Polen zählt zu den neuen Märkten, auf denen die Plattform ihren Shopping-Dienst ausbaut. Wo startet der TikTok Shop sonst noch in Europa?
TikTok Shop nimmt in Polen am 15. Juni 2026 offiziell den Betrieb auf. Die neue Funktion der Plattform ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzern, Produkte direkt in der App zu kaufen und eröffnet Unternehmen den Zugang zu Kundinnen und Kunden auf weiteren europäischen Märkten. Auf zusätzliche Verkäufe und den Zugang zu jüngeren Zielgruppen hoffen unter anderem Modivo und BLIK schon jetzt.
Einkaufen, ohne die App zu verlassen
Polen gehört zu den nächsten europäischen Märkten, auf denen TikTok seine Shopping-Funktion ausrollt. Im Juni geht TikTok Shop auch in Österreich, Belgien und den Niederlanden an den Start.
Der neue Dienst verbindet Unterhaltung mit E-Commerce. Produkte werden vor allem in Live-Streams, kurzen Shopping-Clips und Inhalten beworben, die Marken, Händlerinnen und Händler sowie Influencer erstellen. Nutzerinnen und Nutzer können Trendprodukte entdecken und ihren Einkauf abschließen, ohne die App zu verlassen.
Die Plattform setzt auf ein Einkaufserlebnis, das auf Empfehlungen und Community-Inhalten basiert. Nach Angaben von TikTok verschafft der Start in Polen lokalen Unternehmen Zugang zu einem europäischen Ökosystem mit mehr als 100 000 Händlern und fast 100 Millionen Nutzerinnen und Nutzern auf Märkten, in denen TikTok Shop bereits aktiv ist.
Das Unternehmen betont, dass das Angebot vor allem für kleine und mittlere Unternehmen wichtig sein kann, die dank kurzer Videos leichter neue Kundschaft erreichen und ihre Marken bekannter machen können.
„Sell Across Europe”
TikTok kündigt an, das Einkaufserlebnis an lokale Vorlieben anzupassen. In Polen kooperiert die Plattform mit InPost und BLIK.
Nutzerinnen und Nutzer sollen verschiedene Bezahl- und Lieferoptionen nutzen können, und die Plattform will den Kaufprozess vereinfachen und an die Gewohnheiten polnischer Verbraucherinnen und Verbraucher anpassen.
Kurz nach dem Start sollen polnische Händlerinnen und Händler auch Zugriff auf die Funktion „Sell Across Europe” erhalten. Damit können sie ihre Produkte auch in anderen EU-Ländern verkaufen, in denen TikTok Shop aktiv ist – und das mit nur einem Anmeldeprozess.
Händlerinnen und Händler können Produktbeschreibungen für einzelne Märkte anpassen und Sendungen selbst verschicken oder auf Logistikpartner und zertifizierte Dienstleister von TikTok zurückgreifen.
Modivo will junge Kundschaft erreichen
Zu den Unternehmen, die ihren Vertrieb über TikTok Shop ausbauen wollen, gehört Modivo. Die Unternehmensvertreter betonen, dass die Plattform vor allem beim Zugang zu jüngeren Kundinnen und Kunden helfen soll, die eine stärker interaktive Ansprache und eine moderne Produktpräsentation erwarten.
Modivo sieht in TikTok Shop nicht nur einen weiteren Vertriebskanal, sondern auch eine Chance, das Geschäft auf europäischen Märkten auszubauen und Eigenmarken wie Gino Rossi oder Lasocki zu stärken.
„TikTok Shop ist ein neues Medium, das wir alle erst kennenlernen müssen, aber schon heute erreicht es viele junge Menschen, die etwas anderes suchen – insbesondere Live-Shopping und neue Kommunikationsformen. Sie wollen das Produkt sehen, das andere bereits nutzen, und Bewertungen dazu kennenlernen. Wir wollen diese Kundschaft erreichen, indem wir die Qualität, den Wert und das Design unserer Produkte zeigen”, sagte im Gespräch mit Euronews Łukasz Traczyk, Director Alternative Sales Channels bei MODIVO PLATFORM.
Europäische Expansion über Marktplätze
Traczyk betonte, dass Modivo TikTok Shop als weiteren Baustein seiner Strategie für die internationale Expansion sieht.
„Jeder Marktplatz, genauso wie TikTok, ist für uns in ganz Europa eine Chance, Kundinnen und Kunden zu erreichen. Unser Gründer Dariusz Miłek sagt immer: Wir konkurrieren nicht mit den Marktplätzen, sondern mit den Händlern, die dort verkaufen. Jeder neue Kanal gibt uns die Möglichkeit, die Qualität und den attraktiven Preis unserer Produkte zu zeigen”, fügte er hinzu.
Der Modivo-Manager erinnerte daran, dass das Unternehmen bereits auf Plattformen wie Zalando, Allegro, Fashion Days in Rumänien und Otto in Deutschland vertreten ist.
Nach Unternehmensangaben werden vor allem die Eigenmarken für das weitere Wachstum entscheidend sein. Sie gewinnen zunehmend auch außerhalb Polens an Popularität.
„Marken wie Gino Rossi oder Lasocki kommen bei europäischen Kundinnen und Kunden sehr gut an und wir freuen uns, dass wir sie über verschiedene Kanäle erreichen können”, fasste Łukasz Traczyk zusammen.
BLIK setzt auf Wachstum mit TikTok Shop
Große Erwartungen an den Start von TikTok Shop hat auch BLIK. Das Unternehmen hofft, über die Plattform neue Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen und sich künftig leichter auf weiteren europäischen Märkten zu etablieren.
„Im Moment konzentrieren wir uns auf polnische Nutzerinnen und Nutzer von TikTok Shop, aber perspektivisch werden sie auch in den Nachbarländern einkaufen und dabei BLIK nutzen können”, sagte Magdalena Kubisa, Director Business Development bei BLIK, im Gespräch mit Euronews.
Sie betonte, dass die Zusammenarbeit mit globalen Plattformen BLIK helfen könne, schneller in weitere Märkte einzutreten.
„Wir betrachten jede Partnerschaft von BLIK mit einem globalen Unternehmen auch als Investition in unsere künftige Expansion. Uns ist bewusst, dass die Kooperation mit einem Partner, der auf vielen Märkten aktiv ist, den späteren Start von BLIK in weiteren Ländern deutlich erleichtern und beschleunigen kann. Dank bestehender Beziehungen und technischer Anbindung sind neue Implementierungen einfach schneller umsetzbar”, ergänzte sie.
Europa bleibt regulierungsrechtlich zersplittert
Parallel dazu baut BLIK sein Angebot auf dem polnischen Markt aus.
„Angebote wie BLIK Płacę Później oder wiederkehrende BLIK-Zahlungen, die wir kürzlich eingeführt haben, zeigen, dass wir weiterhin Spielraum sehen, um das Bezahlen für Polinnen und Polen noch einfacher zu machen”, sagte Kubisa.
Die Managerin wies jedoch darauf hin, dass unterschiedliche nationale Vorschriften die Entwicklung von Zahlungsdiensten in Europa weiterhin erschweren.
„Jedes Land hat eigene Regeln und Anforderungen für Zahlungsdienste. Wer mit einer neuen Zahlungsmethode in einen Markt eintritt, muss daher stets die lokalen rechtlichen und regulatorischen Vorgaben erfüllen”, erklärte sie.
BLIK ist bereits in der Slowakei aktiv und bereitet den Einstieg in Rumänien vor. Das Unternehmen spricht zudem mit Partnern in weiteren europäischen Ländern.
TikTok Shop bereits in neun EU-Ländern verfügbar
Nach der Erweiterung im Juni wird TikTok Shop in Österreich, Belgien, den Niederlanden und Polen sowie in den bisherigen Märkten Frankreich, Deutschland, Irland, Italien und Spanien verfügbar sein.