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Fünf-Milliarden-KI-Exportplan nimmt in Zentralasien Fahrt auf

Taschkent: Internationales Investitionsforum
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Von Akis Tatsis & Dilbar Primova, Rushana Aliakbarova
Zuerst veröffentlicht am
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Usbekistan will weg vom Outsourcing und auf hochwertige Dienstleistungen setzen. Junge Arbeitskräfte, Energie und digitale Netze sollen Investoren anziehen.

Usbekistan peilt bis 2030 IT- und KI-Dienstleistungsexporte von mindestens fünf Milliarden Dollar (4,3 Mrd. Euro) an. Das Land will künstliche Intelligenz von einem Schwerpunkt der Digitalpolitik zu einem breiten Wirtschaftszweig ausbauen.

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Nach Angaben von Sherzod Shermatov, dem Minister für digitale Technologien, sind die jährlichen IT-Exporte von weniger als einer Million Dollar (850.000 Euro) im Jahr 2017 auf fast eine Milliarde Dollar (850 Mio. Euro) gestiegen. Die nächste Entwicklungsstufe hänge jedoch davon ab, ob genug Fachkräfte, Investitionen und praktische Anwendungen von KI in Unternehmen und Verwaltung zusammenkommen.

Regierungsvertreter, Investoren und KI-Fachleute skizzierten diese Herausforderung in Gesprächen mit Euronews am Rande des Taschkenter Internationalen Investitionsforums. Parallel dazu steigt die Nachfrage nach Rechenkapazität, digitalen Diensten und Beschäftigten, die KI-Werkzeuge im Berufsalltag einsetzen können.

Vom Outsourcing zu KI-Diensten

Die Digitalwirtschaft Usbekistans wächst in einem Land mit einer jungen, zunehmend vernetzten Bevölkerung. Laut offiziellen Statistiken lebten Anfang 2025 rund 9,6 Millionen Menschen im Alter von 14 bis 30 Jahren im Land. Ende 2025 lag die Internetnutzung bei 89 %.

Das verschafft Usbekistan eine mögliche Basis im Inland für digitale Aus- und Weiterbildung. Das wirtschaftliche Ziel liegt jedoch im Ausland. Nach Angaben des nationalen Statistikkomitees erzielten Unternehmen aus dem IT-Park im ersten Quartal 2026 Dienstleistungsexporte von 191,8 Mio. Dollar (169 Mio. Euro). Usbekistan versucht, sich damit vom klassischen Outsourcing hin zu höherwertigen digitalen Services zu entwickeln.

Shermatov erklärte, das Land wolle Firmen anziehen, die nach Fachkräften, Lieferzentren und mehrsprachigen Teams suchen, um von Usbekistan aus ausländische Märkte zu bedienen.

Ziel sei es nicht nur, Outsourcing-Kosten für Unternehmen zu senken, sondern ihnen auch zu ermöglichen, „über Usbekistan in Drittstaaten zu expandieren“.

Davon sollen sowohl Start-ups als auch etablierte IT-Firmen profitieren. Ausländische Start-ups können laut Shermatov Förderungen erhalten, wenn sie Backoffice-Strukturen und Arbeitsplätze in Usbekistan aufbauen. Die Regierung wirbt zugleich gezielt um Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf KI basiert.

Benedict Macon-Cooney, Chief AI and Innovation Officer am Tony Blair Institute for Global Change, sieht für Länder wie Usbekistan Chancen vor allem bei KI-Dienstleistungen und konkreten Anwendungen. Ein direkter Wettbewerb mit den USA oder China um die fortschrittlichsten KI-Modelle sei dagegen weniger aussichtsreich.

Ziel ist, Fachkräfte, Unternehmen und Dateninfrastruktur so zu verknüpfen, dass daraus Dienste entstehen, die sich auch außerhalb des Heimatmarkts verkaufen lassen.

Energie wird zu digitalen Diensten

Rechenzentren bleiben ein Kernstück der KI-Strategie Usbekistans, sie sind jedoch kein Selbstzweck. Sie bilden die Infrastruktur für Cloud-Angebote, KI-Werkzeuge und digitale Exporte.

Shermatov verknüpfte den Ausbau der Rechenzentren direkt mit der Energiepolitik. „Für KI braucht man Rechenleistung. Für Rechenleistung braucht man Energie“, sagte er. Usbekistan wolle Strom daher nicht nur als Rohprodukt exportieren, sondern „in Form von Dienstleistungen aus KI-Rechenzentren“ verkaufen.

Investoren in KI-Rechenzentren erhalten nach seinen Angaben Anreize: günstigere Stromtarife, Ansiedlung im IT-Park, ein weitgehend steuerfreies Umfeld sowie Befreiungen von Einfuhrzöllen auf KI-Technik.

Rajit Nanda, Geschäftsführer des Unternehmens DataVolt, führt die starke Nachfrage nach Rechenzentren auf die „explosive Verbreitung von KI“ in Unternehmen, Behörden und digitalen Plattformen zurück. Allein die Infrastruktur werde jedoch nicht ausreichen, betonte er.

„Kapital, Energie und Talente sind gleichermaßen wichtig“, sagte Nanda. Kein einzelner Faktor reiche aus, damit sich KI wirklich durchsetzt.

Kompetenzen für den KI-Alltag

Usbekistan hat bereits das Programm „5 Million AI Leaders“ gestartet. Es soll Grundkenntnisse über KI in Schulen, Hochschulen, unter Lehrkräften und im öffentlichen Dienst verbreiten. Laut Shermatov haben mehr als eine Million Menschen das Programm bereits abgeschlossen.

Es geht dabei nicht nur um die Ausbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Beschäftigte in ganz unterschiedlichen Branchen sollen lernen, KI-Werkzeuge in ihrem eigenen Arbeitsfeld einzusetzen.

Vladimir Norov, Vorsitzender der Zentralasiatischen Vereinigung für KI, plädierte dafür, in der Region nicht nur Ingenieurinnen und Ingenieure zu schulen, sondern auch ein „grundlegendes Verständnis“ und praktische Nutzungskompetenz zu vermitteln.

Er nannte Bildung, Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Logistik als Bereiche, in denen sich diese Fähigkeiten in ganz Zentralasien einsetzen lassen.

KI in der Verwaltung einsetzen

Für Macon-Cooney liegt die größte Hürde in der Umsetzung.

„Das ist immer die eigentliche Herausforderung für Regierungen“, sagte er. Es gehe darum, „Beschlüsse, die auf Papier stehen, in konkrete Leistungen und Handeln zu übersetzen“.

Die ersten Fortschritte könnten aus eher routinemäßigen, aber wichtigen Bereichen der öffentlichen Verwaltung kommen – etwa aus Formularwesen, Compliance-Prüfungen, Steuerverwaltung und Betrugserkennung.

Macon-Cooney zufolge lassen sich in diesen Feldern echte Einsparungen erzielen, sofern die Verwaltungen über verlässliche Datensysteme verfügen.

Eine breite Einführung hängt zudem vom Vertrauen der Bevölkerung ab. Betrug, Cyberangriffe und Datenmissbrauch können dieses Vertrauen rasch untergraben. Cybersicherheit wird damit zu einem zentralen Bestandteil des wirtschaftlichen Stresstests, vor dem Usbekistans KI-Pläne stehen.

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