhält, ist die Wahrscheinlichkeit sogar elfmal höher.

In Westeuropa ist der Klimawandel demnach nicht der Hauptgrund für den ausbleibenden Regen. Er sorgt aber dafür, dass früher seltene Hitzewellen viel häufiger auftreten und die Trockenheit der Luft stark zunimmt.

Die gleiche geringe Regenmenge, die früher nur zu einer leichten, kontrollierbaren Trockenphase geführt hätte, löst heute schwere Dürre aus – weil die zusätzliche Hitze die Feuchtigkeit viel schneller aus dem Boden zieht.

In Westeuropa sind Hitzewellen, die solche extremen Verdunstungsbedingungen verursachen, inzwischen rund 80-mal wahrscheinlicher als in einer Welt ohne Klimawandel. In Osteuropa ist ihre Wahrscheinlichkeit etwa 40-mal höher.

Extreme Hitze wird in Europa zum Haupttreiber der Dürre

„Das Klima Europas verändert sich rasant“, sagt die Klimaforscherin Sarah Kew vom Königlichen Niederländischen Meteorologischen Institut (KNMI). „Die Regenmuster bleiben uneinheitlich, doch unsere Ergebnisse zeigen: Extreme Hitze übernimmt die Rolle des wichtigsten Treibers von Dürren auf unserem Kontinent.

„Wir beobachten, dass das Wasser in Böden und Flüssen schneller verschwindet, als es in einer Welt ohne Klimawandel der Fall wäre. Dadurch werden aus eigentlich beherrschbaren Trockenperioden schwere Dürren.“

Dominik Schumacher vom Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaften der ETH Zürich sieht darin einen grundlegenden Wandel bei der Entstehung europäischer Dürren.

„Trotz mehr Regen im Winter beobachten wir inzwischen, dass sich die Böden bereits im Frühling ungewöhnlich stark austrocknen, noch bevor der Sommer begonnen hat“, sagt er. „Dafür sind wir selbst verantwortlich: Steigen die Temperaturen, wächst der Durst der Atmosphäre. Sie saugt dann Feuchtigkeit aus Flüssen, Seen, Stauseen und dem Boden.

„Das verändert die Entstehung europäischer Dürren grundlegend – immer weniger durch fehlenden Regen, immer mehr durch wärmere Luft, die verhindert, dass der Regen im Boden bleibt.“

Lebensmittelpreise steigen: Verwundbare Haushalte besonders betroffen

Die Folgen spüren längst nicht nur Landwirtinnen und Landwirte. Ernteausfälle, niedrige Flusspegel und überlastete Energiesysteme treiben die Preise für lebenswichtige Güter nach oben – und treffen einkommensschwache Haushalte besonders hart.

„Das ist nicht nur eine Krise für die Landwirtschaft, sondern eine, die bis zu Europas Verletzlichsten durchschlägt“, sagt Merel Laauwen von Wageningen University & Research in den Niederlanden. „Ernteverluste, niedrige Flussstände und Einschränkungen beim Wasserverbrauch können Grundnahrungsmittel und Energie verteuern und damit vor allem Haushalte mit geringem Einkommen treffen.

„Obwohl die Wissenschaft klar vorhersagt, dass wir in Zukunft häufiger und intensiver Dürren erleben werden, schreibt die EU Dürremanagementpläne bislang nicht vor. Die Vorbereitung in den europäischen Ländern fällt entsprechend uneinheitlich aus.“

Dürre als neue Normalität bei weiter steigenden Temperaturen

Steigen die Temperaturen weiter, weil klimaheizende Emissionen nicht schnell genug sinken, könnten sich die Dürrebedingungen in Europa rasch verschärfen.

„Besonders alarmierend ist, dass wir diese Bedingungen bereits bei 1,4 Grad Erwärmung erleben“, sagt Mariam Zachariah vom Centre for Environmental Policy am Imperial College London. „Wenn die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad steigen lassen, könnte sich die Wahrscheinlichkeit solcher intensiven Verdunstungsphasen verdoppeln. Dürren wie diese würden dann zur Regel.“

Sie warnt, dass „glühend heiße, trockene Sommer“ in Europa zur jährlichen Normalität werden, wenn nicht schnell gehandelt wird.

Simon Stiell, Exekutivsekretär von UN Climate Change, nennt die zunehmenden Dürren in Europa einen „unübersehbaren roten Alarm, dass sich unser Planet überhitzt, während sich die Klimakrise rasant verschärft“.

„Solange die Menschheit enorme Mengen an Kohle, Öl und Gas verbrennt, werden diese von der Klimakrise angetriebenen Dürren immer extremer und teurer – für Haushalte ebenso wie für ganze Volkswirtschaften“, warnt er.

„Doch die Lösungen sind ebenso klar: Wir müssen viel schneller auf erneuerbare Energien umsteigen – sie sind inzwischen billiger als fossile Brennstoffe –, unsere Volkswirtschaften elektrifizieren und in Widerstandskraft investieren, damit Gemeinden, Unternehmen und Staaten besser geschützt sind.“

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