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Nettoeinkommen in Europa: Wo bleibt nach Steuern am meisten übrig?

Jährliche Nettoeinkommen in Europa
Jährliche Nettoeinkommen in Europa Copyright  Valentina Petrova
Copyright Valentina Petrova
Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Nettoeinkommen von Beschäftigten unterscheiden sich in Europa stark: Sie reichen von unter 13.000 bis über 54.000 Euro jährlich. Trotz Anpassung an die Lebenshaltungskosten bleiben deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westeuropa.

Ein Durchschnittsverdiener nimmt in Luxemburg mehr als das Vierfache dessen mit nach Hause wie in Ungarn, wie neue Zahlen von Eurostat zeigen.

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Das jährliche Nettoeinkommen eines alleinstehenden Beschäftigten ohne Kinder reicht von 12.967 € in Ungarn bis 54.260 € in Luxemburg. Das zeigt, wie groß die Unterschiede beim Einkommen nach Steuern in Europa sind.

Das Ranking zeigt große Abstände zwischen den Ländern. Bereinigt um die Kaufkraft wird der Abstand kleiner, bleibt aber deutlich.

Die Unterschiede hängen mit Lohnniveau, Steuersystem, Sozialabgaben und Familienleistungen zusammen. Länder mit hohen Bruttolöhnen liegen nicht unbedingt vorn, wenn Steuern und Lebenshaltungskosten einbezogen werden.

Was sind Nettoeinkommen?

Nettoeinkommen zeigen, wie viel Beschäftigte nach Abzug von Einkommensteuer und Sozialbeiträgen tatsächlich ausgezahlt bekommen. Bei Haushalten mit Kindern zählen Familienleistungen dazu.

Im Jahr 2025 liegen die jährlichen Nettoeinkommen eines alleinstehenden Durchschnittsverdieners ohne Kinder in der EU laut den Mitte 2026 veröffentlichten Eurostat-Daten bei 26.929 €.

Weil das Nettoeinkommen vom Familienstand und der Zahl der unterhaltsberechtigten Kinder abhängt, betrachtet Eurostat weitere Haushaltstypen.

In welchen Ländern sind die Nettoeinkommen am höchsten?

Unter den Spitzenreitern in der EU überschreitet nur Luxemburg die Marke von 50.000 € im Jahr. In lediglich zwei weiteren Ländern verdient eine alleinstehende Person mehr als 40.000 € netto: in Irland (44.263 €) und in Dänemark (41.981 €).

Über dem EU-Durchschnitt von 26.929 € und zugleich über 30.000 € liegen auch die Niederlande (36.837 €), Belgien (34.642 €), Schweden (34.624 €), Finnland (33.641 €), Deutschland (31.000 €) und Frankreich (30.832 €).

Deutschland und Frankreich liegen damit nur leicht über dem EU-Mittel, Spanien und Italien darunter. Eine alleinstehende Person verdient in Deutschland oder Frankreich mindestens 5.000 € mehr als in Spanien und Italien, wo das Nettoeinkommen bei 25.263 € beziehungsweise 24.471 € liegt.

EU-Länder mit weniger als 20.000 € Nettoeinkommen im Jahr

In zehn EU-Staaten bleiben die jährlichen Nettoeinkommen unter 20.000 €. Ungarn (12.967 €), Rumänien (13.233 €), Griechenland (15.050 €), die Slowakei (15.686 €) und Polen (16.163 €) bilden die Schlussgruppe. Lettland (16.793 €), Kroatien (17.256 €), Litauen (18.650 €), Tschechien (19.569 €) und Portugal (19.709 €) liegen zwar etwas höher, der Abstand ist jedoch gering.

Estland (20.045 €), Slowenien (22.503 €), Zypern (23.524 €) und Malta (25.544 €) liegen zwischen 20.000 € und dem EU-Durchschnitt.

Bulgarien wies 2024 das niedrigste Nettoeinkommen in der EU auf. Euronews Business hat das Land jedoch vorläufig aus der Auswertung herausgenommen, weil die aktualisierten Eurostat-Zahlen einen ungewöhnlich starken Sprung zeigen und noch bestätigt werden müssen.

Einkommenslücke schrumpft bei Berücksichtigung der Lebenshaltungskosten

Wer die Lebenshaltungskosten berücksichtigt, sieht ein deutlich anderes Bild. Beschäftigte in Ländern wie Rumänien und Polen erhalten zwar weniger Euro als Kolleginnen und Kollegen in Westeuropa. Wegen der niedrigeren Preise reicht ihr Einkommen im eigenen Land jedoch weiter.

Dadurch fällt der Abstand zwischen den höchsten und niedrigsten Einkommen in Europa deutlich kleiner aus als auf den ersten Blick. Nominal sind die Nettoeinkommen im Spitzenland 4,2-mal so hoch wie im Schlusslicht. In Kaufkraft gemessen schrumpft der Faktor auf 2,3.

Griechenland fällt im PPS-Vergleich ans Ende

Im Kaufkraftstandard PPS liegt der EU-Durchschnitt bei 26.346 €. Die Spannweite reicht von 17.509 € in Griechenland bis 40.846 € in Luxemburg.

Unter den vier größten Volkswirtschaften der EU verzeichnet Deutschland mit 28.536 € das höchste Nettoeinkommen in PPS. Dahinter folgt Spanien (27.794 €) knapp vor Frankreich (27.724 €), das in Euro gerechnet noch an zweiter Stelle steht. Italien (25.095 €) bleibt unter dem EU-Durchschnitt.

Einige Länder verbessern sich im PPS-Ranking deutlich. Rumänien springt vom zweitletzten Platz ins Mittelfeld und überholt mehrere Staaten. Polen schiebt sich vor Estland, Lettland und Litauen. Spanien zieht an Frankreich vorbei und verringert den Abstand zu Deutschland spürbar.

Andere Länder verlieren deutlich. Griechenland fällt im PPS-Vergleich auf den letzten Platz in der EU und liegt nun hinter Ungarn. Dänemark rutscht hinter Irland, Österreich und die Niederlande zurück.

Regionale Muster zeigen sich in beiden Kennzahlen. Westeuropäische Staaten liegen in Euro und in PPS meist vorn, auch wenn Dänemark im Kaufkraftvergleich zurückfällt. Osteuropäische Länder wie Rumänien, Polen und Kroatien gewinnen in der PPS-Rangliste, weil die niedrigeren Lebenshaltungskosten die geringeren Nominallöhne teilweise ausgleichen. Das verringert den Abstand zwischen Ost und West.

Familienleistungen machen Unterschied: Deutschland vorn

Die genannten Werte beziehen sich auf eine alleinstehende Person ohne Kinder. Kommen unterhaltsberechtigte Kinder hinzu, verändern sich Nettoeinkommen und Rangfolge teils deutlich – vor allem in Ländern mit großzügigen Familienleistungen. Diese bestehen etwa aus Steuererleichterungen oder direkten Zahlungen für Kinder.

Im Vergleich zwischen einer alleinstehenden Person ohne Kinder und einem Einverdiener-Paar mit zwei Kindern zeigt sich Deutschland als am großzügigsten. Das Nettoeinkommen eines Einverdiener-Haushalts mit zwei Kindern liegt dort 53 % höher und steigt von 31.000 € auf 47.424 €.

Auch Polen (39 %), Belgien (37 %) und Österreich (33 %) fallen durch eine relativ starke Familienförderung auf.

Unter den großen Volkswirtschaften weist Spanien mit nur 13 % den geringsten Unterschied auf. In Frankreich beträgt er 26 %, in Italien 25 %.

Zypern (sechs Prozent) sowie die beiden nordischen Länder Finnland (sieben Prozent) und Schweden (acht Prozent) liegen am Ende dieser Skala. Das heißt jedoch nicht, dass Familien mit Kindern dort keine Unterstützung erhalten – sie kann über andere Instrumente gewährt werden.

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