Ein gewaltiger Eisblock bewegt sich täglich weiter talwärts. Sollte er abbrechen, könnten Eis und Schneemassen gemeinsam eine gefährliche Lawine auslösen. Fachleute überwachen die Lage oberhalb des Schweizer Bergdorfs Randa.
Hoch über dem Schweizer Bergdorf Randa im Kanton Wallis bewegt sich eine gewaltige Eismasse langsam, aber kontinuierlich talwärts. Rund 250.000 Tonnen Eis (eine Wucht, die etwa 25.000 Elefanten entspricht) könnten sich vom Hängegletscher Weisshorn Ost lösen und in die Tiefe stürzen. Mit den ersten kräftigen Schneefällen wächst die Sorge vor einem gefährlichen Zusammenspiel aus Eis und Schnee.
Der Eisblock am 4.505 Meter hohen Weisshorn rückt nach Angaben von Norbert Carlen, Naturgefahreningenieur beim Kanton Wallis, mit bis zu 20 Zentimetern pro Tag talwärts. Der Zeitung Walliser Bote beschrieb der Experte die Entwicklung als anhaltend dynamisch. Insbesondere die Schneemengen, die sich in den kommenden Wochen unterhalb des instabilen Gletschers ansammeln könnten, bereiten den Fachleuten Sorgen.
Wenn aus Eis und Schnee eine Lawine wird
Das größte Risiko entsteht, wenn der Eisblock bei einem Abbruch größere Schneemassen mitreißt. Auf dem flacheren Plateau unterhalb des Gletschers könnte sich im weiteren Verlauf des Herbstes erheblicher Neuschnee ansammeln und bei einem Absturz des Eisblocks würde dieser Schnee nach Einschätzung der Experten mitgerissen.
Auch Stefan Margreth, Lawinenschutzexperte am Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), erklärte der Schweizer Zeitung Blick, dass eine instabile Schneedecke weitere Lawinen auslösen könnte. Eine solche Kettenreaktion würde die Wucht und auch die Reichweite des Ereignisses vergrößern.
Warnstufe drei von vier – Gefahrenzone gesperrt
Die Gemeinde Randa lässt den Hängegletscher bereits seit Ende Juni 2026 verstärkt überwachen. Nachdem die Bewegungen deutlich zugenommen hatten, wurde die Überwachung am 24. August auf Stufe drei von vier angehoben. Noch am selben Tag registrierten die Verantwortlichen mindestens drei Eisabbrüche. Die abgebrochenen Massen blieben damals auf dem darunterliegenden Gletscherplateau liegen.
Die Behörden beobachten die Entwicklung derzeit weiterhin engmaschig: Im ausgewiesenen Gefahrenbereich dürfen sich keine Menschen aufhalten.
Ein Bergdorf mit tragischer Vergangenheit
Die Gefahr ist in der Region nicht unbekannt. Randa und die umliegenden Hänge waren in der Vergangenheit wiederholt von Eis- und Schneelawinen betroffen: Historische Berichte dokumentieren tödliche Unglücke, darunter eine Katastrophe im Januar 1636, bei der 37 Menschen ums Leben kamen.
Heute stehen den Verantwortlichen technische Überwachung und definierte Gefahrenzonen zur Verfügung. Dennoch bleibt die Situation am Weisshorn von natürlichen Entwicklungen abhängig, die sich nicht immer exakt vorhersagen lassen.
Der gewaltige Eisblock bleibt in Bewegung – wie schnell sich die Lage weiterentwickelt, ist derzeit offen.