Mehrere führende europäische Aktienindizes legen am Mittwoch um über drei Prozent zu, Öl wird günstiger – Hoffnung auf Durchbruch im Iran-Konflikt stützt die Märkte.
Europäische Aktien sind am Mittwochmorgen deutlich gestiegen. Die Hoffnung auf einen diplomatischen Durchbruch im Konflikt mit Iran hat die Stimmung an den Märkten aufgehellt. Zuvor hatte das Portal Axios berichtet, Washington und Teheran rückten näher an ein nur eine Seite umfassendes Rahmenabkommen heran, das die Kampfhandlungen beenden und den Weg für breitere Atomverhandlungen ebnen soll.
Dem Bericht zufolge rechnen US-Regierungsvertreter damit, dass Iran innerhalb der nächsten achtundvierzig Stunden zu mehreren Kernpunkten Stellung nimmt. Quellen beschrieben die Gespräche als so weit fortgeschritten wie noch nie seit Beginn des Konflikts.
Die Hoffnungen auf einen Durchbruch haben die weltweite Aktienrally auch in Europa verlängert. Bis etwa zwölf Uhr dreißig Mitteleuropäischer Zeit legten mehrere Leitindizes deutlich zu. Der Euro Stoxx 50 stieg um drei Komma drei Prozent, der deutsche Dax ebenfalls um drei Komma drei Prozent. Der britische Leitindex FTSE 100 gewann zwei Prozent, der französische CAC 40 kletterte um drei Komma eins Prozent.
Auch die Ölpreise gaben weiter nach, weil die nachlassenden geopolitischen Spannungen die Sorge vor Lieferausfällen dämpften. Die internationale Referenzsorte Brent zur Lieferung im Folgemonat fiel bis gegen zwölf Uhr dreißig um acht Komma vier Prozent auf knapp 100 Dollar je Barrel. Die US-Sorte West Texas Intermediate brach um mehr als neun Komma sechs Prozent auf 92,41 Dollar je Barrel ein. Trotz des kräftigen Rückgangs liegen die Ölpreise damit weiter deutlich über den rund 70 Dollar, die vor Ausbruch des Konflikts galten.
Schon zuvor hatten die Rohölpreise nachgegeben, nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hatte, Washington werde vorübergehend die Marineoperation Projekt Freedom aussetzen, mit der Schiffe durch die Straße von Hormus eskortiert werden. Er verwies auf „große Fortschritte“ in den Gesprächen mit Teheran.
In einem Beitrag auf Truth Social erklärte Trump, die Pause solle Zeit schaffen, um zu prüfen, ob ein Abkommen „endgültig ausgehandelt und unterzeichnet werden kann“. Zugleich betonte er, dass die US-Blockade iranischer Häfen in Kraft bleibt.
Aktienmärkte steigen: Samsung knackt Billionenbewertung im KI-Boom
In Asien ist der südkoreanische Kospi nach dem Feiertag am Dienstag mit einem Kurssprung von sechs Komma fünf Prozent auf ein Rekordhoch gestartet. Angeführt wurde die Rally von Samsung Electronics: Die Aktie legte um fast dreizehn Prozent zu und trieb den Börsenwert des Konzerns erstmals über die Marke von einer Billion Dollar.
Samsung gilt gemeinsam mit dem Rivalen SK Hynix inzwischen als einer der wichtigsten Anbieter von Hochleistungschips, die den weltweiten KI-Boom antreiben. Papiere von SK Hynix stiegen im frühen Handel ebenfalls um rund zehn Prozent.
An anderen Börsen in Asien gewann Australiens S&P/ASX 200 knapp ein Prozent. Der Hang-Seng-Index in Hongkong stieg um null Komma sieben Prozent, der Shanghai Composite legte ein Prozent zu.
Die Märkte in Japan blieben wegen eines Feiertags geschlossen.
Auch an der Wall Street schlossen die Kurse am Dienstag höher. Der breite S&P 500 stieg um null Komma acht Prozent auf ein neues Rekordhoch. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann null Komma sieben Prozent, der technologielastige Nasdaq Composite kletterte um ein Prozent und markierte ebenfalls einen neuen Höchststand.
Unterstützt wurden die Märkte zudem von der Hoffnung auf Fortschritte in den Gesprächen zur Beilegung des Konflikts zwischen den USA und Iran. Das milderte die Sorgen um die Energieversorgung und mögliche Störungen des Welthandels.
Konjunkturdaten aus den USA zeichneten ein gemischtes Bild. Das Wachstum im Dienstleistungssektor hat sich im vergangenen Monat unerwartet verlangsamt. Andere Zahlen zeigten jedoch, dass die Zahl offener Stellen leicht über den Prognosen lag – ein Hinweis auf einen weiterhin widerstandsfähigen Arbeitsmarkt.
Unterdessen stiegen die Finanzierungskosten der britischen Regierung auf den höchsten Stand seit fast drei Jahrzehnten. Auslöser sind Sorgen im Vorfeld der Kommunalwahlen und steigende Energiepreise. Die Renditen dreißigjähriger Staatsanleihen kletterten auf 5,78 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit 1998, während zehnjährige Papiere auf über 5,10 Prozent zulegten.
Am Devisenmarkt legten die wichtigsten Währungen gegenüber dem US-Dollar zu. Der Euro notierte bei 1,1775 Dollar, der Dollar fiel zum japanischen Yen auf 155,95 Yen. Auch das britische Pfund gewann an Wert und wurde um die Mittagszeit in Europa zu 1,3619 Dollar gehandelt.
Zugleich stieg der Goldpreis um drei Komma zwei Prozent auf 4.724 Dollar je Feinunze. Silber verteuerte sich um fünf Komma neun Prozent auf 77,905 Dollar.