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Frömmigkeit daheim, Immobilien im Ausland: Was über Mojtaba Chameneis Vermögen bekannt ist

ARCHIV: Ein Demonstrant hält am Al-Quds-Tag in London am Sonntag, 15. März 2026, ein Porträt von Ayatollah Modschtaba Chamenei. (AP Photo/Alberto Pezzali)
ARCHIV: Ein Demonstrant hält am Al-Quds-Tag in London ein Porträt von Ajatollah Modschtaba Chamenei, Sonntag, 15. März 2026. (AP Photo/Alberto Pezzali) Copyright  AP Photo
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Von Una Hajdari
Zuerst veröffentlicht am
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Sanktionslisten, Firmenregister und Grundbucheinträge deuten auf ein weit verzweigtes Finanznetz hin, das mit Irans neuer oberster geistlicher Führungspersönlichkeit verbunden sein könnte.

Als Mojtaba Khamenei am neunten März zum dritten obersten geistlichen Staatsoberhaupt Irans ernannt wurde, übernahm er nicht nur den Titel seines Vaters. Mit ihm fiel ihm auch ein theologisch begründetes System zu, das auf der Ablehnung westlichen Materialismus beruht.

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Die offizielle Doktrin der Islamischen Republik besagt, ihre Führungspersönlichkeiten lebten bescheiden, stellten den Glauben in den Mittelpunkt und verachteten die verdorbenen Luxusgüter des Westens. Die Dokumente zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Trotz seines frommen und schlicht wirkenden Auftretens in Iran soll er westlichen Medienrecherchen zufolge ein Immobilienimperium kontrollieren, das sich vom Nahen Osten bis nach Europa erstreckt und Hunderte Millionen wert ist.

Und das, obwohl der Name des neuen Ajatollahs in keinem Grundbuchauszug auftaucht.

Der Mann hinter dem Vermögen

Wer verstehen will, wem was gehört, stößt schnell auf Aliakbar Ansari, einen wohlhabenden Iraner mit engen Verbindungen zu den Finanz- und Sicherheitseliten des Landes.

Ansari steht im Zentrum eines Netzwerks, das britische und US-Behörden als Kanal für Ressourcen in den iranischen Machtzirkel identifiziert haben.

Seine Verbindung zu Mojtaba ist kein Zufall. Ali Khamenei hatte Ansaris Vater nach dem Iran-Irak-Krieg persönlich in den Wiederaufbauausschuss berufen.

Am 30. Oktober 2025 setzte die britische Regierung Ansari offiziell im Rahmen der Iran (Sanctions) Regulations 2023 auf ihre Sanktionsliste.

In dem von der zuständigen Behörde im Finanzministerium veröffentlichten Bescheid heißt es, er habe feindliche Aktivitäten der iranischen Regierung „unterstützt und erleichtert“, insbesondere indem er der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) wirtschaftliche Ressourcen verschafft habe.

Klarer lässt sich ein Sanktionsbescheid kaum formulieren.

Ansaris Spuren im Vereinigten Königreich lassen sich in öffentlichen Registern nachverfolgen.

Unterlagen bei Companies House verbinden ihn mit Birch Ventures Limited, einer Gesellschaft im Zentrum eines Immobiliengeflechts. Dazu gehören Adressen an der Bishops Avenue im Norden Londons, einer der teuersten Straßen der Hauptstadt. Dort wird das Unternehmen mit mindestens elf Villen in Verbindung gebracht.

Die Grundbuchauszüge der britischen Land Registry für diese Immobilien kann jede Person gegen eine geringe Gebühr einsehen.

Die darüber gestülpten Offshore-Konstruktionen mit Treuhändern und Geschäftsführern verschiedener Nationalitäten folgen einem bekannten Muster: So wird Vermögen verwaltet, das sanktionierten Personen zugerechnet wird, ohne dass diese offiziell als Eigentümer erscheinen.

Bemerkenswert: Auf der EU-Sanktionsliste taucht Ansari nicht auf.

Diese Leerstelle hat Folgen. Innerhalb der Eurozone unterlagen seine Vermögenswerte bislang keinen rechtlichen Beschränkungen. Recherchen der Financial Times zufolge umfasst sein europäisches Portfolio Hotels, Resorts und Einkaufszentren im Wert von rund 400 Millionen Euro. Während Washington und London bereits gegen ihn vorgingen, blieben diese Anlagen für Brüssel unangetastet.

Bloomberg kam zu einem ähnlichen Bild. Demnach gehören zu dem Portfolio Londoner Luxusimmobilien im Wert von mehr als 138 Millionen Dollar, eine Villa in Dubai sowie gehobene Hotels in Frankfurt und auf Mallorca. Finanziert worden sein soll dies größtenteils aus iranischen Öleinnahmen, die über Briefkastenfirmen und Banken in Großbritannien, der Schweiz, Liechtenstein und den Vereinigten Arabischen Emiraten liefen.

Ansari hat über seinen Anwalt wiederholt und mit Nachdruck bestritten, dass er finanzielle oder persönliche Beziehungen zu Mojtaba Khamenei unterhält oder Verbindungen zu den Revolutionsgarden hat.

US-Sanktionen gegen Mojtaba

Auch Mojtaba selbst setzte das US-Finanzministerium während der ersten Amtszeit Donald Trumps auf die Sanktionsliste.

Am vierten November 2019, dem vierzigsten Jahrestag der Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran, nahm das OFAC ihn in seine Liste auf. Begründung: Er habe im Auftrag des obersten geistlichen Staatsoberhaupts Irans gehandelt und direkt mit Kommandeuren der Revolutionsgarden und der paramilitärischen Basidsch-Miliz zusammengearbeitet.

In der Mitteilung warf das Ministerium ihm vor, die „destabilisierenden regionalen Ambitionen und repressiven innenpolitischen Ziele“ seines Vaters vorangetrieben zu haben.

Eine weitere OFAC-Entscheidung aus dem Jahr 2020 gegen die Bonyad Mostazafan, eine riesige quasi-staatliche Stiftung, weitete das Bild aus.

Darin hielt die Behörde fest, dass Gholam-Ali Haddad-Adel, Mojtabas Schwiegervater und ein führender konservativer Politiker, Stiftungsimmobilien im Wert von rund 100 Millionen Dollar nutzte, dafür aber deutlich unter dem Marktpreis zahlte.

Spur in den Akten

In keiner der genannten Transaktionen taucht Mojtabas Name auf.

Das Vermögen liegt bei Vertrauten, Stiftungen und Briefkastenfirmen. Der wirtschaftlich Berechtigte bleibt in jedem einzelnen Register unsichtbar.

Die offiziellen Sanktionslisten verschiedener Staaten zeigen jedoch ein Muster: Ressourcen fließen über Personen und Organisationen, die direkt mit ihm verbunden sind.

Die Datenbank OpenSanctions bündelt alle Staaten, die Mojtaba formell gelistet haben. Sie speist sich direkt aus den Daten von OFAC, der britischen Sanktionsliste und vergleichbaren Behörden.

Für alle, die tiefer einsteigen wollen, veröffentlichte der Iran Human Rights Monitor im März 2026 eine zweiteilige Recherche. Sie beleuchtet das Geflecht aus Stiftungen und quasi-staatlichen Firmen, die im Umfeld des Büros des obersten geistlichen Staatsoberhaupts agieren.

Die Autoren stützen sich auf dieselben öffentlich zugänglichen Unterlagen, liefern aber zusätzliche Analyse zu Mojtabas Verbindungen in die Sicherheitsapparate.

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