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Neue Polymarket-Konten kassieren bei US-Iran-Waffenstillstand ab

Archivbild: Polymarket-Werbung in New York City, vom vierten November 2025.
ARCHIV: Polymarket-Werbung in New York City, vierter November 2025 Copyright  AP Photo/Olga Fedorova
Copyright AP Photo/Olga Fedorova
Von Quirino Mealha mit AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Frische Polymarket-Konten setzen kurz vor Trumps Waffenstillstands-Ausruf zu USA und Iran hohe Summen, kassieren Hunderttausende und wecken Insiderverdacht.

Auf dem Vorhersagemarkt Polymarket haben mehrere neu angelegte Konten sehr gezielt und zum genau richtigen Zeitpunkt darauf gewettet, ob die USA und Iran am 7. April eine Waffenruhe vereinbaren würden. Für diese neuen Nutzer sprang dabei ein Gewinn von Hunderttausenden Dollar heraus.

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Die Wetten liefen wenige Stunden, bevor am Dienstag eine zweiwöchige Waffenruhe bekanntgegeben wurde. Zuvor hatte sich die Rhetorik von US-Präsident Donald Trump deutlich verschärft. Es gab kaum Anzeichen, dass ein Abkommen unmittelbar bevorstand.

Früher am Tag hatte Trump in sozialen Medien gewarnt, „eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben“, falls Iran seiner Forderung nicht nachkomme, die Straße von Hormus bis 20.00 Uhr Eastern Time (02.00 Uhr MEZ) zu öffnen.

Der Vorgang ist der jüngste in einer ganzen Reihe von Fällen rund um Vorhersagemärkte. Immer wieder steht der Verdacht im Raum, dass Mitglieder der Trump-Regierung oder andere US-Beamte Insiderhandel betreiben.

Eine Auswertung der öffentlich einsehbaren Blockchain-Daten von Polymarket mit Hilfe der Krypto-Analyseplattform Dune zeigt: Mindestens fünfzig Konten setzten kurz vor Trumps Ankündigung hohe Beträge auf „Ja“. Trump verkündete die Waffenruhe gegen 18.30 Uhr Eastern Time (00.30 Uhr MEZ) in einem Beitrag auf Truth Social.

Trumps Ankündigung der Waffenruhe

Für diese neuen Wallets waren es die allerersten Einsätze.

Eines der Konten war am selben Tag erstellt worden. Es setzte rund 72.000 Dollar (61.600 Euro) zu einem Durchschnittspreis von 0,088 Dollar je Kontrakt. Der Einsatz pro Wette liegt zwischen null und ein Dollar und spiegelt eine Wahrscheinlichkeit von null bis hundert Prozent wider.

Der Polymarket-Nutzer löste seine Position anschließend mit einem Gewinn von 200.000 Dollar (171.200 Euro) auf. Ein weiteres Wallet, das einen Tag zuvor auf die Plattform gekommen war, erzielte mehr als 125.500 Dollar (107.400 Euro).

Ein drittes Wallet wurde nur zwölf Minuten vor Trumps Beitrag angelegt. Es platzierte „Ja“-Wetten im Wert von 31.908 Dollar (27.315 Euro) zu etwa 0,33 Dollar und dürfte einen Gewinn von rund 48.500 Dollar (41.520 Euro) erzielt haben.

Der höhere Preis für „Ja“ spiegelte zu diesem Zeitpunkt bereits Berichte wider: Die Regierung Pakistans versuchte demnach am späten Dienstag, Trump zu einer Verlängerung seines Ultimatums um zwei Wochen zu bewegen.

Möglich ist auch, dass die Polymarket-Nutzer schlicht damit rechneten, dass Trump zurückrudern würde. Er hat schon häufig mit drastischen Drohungen aufgetrumpft und dann wieder eingelenkt – Kritiker sprechen spöttisch von „Trump Always Chickens Out“, kurz TACO.

Auszahlung der Wetten und Spur zu den Nutzern

Einige Nutzer verbuchten hohe Gewinne. Andere müssen auf ihre Auszahlungen warten. Polymarket führt den Iran-USA-Vertrag zur Waffenruhe am 7. April als „strittig“, weil Iran weiterhin Beschränkungen für Schiffe in der Straße von Hormus verhängte und Raketenangriffe in der Region andauerten.

Aus den öffentlichen Blockchain-Daten geht nicht hervor, wer die neuen Wallets kontrolliert. Polymarket arbeitet mit sogenannten Proxy-Smart-Contract-Wallets. Ein einzelner Nutzer kann dadurch mehrere Konten anlegen.

Nur das Unternehmen selbst verfügt über interne Daten, mit denen sich klären ließe, ob es sich tatsächlich um neue Kunden handelt oder um bestehende Nutzer mit zusätzlichen Konten.

Polymarket hat sich zu dem Vorgang bislang nicht öffentlich geäußert.

Der republikanische Kongressabgeordnete Blake Moore aus dem Bundesstaat Utah, der einen Gesetzentwurf zur Regulierung von Vorhersagemärkten eingebracht hat, erklärte am Mittwoch: „Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es sich um Geschäfte in gutem Glauben handelt, es ist viel wahrscheinlicher, dass es sich um Insider mit Informationsvorsprung gegenüber der Öffentlichkeit handelt.“

„Ohne gewisse Beschränkungen gibt es nichts, was Regierungs- oder Militärvertreter davon abhält, aus ihren Positionen Profit zu schlagen“, fügte Moore hinzu.

Derartige Wetten werfen immer wieder Fragen auf – in der Öffentlichkeit und im Kongress. Im Raum steht der Verdacht, dass einzelne Händler Insiderinformationen nutzen, um an den Vorhersagemärkten Geld zu verdienen.

Überparteiliche Gruppen von Senatoren und Abgeordneten haben daher Gesetzentwürfe vorgelegt, die den Begriff des Insiderhandels ausweiten und ausdrücklich auch Vorhersagemärkte erfassen sollen.

Sogar die beiden größten Plattformen der Branche, Kalshi und Polymarket, haben bereits eingeräumt, dass sie eine weiter gefasste Definition von Insiderhandel auf ihren eigenen Märkten für nötig halten.

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