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Eis-Ökonomie: Wie viel Arbeitszeit kostet eine Kugel?

Archivbild: Eine Verkäuferin füllt eine Eiswaffel in einer Eisdiele in Beeskow, Deutschland, am 24. Juni 2026.
Archivbild: Ein Eisverkäufer füllt in einer Eisdiele in Beeskow, Deutschland, eine Waffel mit Eis, Mittwoch, 24. Juni 2026. Copyright  Patrick Pleul/dpa via AP
Copyright  Patrick Pleul/dpa via AP
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am
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Ein Preisvergleich in zehn europäischen Ländern zeigt: Für eine Kugel Eis müssen Beschäftigte in Griechenland am längsten arbeiten, fast dreimal so lange wie in Deutschland.

Nach Angaben von Euronews-Journalistinnen und -Journalisten sowie jüngst veröffentlichten Umfragen wies das Vereinigte Königreich in der Stichprobe den höchsten Vergleichswert auf, die Türkei den niedrigsten.

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In den untersuchten zehn Ländern lag der Richtpreis für eine Kugel zwischen rund 1,15 € und 4,10 €.

Die Preise unterschieden sich deutlich je nach Ort, Art des Geschäfts, Portionsgröße und Sorte. Wechselkursschwankungen beeinflussen den Vergleich zusätzlich, sobald die Beträge in Euro umgerechnet werden.

Auch eine weitere Auswertung der von Euronews erhobenen Daten und aktueller Marktstudien ergab: Die höchste Vergleichssumme entfiel auf das Vereinigte Königreich, die niedrigste auf die Türkei.

Die Ergebnisse sind Richtwerte und ersetzen keine offiziellen nationalen Preisstatistiken.

Touristenpreise lassen Eisgenuss bitter werden

Der Vergleich stützt sich zwar auf gewöhnliche Läden. Einige Touristenpreise stechen jedoch so stark hervor, dass sie nicht zu übersehen sind.

Auf weiten Teilen des griechischen Festlands kostet eine Kugel etwa 2,60 €. Auf beliebten Ferieninseln klettert der Preis jedoch auf 4 bis 6 €.

Auch in türkischen Urlaubsorten sind die Preise deutlich gestiegen. Für eine Kugel werden dort bis zu TL 100 bis 120 fällig, das entspricht etwa 1,85 bis 2,20 €. Das ist ein kräftiger Aufschlag gegenüber einem Mittelwert von TL 62,50 in normalen Eisläden in Istanbul.

Im Vereinigten Königreich lassen sich die Daten laut Euronews schlechter direkt vergleichen. Eine einzelne Kugel in der Eisdiele zu kaufen, entspricht dort weniger dem typischen Konsumverhalten. Viele Menschen greifen eher zu Softeis in der Waffel oder zu verpackten Eisprodukten aus dem Eiswagen.

Eine aktuelle Umfrage, die der Discounter Aldi in Auftrag gab und die das Institut OnePoll unter 2.000 Eltern im Vereinigten Königreich durchführte, ergab einen Durchschnittspreis von 2,65 Pfund – rund 3,10 € – für ein Eis aus dem Wagen.

Wie viel Arbeitszeit kostet eine Eiskugel?

Die billigste Kugel in Euro gerechnet bedeutet nicht automatisch die geringste Belastung für die Kundinnen und Kunden vor Ort.

Um zu schätzen, wie lange jemand für eine Kugel arbeiten muss, hat Euronews Business die Vergleichspreise mit Daten zu Einkommen und Arbeitszeit kombiniert.

Für die Länder der Europäischen Union stammen die jährlichen Nettoeinkommen von Eurostat. Die Kennzahl beschreibt das geschätzte Nettoeinkommen einer alleinstehenden Person ohne Kinder, die 100 % des nationalen Durchschnittslohns verdient. Vergleichbare Netto-Einkommenswerte für die Türkei und das Vereinigte Königreich liefert die OECD.

Euronews hat die Jahreseinkommen mit Hilfe der durchschnittlichen Arbeitszeit aus den Eurostat-Daten in einen geschätzten Minutenlohn umgerechnet. Die entsprechende Zahl für das Vereinigte Königreich kommt vom Office for National Statistics.

Die Berechnung ist nur ein Näherungswert. Sie bildet weder individuelle Steuersituationen noch Unterschiede bei Arbeitszeitmodellen, Löhnen oder Urlaubsansprüchen ab. Sie dient also als grober Maßstab, nicht als amtliche Statistik oder als Abbild persönlicher Finanzen.

Wie viel vom Arbeitstag verschlingt eine Kugel also?

In Deutschland sind es rund 7,4 Minuten reine Arbeitszeit.

Im Vereinigten Königreich steigt der Wert auf 9,3 Minuten, in Belgien auf 11,4 Minuten. In Italien liegt die geschätzte Arbeitszeit bei 13,2 Minuten, in Frankreich bei 14,5 Minuten.

Türkei, Polen und Spanien liegen mit jeweils etwa 15 Minuten dicht beieinander. In Portugal erhöht sich der Wert auf 16,6 Minuten, in Griechenland auf 20,9 Minuten.

Nach diesen Annahmen muss eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer in Griechenland fast dreimal so lange arbeiten wie in Deutschland, um sich die Vergleichskugel leisten zu können.

Eispreis-Inflation kühlt ab

In Griechenland ist Eis in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden.

Glykos sagte der griechischen Zeitung „Ta Nea“, die Preise seien seit 2020 um rund 20 % gestiegen, vor allem wegen der aufgelaufenen höheren Energiekosten. Energie bleibe die größte Sorge der Branche, die Entwicklung der Ölpreise spiele dagegen eine geringere Rolle.

In einem späteren Interview mit ERT News Radio 105,8 erklärte Glykos allerdings, die Produktionskosten seien 2026 nicht weiter gestiegen; der Großteil der jüngsten Preissprünge sei bereits 2025 erfolgt.

Auch die Kosten für Zutaten hängen von der Sorte ab. Glykos zufolge kosten Pistazien von guter Qualität zwischen 40 und 80 € pro Kilogramm, während Standardsorten wie Vanille oder Erdbeere kaum teurer wurden. Auch Mieten und die Lage eines Geschäfts schlagen sich im Endpreis nieder.

Aktuelle offizielle Inflationsdaten deuten ebenfalls darauf hin, dass der Preisdruck zuletzt nachgelassen hat, wenn auch mit großen Unterschieden zwischen den Ländern.

Der von Eurostat berechnete harmonisierte Preisindex für Eis, Speiseeis und Sorbets sank in der EU im Jahr bis Juni 2026 um 0,4 %. In der Eurozone ging er um 0,2 % zurück.

Portugal verzeichnete mit 8,3 % den stärksten Rückgang, gefolgt von Schweden mit 4,6 % sowie Dänemark und Luxemburg mit jeweils 2,8 %. In Griechenland fielen die Preise um 2,6 %, in Belgien um 2,3 %.

Am anderen Ende der Skala stehen Litauen mit einem Anstieg um 7,9 %, Rumänien mit 6,4 %, die Slowakei mit 3,8 % und Österreich mit 2,6 %. Unter den Ländern aus dem Preisvergleich lag die Inflation in dieser Kategorie bei 1,2 % in Spanien, 0,8 % in Deutschland und 0,2 % in Polen. In Frankreich, Belgien, Griechenland und Portugal ging der Index zurück.

Eine negative jährliche Inflationsrate bedeutet nicht, dass Eis wieder so viel kostet wie vor 2020. Sie zeigt lediglich, dass der entsprechende Preisindex im Juni 2026 niedriger lag als ein Jahr zuvor.

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