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Iran-Krieg: Kann das algerische Gas Europa retten?

Algerische Flaggen wehen am Mittwoch, 16. April 2025 in Algier
Algerische Flaggen wehen am Mittwoch, 16. April 2025 in Algier Copyright  AP Photo
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Von Chaima Chihi
Zuerst veröffentlicht am
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Die Straße von Hormus ist dicht, die Öl- und Gaspreise steigen rasant – kann Algerien Europas Energiebedarf rechtzeitig sichern, bevor der Winter kommt?

Seit dem 28. Februar ist die wirtschaftliche Lage in Europa instabil, nachdem die USA und Israel Luftangriffe auf den Iran durchführten. Dabei wurden mehrere hochrangige Beamte getötet, darunter der Oberste Führer Ali Khamenei. Der Nahe Osten rutschte in eine offene Konfrontation. Iran reagierte mit einer Reihe von Gegenmaßnahmen, am bekanntesten ist die Blockade der Straße von HormuS, einer zentralen Route für den weltweiten Öl- und Gastransport.

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Vor der Eskalation passierten laut Financial Times täglich rund 135 Schiffe diese Passage. Nun berichten Medien wie die iranische Nachrichtenagentur Fars, dass über 350 Schiffe – darunter 25 Supertanker – auf die Genehmigung zur Durchfahrt warten. Die Iranische Revolutionsgarde (IRGC) warnte, dass jede Durchquerung mit einer „harten Antwort“ beantwortet werde.

Die Sperrung der Straße von Hormuz verschärft den weltweiten Energieengpass, treibt Transport- und Energiekosten in die Höhe und gefährdet die Stabilität der Weltwirtschaft.

Europa sucht nach Gasalternativen

Parallel dazu sucht Europa dringend nach Gasalternativen. Algerien gilt als strategischer Partner, da es geografisch nah liegt und über große Produktionskapazitäten verfügt. Der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Eskalation als „rücksichtslos“ und warnte vor weiteren Angriffen auf Energieinfrastruktur.

Experten sehen den iranischen Angriff auf Katar als Wendepunkt für den Energiemarkt: Rund 17 Prozent der katarischen Exportkapazitäten sind betroffen, was die europäischen Gaspreise (TTF) seit Beginn des Konflikts um 60 bis 100 Prozent steigen ließ. Die Ölpreise (Brent) überschritten 116 Dollar pro Barrel, während die europäischen Gasspeicher bis Anfang 2026 nur noch 30–46 Milliarden Kubikmeter enthalten – deutlich weniger als in den Vorjahren.

Algerien liefert derzeit rund 39–40 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr an die EU, etwa 13–14 Prozent der europäischen Importe. Der Hauptvorteil liegt in der Pipelineversorgung, die kostengünstiger und stabiler ist als Seetransporte. Experten betonen jedoch, dass Algerien den Verlust der katarischen Lieferungen nur teilweise ausgleichen kann. Der realistische Anstieg der Lieferungen im Jahr 2026 liegt zwischen 4 und 8 Milliarden Kubikmetern.

Europäische Länder verhandeln daher direkt mit Algerien, Spanien erwägt eine Erhöhung der Lieferungen über Midgas um 10 Prozent, Italien über Transmed. Gleichzeitig diversifiziert Europa seine Bezugsquellen, unter anderem durch LNG-Importe aus den USA, Norwegen und Aserbaidschan.

Die europäisch-algerische Partnerschaft wird damit langfristig wichtiger, insbesondere im Hinblick auf erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff. Angesichts des laufenden Konflikts ist zu erwarten, dass im kommenden Sommer neue Energieabkommen beschleunigt werden, um eine tiefere Krise im Winter 2026/27 zu vermeiden.

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