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Aktuelle Umfrage: Jeder zweite deutsche Spitzenverdiener denkt ans Auswandern

Ein Flugzeug der Lufthansa befindet sich im Landeanflug auf den Flughafen Frankfurt, Deutschland, Dienstag, 28. April 2026.
Ein Flugzeug der Lufthansa befindet sich im Landeanflug auf den Flughafen Frankfurt, Deutschland, Dienstag, 28. April 2026. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Binnen eines Jahres sind mehr als 288.000 Deutsche ins Ausland abgewandert. Eine aktuelle Umfrage deutet darauf hin, dass vor allem hochqualifizierte Fachkräfte mit einem Wegzug liebäugeln – und viele von ihnen keine kurzfristige Rückkehr planen.

Binnen eines Jahres sind über 288.000 deutsche Staatsbürger ins Ausland abgewandert. Das belegen Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis).

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Eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Jobplattform Indeed zeigt, dass sich der Trend offenbar fortsetzt: Seit 2020 hat sich die Zahl der Suchanfragen nach internationalen Stellenangeboten mehr als verdoppelt.

Besonders unter den Spitzenverdienern sind Pläne für einen Wegzug weit verbreitet.

Mehr als jeder zweite Befragte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 6.000 Euro (54 Prozent) gab an, sich in den vergangenen zwölf Monaten im Ausland beworben oder den internationalen Arbeitsmarkt sondiert zu haben.

Zwei Drittel der Befragten gaben an, grundsätzlich über einen Job im Ausland nachzudenken. Rund 30 Prozent hatten bereits konkret nach Stellen gesucht oder Bewerbungen verschickt.

Von den Auslandsinteressierten wollen 77 Prozent für mehrere Jahre oder sogar dauerhaft ins Ausland gehen.

Laut Indeed suchen viele Auswanderungswillige nach klassischen Bürojobs, etwa im Marketing. Stark nachgefragt sind aber auch Stellen in den Bereichen Technologie, Hotellerie und Logistik.

Mehr Einkommen, bessere Lebensqualität

Die Indeed-Umfrage untersucht auch, welche Gründe hinter den Auswanderungsplänen stehen.

Am häufigsten nennen Beschäftigte die Aussicht auf ein höheres Einkommen und mehr Lebensqualität (jeweils rund 51 Prozent). Etwa 42 Prozent erhoffen sich zudem ein angenehmeres Klima oder eine geringere Steuer- und Abgabenlast im Ausland. Bessere Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten sind dagegen für deutlich weniger Befragte ausschlaggebend (24 Prozent).

Virginia Sodergeld, Arbeitsmarktökonomin bei Indeed, betrachtet internationale Mobilität grundsätzlich als begrüßenswert, denn neue Erfahrungswerte und Wissen aus dem Ausland brächten Impulse für Innovation oder Erschließung neuer Geschäftsmöglichkeiten.

Aber: "Wenn zwei Drittel der Beschäftigten mit dem Weggang liebäugeln, sollte das auch als Zeichen für Unzufriedenheit mit den heimischen Standortbedingungen verstanden werden", so die Expertin.

Offenbar ist die Abgabenlast in Deutschland vielen Menschen zu hoch: Von 100 Euro Arbeitskosten, die ein Arbeitgeber für einen durchschnittlichen alleinstehenden Arbeitnehmer aufwendet, bleibt dem Arbeitnehmer in Deutschland nur rund die Hälfte (50,70 Euro netto). Der Rest entfällt auf Einkommensteuer sowie Sozialversicherungsbeiträge von Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Das spiegelt sich in den Ergebnissen der Umfrage: 70 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Steuerbelastung in Deutschland gemessen am Einkommen zu hoch ist und sich persönliches Engagement im Beruf nicht ausreichend auszahlt.

Besonders gefragt sind diese Zielländer

In welche Länder zieht es die Willigen? Mit einem Anteil von 14,4 Prozent aller Suchanfragen führen weiterhin die USA das Ranking der beliebtesten Auswanderungsziele an. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Interesse jedoch deutlich nachgelassen: Die Zahl der Anfragen ging um 34 Prozent zurück.

Auf den Plätzen zwei und drei folgen Großbritannien und die Schweiz mit jeweils 13,6 Prozent. Deutlich an Attraktivität gewonnen haben das Vereinigte Königreich, wo die Suchanfragen um 38 Prozent zulegten, sowie die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien (jeweils plus 24 Prozent). Auch Australien verzeichnete einen Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Sicherheit versus Dynamik

Deutschlands Stärken liegen dagegen vor allem in Bereichen, die für international besonders gefragte Fachkräfte oft weniger entscheidend sind, weil sie eher für Sicherheit und Verlässlichkeit als für berufliche Entwicklungschancen stehen. So nannten 60 Prozent der Befragten das soziale Umfeld als größten Vorteil, gefolgt vom arbeitsrechtlichen Schutz mit 47 Prozent und dem Sozialsystem mit knapp 35 Prozent.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) wanderten im vergangenen Jahr tatsächlich rund 97.000 mehr Deutsche aus, als zurückkehrten. Das ist der höchste Nettoverlust seit 2017.

Anders fällt die Bilanz bei Menschen ohne deutschen Pass aus: Hier verzeichnete Deutschland einen Nettozuzug von mehr als 200.000 Personen.

Dabei kamen in den vergangenen Jahren nicht nur Geflüchtete nach Deutschland: Es kamen auch verstärkt hochqualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten wie Indien. Viele von ihnen arbeiten in der IT-Branche, etwa in den Bereichen Softwareentwicklung, Künstliche Intelligenz und Digitalisierung, aber auch in Ingenieur- und Forschungsberufen.

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