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Europas Verteidigungsausgaben: Welche Länder investieren am meisten?

Modelle von Raketen und des Kampfjets F-35
Modellraketen und ein F-35-Kampfjet im Maßstab Copyright  Copyright 2014 AP. All rights reserved.
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Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die EU-Staaten geben 2024 insgesamt 343,2 Milliarden Euro für Verteidigung aus. Deutschland und Frankreich tragen zusammen 44 Prozent dieser Summe.

Die Verteidigungsausgaben in der EU sind deutlich gestiegen. Weltweit nehmen die Bedrohungen zu, in den vergangenen fünf Jahren haben sich die Ausgaben nahezu verdoppelt.

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Die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) rechnet damit, dass die Ausgaben 2025 bei 392 Milliarden Euro liegen. 2020 waren es noch 198 Milliarden Euro – ein nomineller Anstieg um 98 Prozent. Preisbereinigt ergibt sich ein Plus von 63 Prozent, also immer noch ein kräftiger Sprung zwischen 2020 und 2025.

Viele Sicherheitsexpertinnen und -experten führen diesen sprunghaften Anstieg direkt auf Russlands Invasion der Ukraine zurück, kombiniert mit nachlassender US-Unterstützung für die europäische Sicherheit. Nun arbeitet die internationale Diplomatie an einem Friedensplan für Russland und die Ukraine. Fachleute warnen, ein Abkommen, das Moskau begünstigt und auf bestimmte Sicherheitsgarantien verzichtet, könnte die langfristige Stabilität gefährden. Für die Nachbarstaaten der Ukraine wächst das Risiko, irgendwann erneut Ziel eines russischen Angriffs zu werden.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Welche europäischen Staaten investieren derzeit am stärksten in ihre eigene Verteidigung?

Deutschland gibt am meisten für Verteidigung aus

Laut EDA gaben die EU-Staaten 2024 insgesamt 343,2 Milliarden Euro für Verteidigung aus. Deutschland liegt mit großem Abstand vorn und kommt auf 90,6 Milliarden Euro, das sind 26,4 Prozent der gesamten EU-Rüstungsausgaben. Frankreich folgt mit 59,6 Milliarden Euro beziehungsweise 17,4 Prozent des EU-Gesamtvolumens.

Zusammen stehen beide Länder damit für 43,8 Prozent der EU-Verteidigungsausgaben, also rund 150 Milliarden Euro.

Da die Zahlen von Eurostat wegen unterschiedlicher statistischer Abgrenzungen niedriger ausfallen, stützt sich diese Auswertung auf die aktuelleren EDA-Daten.

Fünf Länder tragen fast siebzig Prozent der Ausgaben

Italien belegt mit 32,7 Milliarden Euro Platz drei, dicht gefolgt von Polen mit 31,9 Milliarden Euro. Spanien steht auf Rang fünf, liegt mit 22,7 Milliarden Euro aber deutlich unter den großen europäischen Volkswirtschaften. Anfang dieses Jahres drohte US-Präsident Donald Trump Spanien sogar offen mit einem Ausschluss aus der NATO, weil das Land sich gegen eine Erhöhung der Militärausgaben auf fünf Prozent des BIP sperrt.

Zusammen kamen die fünf führenden Staaten auf 237,5 Milliarden Euro für Verteidigung und damit auf 69,2 Prozent der EU-Gesamtausgaben.

Vierzehn Länder teilen sich acht Prozent der EU-Gesamtausgaben

Insgesamt gaben vierzehn EU-Staaten jeweils weniger als fünf Milliarden Euro aus, acht davon sogar weniger als zwei Milliarden Euro. Gemeinsam kamen diese vierzehn Länder auf 28,2 Milliarden Euro, also lediglich 8,2 Prozent der gesamten EU-Verteidigungsausgaben. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Österreich (4,9 Milliarden Euro), Ungarn (4,5 Milliarden Euro) und Portugal (4,2 Milliarden Euro). Malta, der kleinste EU-Mitgliedstaat, verzeichnete mit nur 99 Millionen Euro die geringsten Ausgaben.

Großbritannien und die Türkei zählen zu den wichtigsten europäischen Mitgliedern der NATO, gehören aber nicht zur EU. Nach NATO-Angaben gab Großbritannien 2024 rund 65,8 Milliarden Pfund beziehungsweise 74,97 Milliarden Euro für Verteidigung aus, die Türkei etwa 24,4 Milliarden Euro.

Verteidigungsausgaben pro Kopf

Die Verteidigungsausgaben pro Kopf unterscheiden sich in Europa erheblich: 2024 lagen sie zwischen 174 Euro in Malta und 1.540 Euro in Dänemark. Der einfache Durchschnitt über alle EU-Staaten lag bei 686 Euro, gewichtet nach der EU-Bevölkerung zu Jahresbeginn bei 764 Euro.

Neben Dänemark investieren noch vier weitere Länder mehr als 1.000 Euro pro Kopf: die Niederlande (1.184 Euro), Finnland (1.140 Euro), Schweden (1.073 Euro) und Deutschland (1.069 Euro).

In zehn Ländern liegt der Wert unter 500 Euro, darunter Spanien mit 465 Euro.

Von den beiden anderen großen Volkswirtschaften gibt Frankreich 869 Euro pro Kopf aus, Italien 555 Euro.

Wie sich die Verteidigungsausgaben in Europa verändern

„Russlands großangelegte Invasion der Ukraine ist der wichtigste Treiber hinter dem Anstieg der Verteidigungsausgaben“, sagte Calle Håkansson, Forscher bei der Schwedischen Verteidigungsforschungsagentur, gegenüber Euronews Business.

„Zwar waren die Verteidigungsinvestitionen in Europa schon im vergangenen Jahrzehnt gestiegen, doch der Krieg in der Ukraine markiert eine drastische Zäsur.“

Die Zahlen von Eurostat und EDA weisen Zuwächse bei den nominalen Ausgaben aus. EDA-Angaben in konstanten Preisen des Jahres 2024 zeigen dagegen die reale Entwicklung, also bereinigt um die Inflation.

In Preisen von 2024 beliefen sich die Verteidigungsausgaben der EU im Jahr 2020 auf 234,2 Milliarden Euro. 2024 kletterten sie auf 343,2 Milliarden Euro und dürften 2025 nach Prognosen 381 Milliarden Euro erreichen.

Der reale Anstieg im vergangenen Jahrzehnt, von 2015 bis 2025, beträgt damit 99 Prozent. 2014 lagen die Ausgaben mit 188,5 Milliarden Euro auf dem niedrigsten realen Stand. Seitdem steigen sie Jahr für Jahr.

„2014 beendeten die EU-Staaten – die meisten von ihnen sind zugleich Mitglieder des NATO-Bündnisses – den Trend sinkender Verteidigungsbudgets als Reaktion auf Russlands erste Invasion der Ukraine“, sagte Rafael Loss, Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations (ECFR), Euronews Business.

Allerdings habe es einige Jahre gedauert, bis die Verteidigungsbudgets im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung schneller wuchsen als das BIP und sich so dem NATO-Ziel von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung annäherten, das inzwischen auch der EU als Referenz dient, so Loss.

Auf einem Gipfel Anfang des Jahres einigten sich die NATO-Staaten unter dem Druck der USA darauf, ihre Verteidigungsausgaben bis 2035 auf fünf Prozent des BIP zu erhöhen. Geplant sind 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung für die eigentliche Verteidigung, die übrigen 1,5 Prozent sollen in eine breitere Sicherheitsinfrastruktur fließen.

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