Eigentlich wollte die Bundeswehr auf Nummer sicher gehen, indem sie ein bereits zivil genutztes Hubschrauber-Modell von Airbus umrüsten lässt. Doch jetzt gibt es unerwartete Probleme.
Die neuen Kampfhubschrauber für die Bundeswehr sind ein Vorzeige-Projekt von Verteidigungsminister Boris Pistorius. Um auf Nummer sicher zu gehen, soll Airbus für etwa 2,5 Milliarden Euro den zivilen Helikopter H145M für militärische Zwecke umbauen.
Doch jetzt titelt der SPIEGEL: "Die neuen Kampfhubschrauber der Bundeswehr können fliegen, aber »auf absehbare Zeit« nicht schießen". Denn tatsächlich dauert der Umbau der zivilen Version nicht nur länger als bei der Bestellung der Leichten Kampfhubschrauber (LKH) 2023 geplant, sondern es gibt auch massive Probleme bei der Bewaffnung.
Warum klappt die Bewaffnung des Helikopters nicht?
Laut dem Bericht hat die Bundeswehr die für den neuen Kampfhubschrauber vorgesehenen Geschosse noch nicht getestet, dabei war dies seit Sommer 2020 geplant.
Eigentlich sollte der H145 auch mit Panzerabwehrraketen aus Israel ausgestattet werden. Diese sollte der Hersteller frühestens Ende 2027 an die Bundeswehr liefern. Dass diese Waffen dann tatsächlich bis 2029 von der Bundeswehr geprüft werden, erscheint Experten fraglich. Auch das Verteidigungsministerium hält dieses Ziel für "sehr ambiotioniert".
Und die bereits eingesetzte 20-Millimeter-Munition könne - so der Bericht - wegen "einer elektrostatischen Empfindlichkeit des Anzündhütchens" nicht mehr für sicher erklärt werden. Wann Airbus eine Lösung für dieses Problem anbieten kann, steht bisher nicht fest.
Dabei gilt der H145 auch beim Kommando Spezialkräfte (KSK), das bereits eine Militärvariante nutzt, als beliebt, weil besonders wendig. Der ADAC und auch die Bundeswehr nutzen den H145M bereits - vor allem bei Rettungseinsätzen.
Kann Deutschland seine Zusagen an die NATO einhalten?
Berlin hatte der NATO zugesagt, bis 2029 zwölf und bis 2032 insgesamt 72 einsatzbereite Kampfhelikopter zur Verfügung zu stellen. Laut einem Bericht des Bundesrechnungshofs für den Bundestag, aus dem der SPIEGEL zitiert, wird daraus aber sehr wahrscheinlich nichts.
Wegen Mängeln bei der Planung seien die Kampfhubschrauber dem Bundesrechnungshof zufolge erst mehrere Jahre später als geplant voll einsatzbereit, das Projekt befinde sich "auf einem kritischen Pfad".
Ende Oktober besuchte Boris Pistorius Airbus Defence im bayrischen Manching bei Ingolstadt. Über die Probleme mit dem H145 berichtete der Rüstungskonzern allerdings nicht.
Boris Pistorius unter Druck
Sein Fregatten-Projekt musste der Verteidigungsminister vor wenigen Monaten deutlich zurückschrauben. Jetzt soll der deutsche Rüstungskonzern TKMS statt der zuvor geplanten "größten Fregatte der Welt" deutlich kleinere Schiffe bauen. Dabei waren schon 2 Milliarden Euro in die ursprünglichen Pläne geflossen.
Schon 2022 machte die Bundeswehr Schlagzeilen, weil bei einem Manöver alle 18 Hightech-Kampfpanzer vom Typ Puma nicht mehr eingesetzt werden konnten. Generalmajor Ruprecht von Butler sprach damals angesichts der Panne von einem "Totalausfall".
Am Wochenende bemühte sich Verteidigungsminister Boris Pistorius darum, die in zahlreichen Städten auch gegen die Wehrpflicht protestierenden Jugendlichen zu beruhigen. Eine Reaktivierung der Wehrpflicht stehe vorerst nicht zur Debatte, denn die Bundeswehr hat ihr Personalziel für 2026 offenbar schon erreicht. Deutschlands in Umfragen seit Jahren beliebtester Politiker sieht darin ein wichtiges Signal an die NATO. Doch der Druck auf Boris Pistorius, die deutsche Verteidigungsfähigkeit rasch zu stärken, besteht weiter.