Iranische Angriffe auf Katars Gasdrehkreuz Ras Laffan stören Heliumproduktion und treffen Branchen von Tech bis Gesundheitswesen weltweit.
Störungen in der Heliumproduktion Katars schüren die Sorge vor Engpässen auf dem Weltmarkt. Die Folgen machen sich bereits bemerkbar.
Das Gas gilt als Nischenprodukt, ist aber für Branchen von der Chipfertigung bis zur Medizintechnik unverzichtbar. Angriffe auf die Anlage in Ras Laffan haben neue Warnungen vor knapperem Angebot an den Märkten ausgelöst.
Katar deckt rund ein Drittel der weltweiten Heliumproduktion ab. Die Schäden an der Anlage nähren Befürchtungen, dass das Angebot in den nächsten Wochen knapper wird. Lieferungen verzögern sich, Container stecken in der Region fest.
Für die Halbleiterproduktion ist Helium unverzichtbar, einen echten Ersatz gibt es nicht. Branchenkenner rechnen dennoch nur mit begrenzten Folgen für die Chipindustrie. Sie verweisen auf breiter aufgestellte Lieferketten weltweit und die Fähigkeit der Unternehmen, Ströme umzuleiten und kritische Anwendungen zu bevorzugen.
Größer ist die Sorge im Gesundheitswesen. MRT-Geräte sind auf flüssiges Helium angewiesen, um ihre supraleitenden Magnete zu kühlen. Die Medizin hat deutlich weniger Spielraum, einen plötzlichen Engpass abzufedern.
Entscheidend ist, wie schnell sich die Lieferketten anpassen lassen. Für Krankenhäuser ist diese Frage noch drängender als für Chipproduzenten.
In der Chipfertigung spielt Helium eine zentrale Rolle. Es kühlt unter anderem Silizium-Wafer während der Produktion, bei der es auf exakt kontrollierte Temperaturen ankommt.
G. Dan Hutcheson, stellvertretender Vorsitzender des Analysehauses TechInsights, betont, das Gas bleibe für die Branche unersetzlich. „Helium ist absolut entscheidend. Ohne Helium lassen sich keine hochentwickelten Chips herstellen“, sagt er.
Sollte sich das Angebot verknappen, gebe es keine Ausweichmöglichkeiten. „Es gibt keinen Ersatz für Helium“, so Hutcheson.
Trotzdem hält Hutcheson gravierende Einbußen in der Chipproduktion für unwahrscheinlich. Die Branche habe sich immer wieder auf Versorgungsschocks eingestellt, argumentiert er.
„Die Heliumprobleme in Katar dürften für den Halbleiterabsatz am Ende kaum ins Gewicht fallen. Das Lieferkettenmanagement reagiert erfahrungsgemäß sehr schnell auf solche Störungen“, sagt er.
Zur Begründung verweist er auf frühere Krisen: Die Branche habe auch größere Erschütterungen mit überschaubaren Langzeitfolgen überstanden. Die Umsätze seien nach Engpässen meist nur leicht zurückgegangen.
Helium entsteht als Nebenprodukt bei der Förderung von Erdgas. Die Versorgung hängt daher nicht allein von Katar ab. Auch die USA, Algerien und Kanada tragen erheblich zur weltweiten Produktion bei.
Dauerhafte Produktionsausfälle erwartet Hutcheson nur in einem Extremfall. „Praktisch nie – es sei denn, alle anderen Quellen würden ebenfalls gekappt“, sagt er.
MRT-Systeme unter Druck
Die Halbleiterbranche kann den Schock vermutlich abfedern. Im Gesundheitswesen drohen schneller direkte Folgen.
MRT-Scanner benötigen flüssiges Helium, damit ihre supraleitenden Magnete auf extrem niedrigen Temperaturen bleiben und die Geräte zuverlässig arbeiten.
Tobias Gilk, Berater für MRT-Sicherheit, erklärt, die Systeme seien darauf angewiesen, das Helium bei etwa minus 269 Grad Celsius zu halten.
„Ohne ausreichend Helium kann ein Scanner nicht laufen und wird de facto zu einem sehr teuren Briefbeschwerer“, so Gilk.
Die meisten MRT-Anlagen benötigen große Mengen flüssigen Heliums. Wird das Gas knapp, lassen sich manche Systeme nach Störungen oder Wartungsarbeiten nicht mehr auffüllen und müssen vorübergehend abgeschaltet werden.
„Es wird MRT-Geräte geben, die ausfallen“, warnt Gilk. Engpässe könnten zudem Reparaturen verzögern, falls Dienstleister nicht genug gereinigtes Helium bekommen.
Ob und wie stark sich das auswirkt, hängt davon ab, wie lange die Störungen anhalten und wie rasch sich die Lieferketten anpassen.