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Elon Musk vor Gericht: Hat er Twitter-Aktie vor der Übernahme gezielt gedrückt?

Archivfoto: Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk spricht am neunten März 2020 auf der SATELLITE-Konferenz in Washington.
ARCHIV: Elon Musk, Chef von Tesla und SpaceX, spricht am neunten März 2020 auf der SATELLITE-Konferenz in Washington. Copyright  AP Photo
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Von Una Hajdari & AP
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Der Milliardär sieht sich einer Klage von Aktionären gegenüber. Sie werfen ihm vor, Falschinfos über Fake-Accounts verbreitet zu haben, um Twitters Aktienkurs vor der Übernahme zu drücken.

Elon Musk soll am Mittwoch in San Francisco in einem Prozess von Aktionären aussagen. Ihm wird vorgeworfen, mit falschen und irreführenden Aussagen den Aktienkurs von Twitter gedrückt zu haben, bevor er die Plattform 2022 für 44 Milliarden Dollar (37,9 Milliarden Euro) übernahm.

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Die Klage wurde im Oktober 2022 beim Bundesbezirksgericht für den nördlichen Bezirk Kaliforniens eingereicht. Sie vertritt Twitter-Aktionäre, die ihre Anteile zwischen dem 13. Mai und dem 4. Oktober 2022 verkauften, also wenige Wochen bevor Musks Übernahme endgültig besiegelt wurde.

Nach Darstellung der Kläger verstieß Musk gegen US-Wertpapiergesetze. Seine öffentlichen Aussagen seien "sorgfältig darauf angelegt" gewesen, den Kurs der Twitter-Aktie zu drücken.

Der Tesla-Chef und Multimilliardär einigte sich im April 2022 grundsätzlich auf den Kauf von Twitter und wollte den Konzern von der Börse nehmen.

Am 13. Mai erklärte er jedoch, der Plan liege "vorübergehend auf Eis". Er müsse zunächst klären lassen, wie viele Spam- und Fake-Konten es auf der Plattform gebe.

Die Twitter-Aktie brach daraufhin ein. Einige Tage später twitterte Musk, die Übernahme könne "nicht fortgesetzt" werden. Fast 20 % der Konten seien "fake", heißt es in der Klageschrift.

Der Tweet vom 13. Mai, in dem Musk schrieb: "Twitter-Deal vorübergehend ausgesetzt, bis Details vorliegen, die berechnete Zahl von Spam/Fake-Konten unter fünf Prozent der Nutzer belegen", sei schlicht falsch gewesen, heißt es weiter. Der Kauf sei zu diesem Zeitpunkt nämlich keineswegs "vorübergehend ausgesetzt" gewesen.

Twitter habe einer Aussetzung des Deals nie zugestimmt, so die Klage. Im Fusionsvertrag, den beide Seiten unterschrieben, gebe es keine Klausel, die Musk einen solchen Schritt erlaubt hätte.

In den folgenden Wochen versuchte Musk weiter, den Abschluss hinauszuzögern oder ganz auszusteigen. Laut Klage tat er das mit falschen und abwertenden Aussagen über das Geschäft von Twitter, die den Aktienkurs des in San Francisco ansässigen Unternehmens stark unter Druck setzten.

Im Juli 2022 legte Musk in der Debatte über Bots nach. Er erklärte, er werde sein Übernahmeangebot zurückziehen, weil Twitter nicht genug Informationen zur Zahl der Fake-Konten geliefert habe.

Das geschah, obwohl Musk laut Klage im Rahmen seines "Friss-oder-stirb"-Angebots auf eine gründliche Prüfung verzichtet hatte. Er hatte damit sein Recht aufgegeben, nicht öffentliche Finanzdaten des Unternehmens einzusehen.

Die Twitter-Aktie schloss am 8. Juli bei 36,81 Dollar (31,66 Euro), an jenem Tag, an dem Musk per Tweet verkündete, er lasse den Deal wegen der Fake-Konten platzen. Das lag 32 % unter seinem ursprünglichen Angebot von 54,20 Dollar (46,61 Euro) je Aktie.

In dem Schriftsatz heißt es weiter, Musk habe "in der Absicht, den Preis neu zu verhandeln oder die Fusion zu verzögern, objektiv falsche und irreführende Angaben gemacht und wesentliche Informationen verschwiegen". Er habe damit einen Plan verfolgt, den Markt zu täuschen, und so gegen geltendes Recht verstoßen.

Das Problem von Bots und Fake-Konten auf Twitter war allerdings nicht neu.

Schon 2021 zahlte das Unternehmen 809,5 Millionen Dollar (696,2 Millionen Euro), um Vorwürfe beizulegen, es habe seine Wachstumsraten und monatlichen Nutzerzahlen zu optimistisch dargestellt.

Twitter meldete seine Schätzungen zum Bot-Anteil zudem jahrelang an die US-Börsenaufsicht SEC und wies zugleich darauf hin, dass diese Zahlen womöglich zu niedrig seien.

Twitter verklagte Musk schließlich, um ihn zum Vollzug der Übernahme zu zwingen. Musk erhob seinerseits Gegenklage.

Am 4. Oktober bot Musk dann an, den ursprünglichen Kaufvertrag über 44 Milliarden Dollar (37,9 Milliarden Euro) doch zu erfüllen. Twitter akzeptierte, der Deal wurde noch im selben Monat abgeschlossen.

In den Monaten danach baute Musk die Belegschaft massiv ab. Er löste große Teile des Teams für Vertrauen und Sicherheit auf und lockerte die Regeln zur Moderation von Inhalten deutlich.

Im Juli 2023 benannte er Twitter in X um.

Es ist nicht das erste Mal, dass Musk vor Gericht um seinen Umgang mit Investoren und Äußerungen in sozialen Medien kämpfen muss.

Vor drei Jahren sagte Musk rund acht Stunden lang in einem Bundesprozess in San Francisco aus. Damals ging es um seine Ankündigung, den Elektroautobauer Tesla, den er weiterhin als börsennotiertes Unternehmen leitet, 2018 für 420 Dollar (361,20 Euro) je Aktie von der Börse zu nehmen – ein Plan, der nie umgesetzt wurde.

Eine neunköpfige Jury sprach Musk in diesem Verfahren von allen Vorwürfen frei.

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