SpaceX erhält nur wenige Tage nach seinem Rekordbörsendebüt von allen drei großen Ratingagenturen ein Investmentgrade, obwohl die Aktie am Donnerstag deutlich fiel.
Elon Musks Raumfahrt- und KI-Konzern hat am Donnerstag erstmals Bonitätsnoten von Moody’s, Fitch und S&P Global erhalten. Das Rating stuft die Schulden klar als Investment Grade ein und könnte dem Unternehmen günstigere Kredite für seinen massiven Ausbau sichern.
Die Einstufungen kommen keine Woche nach dem Rekordbörsengang: SpaceX nahm dabei rund 85,7 Milliarden US-Dollar (73,8 Milliarden Euro) ein – die größte Neuemission aller Zeiten.
Moody’s vergab für SpaceX ein Emittentenrating von Baa1 mit stabilem Ausblick. Die Agentur verwies auf die „außergewöhnliche Stellung“ des Konzerns als weltweit führender Anbieter orbitaler Starts und Betreiber von Starlink, dem größten Satelliten-Breitbandnetzwerk im niedrigen Erdorbit.
Die Note liegt damit leicht über Teslas Baa3. Elon Musk kommentierte in sozialen Medien: „Teslas Bonität ist ehrlich gesagt lächerlich niedrig.“
Nach Angaben von Moody’s ist Starlink inzwischen die wichtigste Geldquelle des Konzerns. Der Dienst stützt den wachsenden Umfang, höhere Margen und eine allmähliche Abkehr von den konjunkturabhängigeren Startumsätzen.
Gleichzeitig sieht Moody’s erhebliche Risiken. Die groß angelegte KI-Offensive binde enorme Mittel, sorge für hohe Investitionskosten, anhaltend negative freie Cashflows und unklare Renditen.
Die Agentur hob zudem die Abhängigkeit von der nächsten Starship-Generation V3 hervor und warnte, technische Probleme oder Verzögerungen könnten das langfristige Wachstum bremsen.
Moody’s verwies außerdem auf erhöhte Governance-Risiken. Die enge Kontrolle und die gebündelte Stimmrechtsmacht schränkten die unabhängige Aufsicht des Verwaltungsrats ein und machten SpaceX stark von einer Person abhängig: Elon Musk.
Trotzdem rechnet Moody’s bis 2028 mit kräftigem Umsatz- und Ergebniswachstum. Haupttreiber sei Starlink, das Anfang Juni rund zwölf Millionen Kundinnen und Kunden zählte, ergänzt um einen erwarteten Wendepunkt in der KI-Sparte.
Als Beleg nannte die Agentur jüngste Rechenleistungs-Deals mit Anthropic und Google im Gesamtvolumen von 75 Milliarden US-Dollar (65 Milliarden Euro).
Die Ratingagentur Fitch vergab ein langfristiges Emittentenausfallrating von BBB+ mit stabilem Ausblick. Sie verwies auf die dominierende Stellung von SpaceX im kommerziellen Startgeschäft: Seit 2023 hat der Konzern mehr als 80 Prozent der weltweit in den Orbit gebrachten Masse transportiert.
S&P Global setzte die Bonität auf BBB mit stabilem Ausblick. Die Agentur stellte die Stärke des Start- und Konnektivitätsgeschäfts den Risiken der noch jungen KI-Sparte und dem hohen Kapitalbedarf gegenüber.
SpaceX-Aktie fällt vom Rekordhoch
Die neuen Ratings stabilisierten die Aktie am Donnerstag kaum.
SpaceX schloss bei 185 US-Dollar und lag damit mehr als 18 Prozent unter dem Hoch von 225,6 US-Dollar vom Dienstag, als der Börsenwert kurzzeitig über 3 Billionen US-Dollar (2,6 Billionen Euro) stieg.
Im Tagesverlauf fiel die Aktie bis auf 172 US-Dollar, bevor sie einen Teil der Verluste wettmachte. Anlegerinnen und Anleger diskutierten, ob die Bewertung des Unternehmens zu weit davongelaufen ist.
Die Kurskorrektur hat die Stellung von SpaceX unter den größten Konzernen der Welt verschoben. Das Unternehmen liegt nun wieder auf Rang sechs der wertvollsten börsennotierten Firmen gemessen an der Marktkapitalisierung und hat damit einen Teil der Zugewinne der Vorwoche abgegeben.
Am Dienstag hatte SpaceX Amazon kurzzeitig überholt und Platz fünf erobert. Auf seinem Tageshoch stieg der Konzern sogar vorübergehend an Microsoft vorbei auf Rang vier, bevor der Rückgang in dieser Woche ihn wieder zurückwarf.
Trotz der abgegebenen Gewinne zählt SpaceX kaum eine Woche nach dem Börsendebüt zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Das Investment-Grade-Urteil aller drei großen Ratingagenturen signalisiert zudem einen Kurswechsel an den Finanzmärkten im Blick auf einen Konzern, der jahrelang als privat finanzierter Raketenbauer agierte.