Die Gewinne von Barclays sind gestiegen, doch Kreditausfälle belasteten das Ergebnis im ersten Quartal. Parallel legte BP wegen eines außergewöhnlichen Ölhandelsbooms im Iran‑Krieg kräftig zu.
Die britische Öl- und Gasgesellschaft BP hat im ersten Quartal deutlich von starken Ausschlägen des Ölpreises während des Iran-Kriegs profitiert. Der Konflikt hatte am 28. Februar 2026 begonnen.
Der bereinigte Gewinn auf Basis der Wiederbeschaffungskosten hat sich in den ersten drei Monaten 2026 auf 3,2 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) mehr als verdoppelt, teilte das Unternehmen mit.
„Der bereinigte RC-Gewinn lag im Quartal bei 3,2 Milliarden Dollar, nach 1,5 Milliarden Dollar im vorangegangenen Quartal“, erklärte BP in einer Mitteilung. „Im Vergleich zum vierten Quartal 2025 spiegelt das Ergebnis einen außergewöhnlich starken Beitrag aus dem Ölhandel und eine bessere Entwicklung im Midstream-Geschäft wider.“
Das Ölhandelsteam von BP erzielte kräftige Gewinne, da sich die Turbulenzen an den Energiemärkten im Zuge des Iran-Kriegs weiter zuspitzten.
Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent kletterte von etwas über 70 Dollar je Barrel Anfang Februar auf über 120 Dollar Ende März und pendelte sich im April bei rund 110 Dollar ein.
Die Ölproduktion und der laufende Betrieb blieben im Vergleich zum Vorquartal stabil. Die Förderung im Upstream-Bereich lag weiter bei rund 2,3 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag.
BP verwies zudem auf seine starke Präsenz im Nahen Osten: In der Region fördert der Konzern etwa 411.000 Barrel Öläquivalent pro Tag im Upstream-Geschäft, darunter in Abu Dhabi, Oman und Irak.
Die BP-Aktie legte am Nachmittag im europäischen Handel um mehr als zwei Prozent zu.
Barclays steigert Gewinn: Handel gleicht Kreditverluste aus
Auch die britische Bank Barclays meldete für das erste Quartal ein solides Wachstum. Die durch den Iran-Krieg ausgelöste Marktvolatilität im Handel trieb die Erträge, doch Sorgen um das Kreditportfolio belasteten die Stimmung.
Die Aktie verlor bis zum frühen Nachmittag in Europa rund zwei Prozent.
Die Gesamterträge stiegen um sechs Prozent auf 8,2 Milliarden Pfund (9,5 Milliarden Euro). Der Vorsteuergewinn erhöhte sich auf 2,8 Milliarden Pfund (3,2 Milliarden Euro) nach 2,7 Milliarden Pfund (3,1 Milliarden Euro) im Vorjahreszeitraum.
Die zentrale Profitabilitätskennzahl, die Eigenkapitalrendite auf das materielle Eigenkapital (RoTE), sank allerdings auf 13,5 Prozent nach 14,0 Prozent im Vorjahr.
Steigende Kreditrisikovorsorgen schmälerten einen Teil des guten Abschneidens. Barclays verbuchte eine Belastung von 228 Millionen Pfund (264 Millionen Euro) im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des britischen Hypothekenfinanzierers Market Financial Solutions (MFS).
Konzernchef C. S. Venkatakrishnan kündigte an, komplexe Finanzierungen zurückzufahren und das Engagement bei hoch verschuldeten Unternehmen zu reduzieren, nachdem MFS für Verluste gesorgt hatte.
In einer Mitteilung erklärte er, das Wachstum stütze sich auf eine breit angelegte Stärke in allen Sparten und hob insbesondere die Investmentbank hervor. Deren Erträge überstiegen im Quartal erstmals die Marke von vier Milliarden Pfund (4,6 Milliarden Euro), gestützt durch rege Handelsaktivität und Beratungsgeschäfte.
Laut Will Howlett, Finanzanalyst bei Quilter Cheviot, profitierte das Institut vor allem vom Aktienhandel, der seit Beginn des Iran-Kriegs von erhöhter Volatilität geprägt sei. Das habe zu einem Plus von 16 Prozent im Jahresvergleich geführt, in US-Dollar gerechnet sogar zu 23 Prozent, begleitet von einem Anstieg der Gebühren im Investmentbanking um 17 Prozent.
Barclays kündigte zudem ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 500 Millionen Pfund (580 Millionen Euro) an und hebt das Volumen der Rückkäufe in diesem Jahr damit auf insgesamt 1,5 Milliarden Pfund (1,74 Milliarden Euro) an. Die Bank bekräftigte ihre finanziellen Ziele und verwies auf ihre solide Kapitalausstattung.
Russ Mould, Investmentdirektor beim Broker AJ Bell, sprach von einem „weiteren Rekordquartal“ für die Investmentbank von Barclays, das möglicherweise den höchsten Quartalsgewinn dieses Jahrzehnts markiere.
Zugleich wies er darauf hin, dass Anleger nun genau prüfen, ob die jüngsten Kreditausfälle Einzelfälle waren oder auf laxer gewordene Vergabestandards hindeuten.