Loader
Finden Sie uns
Werbung

Krieg und Hitze treiben Preise für Brot und Pasta nach oben

Archivfoto: Brotauslage in einer Bäckerei
Archivbild: Brotauslage in einer Bäckerei Copyright  Canva/illustration
Copyright Canva/illustration
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Globale Lebensmittelpreise sollen 2026 laut Oxford Economics zweistellig steigen. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine verschärft andere Preisschocks. Besonders Weizen verteuert sich, Brot und Pasta dürften deutlich teurer werden.

Die weltweiten Lebensmittelpreise dürften in diesem Jahr um 11,8 % steigen und im Jahr 2027 um weitere 4,8 %. Am stärksten treffen die Teuerungen laut Oxford Economics Ackerbauprodukte – Getreide, Obst und Gemüse – sowie Milchprodukte.

WERBUNG
WERBUNG

Der Hintergrund: Extreme Hitze und Dürre in Europa haben die Ernten geschädigt. Zugleich kämpfen Landwirte mit hohen Energie- und Düngerpreisen, zusätzlich belastet durch die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine.

Nach der Hitzewelle in Europa hat Coceral, der in Brüssel ansässige europäische Branchenverband für Getreide- und Ölsaatenhandel, im Juli eine außerplanmäßige Einschätzung vorgelegt. Er senkte seine Prognose für die kombinierte Getreideernte in der EU-27 und im Vereinigten Königreich von 295,5 auf 286,6 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: 2025 lag die Ernte bei 310 Millionen Tonnen.

Deutschlands Getreideernte dürfte in diesem Jahr nach heftiger Dürre und wiederholten Hitzewellen um rund sieben Prozent zurückgehen. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine Warnung des Deutschen Bauernverbands. Demnach wird die Produktion auf 41,9 Millionen Tonnen geschätzt.

Die Hitzewelle hat die Felder stark geschädigt. Gleichzeitig müssen Landwirte höhere Kosten schultern, weil die Blockade der Straße von Hormus im Zuge des Iran-Kriegs die Lieferungen von Öl und anderen Rohstoffen stört.

Den größten Effekt auf die weltweiten Lebensmittelpreise hat nach Einschätzung von Oxford Economics der „US-Iran-Krieg und seine Folgen für die Vorprodukte der Nahrungsmittelproduktion, vor allem Öl (Diesel), Erdgas und Dünger“, sagte der leitende Ökonom Tomas Dvorak Euronews Business.

Nach Angaben von Oxford Economics stiegen die weltweiten Dieselpreise im Juli im Jahresvergleich um 36 %, teilweise ausgelöst durch die Behinderungen in der Straße von Hormus. Die Düngerpreise dürften im Laufe des Jahres um 22 % zulegen.

Gleichzeitig wirkt sich auch der Krieg in der Ukraine deutlich auf die Lebensmittelpreise aus.

Getreide macht 25 % des weltweiten Lebensmittelpreisindex aus, und die beiden Länder „stehen zusammen für knapp 30 % der weltweiten Weizenexporte und für mehr als 10 % beim Mais“, so Dvorak.

Angriffe auf russische und ukrainische Häfen, Verladeterminals und Schiffe sowie Beeinträchtigungen der Getreideexporte über das Schwarze Meer und das Asowsche Meer könnten laut Bericht eine jährliche Exportkapazität von 86 Millionen Tonnen Getreide treffen – 52 Millionen Tonnen aus Russland und 34 Millionen Tonnen aus der Ukraine. Das entspricht fast 17 % der weltweiten Getreideausfuhren.

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) lagen die weltweiten Preise für Agrarrohstoffe im Juli um ein Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Getreide verteuerte sich um 6,9 %, Pflanzenöle kosteten rund 17,3 % mehr.

Der globale Lebensmittelpreisindex von Oxford Economics bildet Großhandelspreise für Rohstoffe ab. Ein Anstieg schlägt daher nicht eins zu eins auf die Supermarktpreise durch.

Der für 2026 erwartete Preissprung bleibt allerdings unter dem Plus von 14,2 %, das im Jahr 2022 verzeichnet wurde.

Welche Lebensmittelpreise am stärksten steigen könnten

„Am stärksten trifft es Ackerfrüchte – Getreide, Obst und Gemüse – sowie Milchprodukte“, sagte Dvorak Euronews Business. Diese Bereiche litten am meisten unter Dürren und Hitze.

„Das schlägt sich auch in den Preisen verarbeiteter Produkte nieder – etwa von Brot, Käse, Wein oder Speiseöl“, ergänzte er. Waren wie Fleisch dürften dagegen weniger stark betroffen sein.

Weizen steht als düngerintensive Kultur besonders unter Druck. Nach Berechnungen der Forscher dürften die Preise im dritten Quartal 2026 im Jahresvergleich um 36 % auf 6,92 US-Dollar je Scheffel steigen – ein Scheffel entspricht etwa 27 Kilogramm Weizen.

Weizen steckt in zahlreichen verarbeiteten Lebensmitteln – von Brot und Pasta bis hin zu Frühstückscerealien und Keksen.

„Bei frischen Lebensmitteln, vor allem bei Obst und Gemüse, wird der Effekt relativ schnell spürbar sein und sich voraussichtlich in zwei bis drei Monaten in den Verbraucherpreisen zeigen. Bei verarbeiteten Lebensmitteln sind die Verzögerungen größer, weil Ernte und Verarbeitung mehr Zeit brauchen. Dort erwarten wir den stärksten Durchschlag auf die Verbraucherpreise in etwa sechs bis neun Monaten“, erklärte Dvorak.

Das bedeutet: Die Preise für frische Lebensmittel könnten die Störungen zwischen Oktober und November 2026 widerspiegeln. Bei verarbeiteten Produkten wäre der stärkste Effekt zwischen Februar und Mai 2027 zu erwarten.

Jed Cartledge, Agrarrohstoff-Experte bei Oxford Economics, warnte, der Preisschock bei Lebensmitteln könnte stärker ausfallen als bisher angenommen. Die Folgen der Angriffe im Schwarzen Meer seien noch nicht vollständig absehbar, und ein ausgeprägtes El-Niño-Phänomen bedrohe die Ernten auch außerhalb Europas.

Zugleich betonte er, höhere Weizenpreise könnten teurere alternative Exportwege wirtschaftlich rentabel machen und so einen Teil der Ausfälle abfedern.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

USA und Kanada beraten über Ausweg aus Trumps Zolloffensive vor Mitternacht

Britische Löhne steigen langsamer: Iran-Krieg treibt Lebenshaltungskosten

Mit vierzig in Rente: immer mehr junge Beschäftigte setzen auf FIRE