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Reallöhne unter Druck: wo verlieren Europas Beschäftigte am meisten?

CGT-Generalsekretärin Sophie Binet (Mitte) demonstriert am Dienstag, dem zweiten Dezember 2025, in Paris für höhere Löhne und gegen Sparpolitik.
CGT-Generalsekretärin Sophie Binet (Mitte) nimmt am Dienstag, dem zweiten Dezember 2025, in Paris an einer Demo für höhere Löhne und gegen Sparpolitik teil. Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Teuerung in Europa zieht nach dem jüngsten Konflikt im Nahen Osten deutlich an. Löhne im Euroraum halten nicht Schritt, reale Einkommen schrumpfen.

In ganz Europa ziehen die Preise wieder an, doch die Löhne halten nicht Schritt.

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Die Inflationsrate in der EU lag im April 2026 bei 3,2 Prozent – dem höchsten Stand seit Januar 2024. Schnellschätzungen von Eurostat deuten darauf hin, dass die Preise auch im Mai weiter gestiegen sind.

Das Lohnwachstum in den in Stellenanzeigen ausgewiesenen Gehältern hält damit jedoch nicht Schritt, wie Daten der Plattform Indeed zeigen. In vielen Ländern übersteigt die Inflation das Wachstum der ausgeschriebenen Löhne. Beschäftigte verlieren dadurch deutlich an Kaufkraft; ihre Einkommen reichen für weniger als zuvor.

Der neue Preisdruck trifft die EU nach dem heftigsten Preisschock seit Jahrzehnten. 2022 schnellte die Jahresinflation auf mehr als elf Prozent nach oben, vor allem wegen stark gestiegener Energiekosten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Wie entwickeln sich Inflation und ausgeschriebene Löhne in den größten Volkswirtschaften Europas im Vergleich?

Konflikt im Nahen Osten: Inflation steigt wieder

Bis Anfang 2024 blieb sie unter drei Prozent. Doch seit dem gemeinsamen US-israelischen Angriff auf den Iran und der Reaktion Teherans Ende Februar 2026 ist ein allmählicher Aufwärtstrend zu erkennen.

Im Januar 2026 lag die jährliche Inflation in der EU bei zwei Prozent. Im März sprang sie auf 2,8 Prozent und im April auf 3,2 Prozent.

Die Inflation nach der Pandemie hat in den großen Volkswirtschaften Europas die Kaufkraft der Beschäftigten ausgehöhlt, weil die Verbraucherpreise schneller stiegen als die Löhne. Anfang 2026 lagen die kumulierten realen ausgeschriebenen Löhne in den fünf größten Volkswirtschaften Europas noch immer unter dem Niveau vor der Pandemie, so Indeed.

Seit dem jüngsten Aufflammen des Konflikts im Nahen Osten zieht die Inflation wieder an. Im März 2026 fiel das Wachstum der ausgeschriebenen Löhne im Euroraum erstmals seit längerem unter die Inflationsrate; im April öffnete sich diese Lücke weiter. Damit kehrte sich ein Trend um, der seit September 2023 galt, als das Wachstum der veröffentlichten Löhne im Euroraum die Inflation durchgehend übertraf.

Die jährliche Teuerungsrate im Euroraum stieg im April auf 3,0 Prozent. Damit können die Löhne die höheren Lebenshaltungskosten nicht mehr ausgleichen. Der Lohntracker von Indeed weist für ausgeschriebene Löhne nur noch ein Plus von 2,3 Prozent innerhalb eines Jahres aus.

Noch im Januar 2026 wuchsen die ausgeschriebenen Löhne um 2,4 Prozent, bei einer jährlichen Inflation von lediglich 1,7 Prozent – ein Hinweis darauf, wie rasch sich die Lage gedreht hat.

„Der Inflationsdruck infolge des globalen Energieschocks zeigt sich inzwischen in den europäischen Daten und frisst die realen Lohnzuwächse auf“, sagte Aubrey Woessner, Associate Economist beim Indeed Hiring Lab.

Großbritannien: Warum das Land den Trend bricht

Inflation und Lohnentwicklung unterscheiden sich deutlich zwischen den großen europäischen Volkswirtschaften. Großbritannien fällt dabei auf: Dort legten die ausgeschriebenen Löhne binnen eines Jahres um vier Prozent zu und liegen damit klar über der Inflationsrate von 2,8 Prozent.

„Trotzdem kommt das reale Lohnwachstum ins Stocken. Der Rückgang der Kaufkraft wird in den kommenden Monaten auf die Nachfrage drücken und andere Gegenwinde für die Wirtschaft verstärken“, bemerkte Woessner.

Paweł Adrjan, Leiter der Wirtschaftsanalysen bei Indeed, betonte, dass Großbritannien noch über einen Puffer bei den Reallöhnen verfügt, den ein großer Teil des Euroraums bereits verloren hat. Die Inflation ging dort im April zurück, auch wegen staatlicher Maßnahmen zur Senkung der Energierechnungen, während sie auf dem Kontinent weiter anzog.

„Doch dieser Puffer bei den Reallöhnen schrumpft schnell. Die ausgeschriebenen Löhne stiegen im April zwar noch um 4,0 Prozent im Jahresvergleich, gestützt auch durch eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns um 4,1 Prozent. Das war jedoch das geringste Plus seit vier Jahren“, sagte er gegenüber Euronews Business.

„Da die Neueinstellungen verhalten bleiben, werden die jüngsten realen Lohnzuwächse rasch wieder aufgezehrt, falls der Iran-Konflikt die Öl- und Gaspreise weiter hoch hält.“

Großbritannien steht damit nicht allein. Im April 2026 lag das Wachstum der ausgeschriebenen Löhne auch in Deutschland und Irland über der Inflation, wenn auch nur knapp. In Deutschland betrug das Lohnwachstum 3,2 Prozent bei einer Teuerungsrate von 2,9 Prozent. In Irland war der Abstand noch geringer: Die ausgeschriebenen Löhne stiegen um 3,7 Prozent, die Inflation lag bei 3,6 Prozent.

Italien und Frankreich: Beschäftigte besonders belastet

Italien und Frankreich treffen die aktuellen Entwicklungen besonders hart. In Frankreich blieb das Wachstum der ausgeschriebenen Löhne 2026 konstant bei 1,1 Prozent, während die Inflation von 0,4 Prozent im Januar auf 2,5 Prozent im April kletterte.

Auch in Italien verlieren Beschäftigte an Boden. Seit Mitte 2025 liegt das Wachstum der ausgeschriebenen Löhne unter 0,8 Prozent, während die Inflation seit einem Jahr durchgehend darüber liegt. 2026 hat sich diese Lücke weiter vergrößert; im April erreichte die Inflationsrate 2,8 Prozent.

Monatliche Entwicklungen liefern zwar wichtige Hinweise, doch ein Blick auf das kumulative reale Lohnwachstum der vergangenen Jahre zeichnet ein noch umfassenderes Bild.

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