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Iran erhöht Mindestlohn um 60 Prozent: Krieg und Sanktionen drücken Einkommen

Archivbild: Iranische und US-Banknoten in einem Wechselbüro im Zentrum Teherans, Iran, April 2015
ARCHIV: Iranische und US-Banknoten in einem Wechselbüro im Zentrum von Teheran, Iran, April 2015. Copyright  AP Photo/Vahid Salemi
Copyright AP Photo/Vahid Salemi
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Das Regime im Iran kündigt eine Erhöhung des Mindestlohns um 60 Prozent an. Das Land ringt zugleich schwer mit dem anhaltenden Krieg und der Rekord-Inflation.

Irans Arbeitsminister Ahmad Meydari hat am Montag eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns um 60 Prozent bestätigt. Der monatliche Mindestlohn steigt damit von 103 Millionen Rial (67,5 Euro) auf 166 Millionen Rial (109 Euro).

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Die Maßnahme soll die explodierenden Lebenshaltungskosten etwas abfedern. Sie folgt auf Proteste gegen die wirtschaftliche Not vor wenigen Monaten und erfolgt in einer Phase verschärfter Sanktionen und verschlechterter Bedingungen durch den andauernden Krieg mit Israel und den USA.

Die Proteste Anfang 2026 beantworteten die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) mit brutaler Repression. Nach Angaben unabhängiger Stellen kamen dabei mindestens 36 000 Menschen ums Leben.

Das iranische Regime unter dem inzwischen getöteten Ayatollah Ali Chamenei hatte den Einsatz scharfer Munition gegen Demonstrierende angeordnete. Chamenei soll die Sicherheitskräfte angewiesen haben, die Proteste „mit allen nötigen Mitteln niederzuschlagen“.

Die Erhöhung des Mindestlohns ist eine direkte Reaktion auf den Druck von Arbeiterorganisationen. Sie zeigt zugleich, dass die Behörden trotz Krieg um Stabilität in der Gesellschaft ringen.

Der Rial notiert derzeit bei rund 1,35 Millionen pro US-Dollar. Viele Beschäftigte, die unter das iranische Arbeitsrecht fallen, können sich Grundnahrungsmittel kaum noch leisten. Auch Familien- und Kinderzulagen steigen im Rahmen des Pakets der Revolutionsgarden.

Die Anpassung tritt am 20. März in Kraft, dem persischen Neujahrstag. Dann beginnt im Solar-Hidschri-Kalender das Jahr 1405.

Der persische Kalender ist ein Sonnenkalender, der offiziell im Iran und in Afghanistan gilt. Er beginnt mit dem Jahr 622 nach Christus.

Iranerinnen und Iraner demonstrieren bei regimekritischem Protest in Teheran, Iran, 9. Januar 2026
Iranerinnen und Iraner demonstrieren bei regimekritischem Protest in Teheran, Iran, 9. Januar 2026 UGC via AP

Iran unter Rekordinflation: Wirtschaftlicher Druck wächst

Iran passt den Mindestlohn jedes Jahr an die Inflation an. Dieses Prinzip gerät nun durch Krieg und internationale Sanktionen massiv unter Druck. Die Erhöhung um 60 Prozent wurde trotz des laufenden Militäreinsatzes beschlossen, der Lieferketten stört und den Wertverlust des Rial beschleunigt.

Trotz ihres Umfangs reicht die neue Lohnanhebung nicht aus. Sie bleibt deutlich unter den 580 Millionen Rial (380 Euro), die eine Familie im Monat für einen einfachen Warenkorb benötigt. Gewerkschaften hatten mindestens 600 Millionen Rial (393 Euro) gefordert.

Die Lebensmittelpreise steigen um fast 90 Prozent. Die Verbraucherpreise insgesamt legten 2025 um 44,6 Prozent zu. Ohne tiefgreifende Reformen könnte der Effekt der Lohnerhöhung rasch verpuffen.

Seit 2025 haben sich die Bedingungen weiter verschlechtert.

Im Februar meldete das Statistische Zentrum Irans eine Inflationsrate von 68,1 Prozent, den höchsten Wert seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Zentralbank sprach von 62,2 Prozent. Die Monatsinflation stieg um 9,4 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit den Subventionsreformen 2022.

Die Lebensmittelpreise kletterten binnen eines Jahres um 110 Prozent. Brot und Getreide verteuerten sich um 142 Prozent, Fleisch um 117 Prozent und Speiseöl um 207 Prozent.

In den vergangenen zehn Jahren haben Löhne gegenüber dem US-Dollar mehr als 300 Prozent an realer Kaufkraft eingebüßt. Viele Haushalte haben ihren Proteinkonsum stark reduziert, besonders in den ärmsten Schichten ist der Fleischverzehr drastisch eingebrochen.

Viele Iranerinnen und Iraner sichern ihr Einkommen mit zusätzlichen Jobs oder dem Verkauf von Besitz. Zugleich sind sich gezwungen, sich auf eine kohlenhydratreiche Ernährung umzustellen, was die öffentliche Gesundheit gefährdet.

Die Erhöhung des Mindestlohns um 60 Prozent verschafft Millionen Beschäftigten kurzfristig etwas Luft im Kampf gegen ihre verheerende Lage im Krieg und die Rekordinflation. Ohne strukturelle Reformen gegen Sanktionen und Währungsverfall wird ihre Wirkung jedoch schnell nachlassen.

Versorgungsengpässe schlimmer als bei Hungersnot während des Zweiten Weltkrieg

Das heutige Preisniveau übertrifft die Versorgungsengpässe während der anglo-sowjetischen Invasion und Besetzung Irans Anfang der vierziger Jahre. Damals besetzten britische und sowjetische Truppen das Land gemeinsam, um Nachschubrouten zu sichern und ein mögliches Bündnis mit Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg zu verhindern.

Die Besatzung brachte die iranische Wirtschaft schwer ins Wanken. Lieferketten brachen zusammen, die Besatzungsmächte beschlagnahmten Lebensmittel und Waren, die Inflation schoss in die Höhe.

Die Folge waren große Entbehrungen für die Zivilbevölkerung, in einigen Regionen herrschten sogar Hungersnöte, besonders 1942 und 1943. In dieser Zeit starben Zehntausende Iranerinnen und Iraner an Hunger und Krankheiten.

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