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Sprit knapp: Schweiz erwägt Tempo 80 auf Autobahnen

Archivfoto. Ein Arbeiter stellt am Freitag, dem 3. Februar 2006, auf der Autobahn N4 in Zug (Schweiz) ein Schild auf, das eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h anzeigt.
Archivfoto. Ein Arbeiter stellt am Freitag, dem 3. Februar 2006, auf der Autobahn N4 in Zug (Schweiz) ein Schild auf, das eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h anzeigt. -  Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
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Wegen zunehmender Engpässe bei Diesel und Flugtreibstoff prüft die Schweiz eine drastische Maßnahme: Bei einer schweren Versorgungskrise könnte die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen von 120 auf 80 km/h sinken. Noch ist nichts beschlossen. Doch die Überlegungen zeigen, wie ernst die Lage ist.

Wer mit dem Auto durch die Schweiz fährt, kennt die Regel: Auf Autobahnen sind grundsätzlich 120 km/h erlaubt.

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Wie der ADAC berichtet, prüft die Schweiz eine landesweite Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h. Hintergrund sind Engpässe bei Diesel und Flugtreibstoff. Eine solche Maßnahme wäre allerdings kein gewöhnliches verkehrspolitisches Tempolimit, sondern ein Instrument der staatlichen Krisenvorsorge.

Treibstoffversorgung zunehmend angespannt

Die Schweiz ist bei der Versorgung mit Erdölprodukten in hohem Maße auf Importe und funktionierende Transportwege angewiesen und derzeit kommen mehrere Probleme zusammen. Nach Angaben der wirtschaftlichen Landesversorgung des Bundes ist insbesondere die Versorgung mit Diesel angespannt. Auch beim Kerosin ist die Versorgung demnach gefährdet.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Rhein: Normalerweise werden große Mengen an Mineralölprodukten per Schiff über Rotterdam nach Basel transportiert. Wegen niedriger Wasserstände ist die Schifffahrt jedoch eingeschränkt. Hinzu kommen Störungen bei weiteren Lieferwegen und Verzögerungen im Transport.

Die Schweiz hat deshalb bereits auf ihre staatlich vorgeschriebenen Pflichtlager zurückgegriffen. Diese Reserven sind dafür vorgesehen, die Versorgung im Krisenfall über einen begrenzten Zeitraum aufrechtzuerhalten. Dass sie nun teilweise geöffnet werden, zeigt, dass die Behörden die Situation als relativ ernst einstufen.

Tempo 80 als Maßnahme für den Notfall

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) hat nach den vorliegenden Berichten einen Vorschlag für eine vorübergehende Geschwindigkeitsbegrenzung innerhalb der Bundesverwaltung zur Stellungnahme vorgelegt.

Die Maßnahme soll nicht vorsorglich oder allein wegen hoher Spritpreise eingeführt werden, sie käme erst bei einer schweren Mangellage infrage. Nach den vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) wiedergegebenen Angaben der Behörden müsste dafür ein erheblicher Teil der Pflichtlager beansprucht werden und freiwillige Sparmaßnahmen dürften nicht mehr ausreichen.

Der Bundesrat könnte eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung im Krisenfall vergleichsweise kurzfristig anordnen.

Warum langsameres Fahren Treibstoff spart

Der Gedanke hinter der Maßnahme ist einfach: Je schneller ein Auto fährt, desto stärker wirkt der Luftwiderstand, der überproportional mit der Geschwindigkeit steigt. Der Motor muss deshalb bei hohem Tempo mehr Energie aufbringen, um das Fahrzeug voranzubewegen.

Eine Verringerung der Geschwindigkeit von 120 auf 80 km/h kann daher den Kraftstoffverbrauch deutlich reduzieren.

Neben dem unmittelbaren Spareffekt könnte die Maßnahme auch eine Signalwirkung haben: Die Bevölkerung würde stärker für die angespannte Versorgungslage sensibilisiert und möglicherweise zu weiteren Einsparungen motiviert.

Was bedeutet das für deutsche Autofahrer?

Sollte Tempo 80 tatsächlich angeordnet werden, würde das insbesondere längere Transitstrecken durch die Schweiz spürbar verändern. Wer beispielsweise auf dem Weg nach Italien oder in die Ferienregionen der Alpen unterwegs ist, müsste mehr Fahrzeit einplanen.

Die Schweiz ahndet Geschwindigkeitsüberschreitungen teilweise empfindlich. Bei einem Tempolimit von 80 km/h auf der Autobahn droht bereits ab einer Überschreitung von 26 km/h eine Verwarnung. Wer mindestens 31 km/h zu schnell unterwegs ist, muss mit einem Führerausweisentzug von mindestens einem Monat rechnen. Ab 35 km/h Überschreitung sind es mindestens drei Monate.

Auch deutsche Autofahrer bleiben davon nicht verschont: Die Schweizer Behörden können gegen sie ein Fahrverbot für das Schweizer Staatsgebiet verhängen. Der deutsche Führerschein selbst wird dadurch nicht ungültig, die Weiterfahrt in der Schweiz ist während des Fahrverbots aber untersagt.

Besonders drastisch sind die Folgen bei extremen Geschwindigkeitsüberschreitungen. Wird das Tempolimit von 80 km/h um mindestens 60 km/h überschritten und sind die weiteren Voraussetzungen des sogenannten Raserartikels erfüllt, drohen eine Freiheitsstrafe von einem bis zu vier Jahren, mindestens zwei Jahre Fahrverbot und unter Umständen die Einziehung des Fahrzeugs.

Raserartikel wird grenzüberschreitend geahndet

Die Schweizer Raser-Regeln gelten unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Auch deutsche Autofahrer können bei extremen Geschwindigkeitsüberschreitungen nach dem Schweizer Strafrecht verfolgt werden. Ihnen drohen Freiheitsstrafen von einem bis zu vier Jahren, ein Fahrverbot für die Schweiz und unter bestimmten Voraussetzungen sogar die Einziehung ihres Fahrzeugs. Dass sie einen deutschen Führerschein besitzen und in Deutschland wohnen, schützt sie nicht vor den Konsequenzen.

Eine in der Schweiz verhängte Freiheitsstrafe wird allerdings nicht automatisch in Deutschland vollstreckt. Unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen ist eine Überstellung zur Strafvollstreckung möglich. Geldstrafen können dagegen aufgrund des deutsch-schweizerischen Abkommens seit Mai 2024 auch grenzüberschreitend eingetrieben werden.

Elektroautos: Noch offene Fragen

Unklar ist bislang, ob eine mögliche Geschwindigkeitsbegrenzung auch Elektroautos erfassen würde. Aus Sicht der Treibstoffeinsparung wäre das nicht zwingend erforderlich, weil Elektroautos keinen Diesel oder Benzin verbrauchen. Andererseits könnte eine einheitliche Begrenzung aus Gründen der Verkehrssicherheit und der einfachen Kontrolle sinnvoll erscheinen.

Eine abschließende Regelung dazu liegt bislang nicht vor.

Kein gewöhnliches Tempolimit, sondern ein Krisensignal

Die Überlegungen aus der Schweiz sind auch deshalb bemerkenswert, weil Tempo 80 jetzt als zeitlich begrenzte Reaktion auf eine mögliche Energiekrise diskutiert wird.

Die Schweiz hatte bereits in der Vergangenheit auf Autobahnen vorübergehend Tempo 80 angeordnet, damals allerdings aus Gründen der Luftreinhaltung. Im Winter 2006 wurden bei hoher Feinstaubbelastung entsprechende Maßnahmen ergriffen. Nach einer Auswertung des Kantons Zürich ging das Verkehrsaufkommen damals um rund zehn Prozent zurück.

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