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Zentralasiatisches Land stellt Regeln für Frauenrechte auf den Kopf

Eine Dozentin begleitet ihre Studierenden durch Datenstrukturen und Algorithmen.
Eine Tutorin führt ihre Studierenden in Datenstrukturen und Algorithmen ein. Copyright  Euronews
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Von Dilbar Primova
Zuerst veröffentlicht am
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Reformen und Förderprogramme öffnen Frauen zunehmend den Weg zu Ausbildung, Praktika und Gründungen. Sie stellen 54 % der Studierenden und 61 % der Forschenden; mehr als 380.000 erhielten 2025 Kredite. Doch Rollenbilder und Gewalt bremsen den Fortschritt.

Usbekistan hat im weltweiten Index für Gleichstellung und Regierungsführung einen Sprung um 51 Plätze gemacht: von Rang 103 auf Rang 52. Grund ist eine umfassende Gesetzesreform, die Gleichstellungsprinzipien in die Verfassung, die nationale Entwicklungsstrategie und mehr als 110 einzelne Rechtsakte aufnimmt.

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Der Weltbank-Bericht „Women, Business and the Law 2026“ führt Usbekistan auf Platz 48 von 190 Volkswirtschaften, ein Plus von 43 Rängen. Beim rechtlichen Rahmen erreicht das Land 82,1 von 100 Punkten und liegt damit klar über dem weltweiten Durchschnitt von 67 Punkten. Höchstbewertungen gab es bei Mobilität, Familie, Entlohnung, Kinderbetreuung und Eigentumsrechten; auch Arbeits- und Rentenrecht wurden weiter verbessert.

Seit den Parlamentswahlen 2024 besetzen Frauen nun 38 % der Sitze in der Gesetzgebenden Kammer, 27 % im Senat und 32,5 % in den lokalen Räten.

Bildung und digitale Kompetenzen

Frauen stellen inzwischen 54 % der Studierenden an Usbekistans Hochschulen – mehr als 904.000 im Jahr 2026 – und machen 61 % der Praktikantinnen, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Doktorandinnen aus.

Die Regierung erweitert gezielt den Zugang für einkommensschwache Frauen. Staatlich finanzierte Bachelor-Studienplätze für Frauen aus armen Familien haben sich von 2.000 auf 4.000 verdoppelt. Zulassungsquoten ohne Studiengebühren für Frauen mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung, aber ohne Abschluss, haben sich von 500 auf 2.500 verfünffacht.

Die Unternehmerin Muqaddas Sodikova aus Andijon, Mutter von vier Kindern, hat zwölf Jahre lang von zu Hause aus gelernt, bevor sie über dieses Programm am Staatlichen Pädagogischen Institut Andijon ein Studium aufnahm. Später gründete sie mit Unterstützung des UN-Entwicklungsprogramms UNDP ein eigenes Unternehmen. Ihre Firma Sam Bright Line beschäftigt heute 18 feste und mehr als 180 saisonale Arbeitskräfte.

Auch in der digitalen Bildung fällt Usbekistan aus dem Rahmen. Nach der Coursera-Analyse „Gender Gap in Generative AI“ ist es das einzige Land, in dem Frauen die Mehrheit der Einschreibungen in Kursen zu Generativer KI stellen – mit einem Anteil von 58,9 %.

Frauen in Wirtschaft und Unternehmertum

Unternehmerinnen gewinnen deutlich an Dynamik. Im Jahr 2025 erhielten mehr als 380.000 Frauen Kredite in Höhe von insgesamt 1,52 Milliarden Euro, um ein Unternehmen zu gründen. Insgesamt konnten durch gezielte Darlehen, Mentoring und Schulungsprogramme rund 2,3 Millionen Frauen in einkommensschaffende Arbeit vermittelt werden.

Allein die BRB Bank hat nach Angaben von Abteilungs-Vizechefin Zulfiya Saburova mehr als 11.000 von Frauen geführte Unternehmen mit rund 29,34 Millionen Euro finanziert.

„Die Kredite werden zu günstigen Konditionen vergeben, darunter eine Rückzahlungsfrist von sieben Jahren und eine tilgungsfreie Zeit von zwei Jahren“, sagte sie.

Einige Begünstigte haben ihre Geschäfte bereits auf Exportmärkte ausgeweitet. Nargiza Bekmuratova, Gründerin des Textilunternehmens Artatex LLC, exportiert inzwischen in die Vereinigten Staaten, nach Russland, Aserbaidschan und Kasachstan. Ihr jährliches Exportvolumen liegt bei rund 3,72 Millionen Euro.

Arbeitswelt im Wandel

Frauen dringen nach und nach in Branchen vor, die ihnen lange verschlossen waren. Uzbekhydroenergo, der nationale Wasserkraftbetreiber, beschäftigt inzwischen 381 Frauen unter 1.435 Fachkräften, darunter 40 in Führungspositionen.

In Samarkand werden Frauen zu Straßenbahnfahrerinnen ausgebildet.

„Wir bilden jetzt mehr Frauen aus, weil sie in der Regel vorsichtig fahren und gut mit Fahrgästen umgehen“, sagte Sherali Namatov, Direktor des örtlichen Straßenbahnbetriebs, der derzeit 14 Frauen unter seinen 80 Beschäftigten zählt.

Mit der Regierungsverordnung Nr. 85 fiel ein bedeutendes gesetzliches Hindernis: Das Verbot für Frauen, als Busfahrerinnen oder Lkw-Fahrerinnen im Schwerlastverkehr zu arbeiten, wurde aufgehoben.

Die Reform hat mehr als nur symbolische Bedeutung. Eine Initiative des Global Accelerator on Jobs and Social Protection aus dem Jahr 2025 schätzt, dass rund 60 % der erwerbstätigen Frauen in Usbekistan derzeit im informellen Sektor arbeiten. Sie zielt darauf ab, sie in formelle Beschäftigung mit Zugang zu Renten und Krankenversicherung zu überführen.

Tief verwurzelte gesellschaftliche Hürden

Trotz der Reformen bleiben geschlechtsspezifische Gewalt (GBV) und schädliche soziale Normen große Herausforderungen. Nach Angaben von UN Women verfügen alle Länder in Zentralasien über entsprechende Rechtsgrundlagen, doch bei der Umsetzung gibt es weiterhin große Lücken.

Nach offiziellen, vom Senat zitierten Statistiken wurden allein im ersten Halbjahr 2025 in Usbekistan 48.303 Fälle von Belästigung und Gewalt gegen Frauen registriert. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. In diesem Zeitraum wurden mehr als 6.000 Personen strafrechtlich verfolgt.

Gewaltbedrohte Frauen können innerhalb von 24 Stunden Schutzanordnungen erhalten, Unterkünfte und rechtliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Für Täterinnen und Täter kommen Rehabilitationsprogramme oder Verwaltungssanktionen in Frage.

Im Oktober 2025 eröffnete in der Region Fergana ein neues Schutzhaus für Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt. Es bietet soziale, rechtliche und psychologische Unterstützung.

„Rechtliche und bildungspolitische Fortschritte sind wichtig, doch für nachhaltige Gleichstellung müssen Männer zu aktiven Verbündeten in Familien, am Arbeitsplatz und in den Gemeinden werden“, betonte Akiko Fujii, ständige Vertreterin des UN-Entwicklungsprogramms.

Kampagnen wie die Aktion „16 Tage Aktivismus gegen geschlechtsspezifische Gewalt“ im Jahr 2025 und Programme zum Aufbau lokaler Kapazitäten sollen soziale Normen verändern und Schutzmechanismen stärken.

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