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Weltbank: Erdbebenschäden in Venezuela nahe 20 Milliarden Dollar

Rettungskräfte und Angehörige beobachten die Bergung von Leichen aus einem eingestürzten Gebäude nach Erdbeben in La Guaira, Venezuela, am 21. Juli 2026.
Rettungskräfte und Angehörige beobachten in La Guaira, Venezuela, die Bergung von Leichen aus einem eingestürzten Gebäude, Dienstag, 21. Juli 2026. Copyright  AP Photo/ Ariana Cubillos
Copyright AP Photo/ Ariana Cubillos
Von Indrabati Lahiri
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Knapp einen Monat nach den verheerenden Erdbeben steht Venezuela vor einer gewaltigen Aufgabe: Wiederaufbau, Hilfe und Abfederung der sozialen und wirtschaftlichen Schäden.

Die Erdbeben vom 24. Juni in Venezuela haben nach Angaben der Weltbankgruppe vermutlich direkte Sachschäden von rund 19,6 Milliarden US-Dollar (17,2 Milliarden Euro) verursacht.

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Diese enorme Summe zeigt, wie dringend das Land in einen schnellen und widerstandsfähigen Wiederaufbau investieren muss, damit sich die Wirtschaft erholen kann.

Die Ergebnisse stehen in einer Global Rapid Damage Estimation (GRADE), die die Weltbank erstellt und am Donnerstag veröffentlicht hat.

Die Bewertung soll der venezolanischen Regierung und ihren Entwicklungspartnern frühzeitig ein Bild vom Umfang des Wiederaufbaus geben. Sie soll außerdem aufzeigen, welche Maßnahmen beim Wiederaufbau und bei der wirtschaftlichen Erholung zuerst anstehen.

„Die Erdbeben haben Leben aus der Bahn geworfen, wichtige Infrastruktur beschädigt und neue Hürden für Venezuelas Erholung geschaffen“, erklärte Susana Cordeiro Guerra, Vizepräsidentin der Weltbank für Lateinamerika und die Karibik, in einer Mitteilung.

„Wirksame Erholung beginnt mit verlässlichen Daten. Diese Bewertung liefert der Regierung Venezuelas und ihren Partnern eine frühe, objektive Grundlage für die Planung des Wiederaufbaus. Die Weltbankgruppe unterstützt diesen Prozess auf Schritt und Tritt“, so Guerra weiter.

Großteil der Schäden an Wohngebäuden

Laut GRADE entfielen 47 % der Gesamtschäden auf Wohngebäude, 27 % auf Infrastruktur. Nichtwohngebäude machten 26 % aus.

Der Bundesstaat La Guaira und der Hauptstadtbezirk Distrito Capital waren besonders stark betroffen und stehen für etwa die Hälfte des Gesamtschadens.

Die Weltbankgruppe analysierte außerdem mögliche makroökonomische und gesellschaftliche Folgen der Erdbeben und skizzierte, was der Wiederaufbau bedeuten könnte.

Die Daten zeigen, dass das Tempo des Wiederaufbaus entscheidend dafür ist, wie gut sich Wirtschaft und Gesellschaft in Venezuela erholen.

Angesichts der aktuellen Lage von öffentlichen und privaten Investitionen müssten die meisten Wiederaufbaumittel vermutlich von anderen, weniger dringlichen Projekten abgezogen werden.

Unter diesen Voraussetzungen dürfte der Wiederaufbau mehr als 10 Jahre dauern und die wirtschaftliche Aktivität deutlich bremsen.

Setzt die Regierung dagegen auf schnellen Wiederaufbau und erhöht öffentliche wie private Investitionen in diesen Bereich, lassen sich die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Erdbeben deutlich abmildern.

Wie GRADE die Schäden schätzt

Die GRADE-Methodik bietet eine unabhängige und vor allem schnelle Möglichkeit, direkte Sachschäden nach schweren Katastrophen zu erfassen.

Sie nutzt Satellitenbilder, Expositionsdaten, Fernerkundung und Ingenieurmodelle; bei Bedarf werden detaillierte Analysen einzelner Sektoren ergänzt.

Im Fall der Erdbeben in Venezuela kombinierte GRADE Modellrechnungen zu Erdbebenschäden, Katastrophenrisikomodelle, Validierung und Kalibrierung sowie eine Bewertung des Kapitalstocks in verschiedenen Sektoren und Anlagen.

Einsatzkräfte bergen Leichen aus den Trümmern eines durch die Doppelbeben eingestürzten Gebäudes, La Guaira, Venezuela, 15. Juli 2026
Einsatzkräfte bergen Leichen aus den Trümmern eines durch die Doppelbeben eingestürzten Gebäudes, La Guaira, Venezuela, 15. Juli 2026 AP Photo/Ariana Cubillos

Zum Einsatz kamen außerdem historische und wissenschaftliche Daten, etwa zu Bodenbewegungen, technische Gutachten zur strukturellen Verwundbarkeit sowie Informationen über Bebauung und Bevölkerung. Hinzu kamen gemeldete Schadensdaten von Regierung, lokalen Initiativen, Entwicklungsorganisationen, Medien und sozialen Netzwerken.

Die GRADE-Bewertung für Venezuela erhielt finanzielle Unterstützung von der japanischen Regierung über das Programm zur Verankerung von Katastrophenvorsorge in Entwicklungsländern und vom Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR).

Verwundbare Haushalte beim Wiederaufbau im Fokus

Die GRADE-Studie betont zudem, dass die besondere Verwundbarkeit von Haushalten beim Wiederaufbau eine zentrale Rolle spielen sollte.

Dazu gehören soziale Faktoren wie Alter, Einkommen und Wohnqualität sowie wirtschaftliche und umweltbezogene Gesundheitsindikatoren, die zeigen, wie anfällig bestimmte Bevölkerungsgruppen für Katastrophen sind.

In diesem Fall lebten in sieben der am stärksten betroffenen Bundesstaaten – Miranda, La Guaira, Distrito Capital, Carabobo, Yaracuy, Aragua und Falcón – rund 11,5 Millionen Menschen, also etwa 40 % der Bevölkerung.

Diese sieben Bundesstaaten vereinten zudem fast die Hälfte des in Venezuela gefährdeten Gebäude- und Infrastrukturbestands im Wert von rund 657 Milliarden US-Dollar (576,8 Milliarden Euro).

Zu den sozialen Risikofaktoren in diesen Regionen zählen Haushalte mit Frauen an der Spitze, Alleinerziehende sowie Familien mit älteren, behinderten oder chronisch kranken Menschen.

Nach Einschätzung der GRADE-Studie profitieren diese Gemeinschaften besonders von der schnellen Wiederherstellung grundlegender Dienste wie Wasser- und Stromversorgung. In verletzlichen Haushalten haben Versorgungsausfälle oft weitreichende Folgen, selbst wenn die Gebäude selbst nur gering beschädigt sind.

Fehlende Dienstleistungen können bestehende Ungleichheiten weiter verschärfen, statt alle Haushalte gleichermaßen zu treffen.

Die gewonnenen Erkenntnisse können der venezolanischen Regierung helfen, sich in den kommenden Monaten auf besonders dringliche Wiederaufbauprojekte zu konzentrieren und rasch Fortschritte zu erzielen.

Gleichzeitig bleiben die große Bevölkerungszahl und eine begrenzte Verwaltungskapazität zentrale Hürden für Tempo und Qualität von Hilfe und Wiederaufbau.

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