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Warsh warnt vor Inflation und lehnt Fed-Ausblick ab

ARCHIV: Fed-Chef Kevin Warsh trifft am Freitag, 28. August 2026, in Moran, Wyoming, zum jährlichen Wirtschaftssymposium in Jackson Hole ein. (AP Photo/Amber Baesler)
ARCHIV - US-Notenbankchef Kevin Warsh kommt am 28. August 2026 zum jährlichen Jackson-Hole-Symposium zur Wirtschaftspolitik in Moran, Wyoming. (Foto: AP/Amber Baesler) Copyright  AP Photo
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Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Fed-Chef Kevin Warsh erklärt in Jackson Hole, die Finanzlage sei nicht restriktiv und die Kerninflation kaum gebremst. Seine harte Linie stärkt den Kurs zu einer Zinserhöhung und schließt neue Hinweise auf künftige Schritte aus.

Zu seinem 100. Tag im Amt erklärte Fed-Chef Kevin Warsh beim Symposium der Kansas City Fed in Wyoming, die US-Wirtschaft sei durch die jüngsten Schocks eher gestärkt als geschwächt worden. Der Arbeitsmarkt entspreche nahezu Vollbeschäftigung, und Inflation bleibe die zentrale Sorge der Notenbank.

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Warsh wollte nicht sagen, wie die Fed im kommenden Monat entscheidet. Er räumte jedoch die meisten Argumente gegen ein Eingreifen aus und stärkte die Gründe für eine Zinserhöhung.

„Für meinen Teil bin ich heute beeindruckt von der Gesamtentwicklung der Wirtschaft, die offenbar kräftiger geworden ist“, sagte Warsh.

„Ein Zeichen von Stärke ist, wie gut eine Volkswirtschaft Schocks verkraftet. Auf dieser Grundlage haben sich sowohl Main Street als auch Wall Street bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt“, fügte er hinzu.

Beim PCE-Preisindex lagen die Teuerungsraten über zwölf Monate bei 3,7 Prozent und über sechs Monate bei 4,1 Prozent. 54 Prozent der Komponenten im Warenkorb verteuerten sich im vergangenen Jahr um mehr als drei Prozent; in den zwei Jahrzehnten vor der Pandemie waren es 32 Prozent.

Sommerdaten, die die Erwartungen übertreffen, „sagen mir nicht, dass sich die zugrunde liegenden Trends wesentlich verbessert haben“, erklärte Warsh.

Die Schlussfolgerung des Fed-Chefs fiel deutlich aus: „Der überwiegende Fokus der Fed sollte derzeit auf den Preisen liegen.“

Ebenso klar formulierte Warsh den Maßstab: „Wir müssen sicher sein, dass die zugrunde liegende Inflation deutlich und ausreichend zügig auf unser Ziel zusteuert. Andernfalls haben wir noch Arbeit vor uns“, sagte er.

Diese Bewertung ist entscheidend. Sie nimmt der Argumentation für zusätzliche Konjunkturstützen die Grundlage und könnte den Weg für restriktivere Maßnahmen öffnen, auf die die Märkte bereits reagieren.

Zum Zeitpunkt des Schreibens ist die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe um ein halbes Prozent gegenüber ihrem Hoch am Freitag auf 4,67 Prozent gefallen, die 30-jährige Rendite sank um rund 0,9 Prozent auf 5,16 Prozent. Der Dollar-Index legte vom Tagestief aus um 0,4 Prozent zu und lag bei etwa 99,4 Punkten.

Händler erhöhten die implizite Wahrscheinlichkeit einer Anhebung um 0,25 Prozent bei der Fed-Sitzung am 15. und 16. September auf 55 Prozent, nach zuvor rund 35 Prozent vor Warshs Rede.

US-Wirtschaft: Warsh sieht robuste Entwicklung

Zu Beginn seiner Rede sprach Warsh von einem Wendepunkt der Geschichte und argumentierte, dass sich die künstliche Intelligenz schneller entwickelt habe, als selbst ihre Befürworter erwartet hatten.

Allein die annualisierten Verkäufe von KI-Tokens in den beiden führenden Forschungszentren übersteigen nach seinen Angaben 100 Milliarden Dollar, ein Plus von mehr als 500 Prozent binnen eines Jahres.

KI sei „eine neue Variable, möglicherweise ein neuer Produktionsfaktor“ und werfe Fragen auf, die die Fed derzeit nicht beantworten könne: Ob sie die Produktivität steigert und wann, ob sie Arbeit ergänzt oder ersetzt und wo die Erträge am Ende landen.

Eine neue Arbeitsgruppe der Fed zu Produktivität und Beschäftigung untersucht diese Themen. Warsh betonte jedoch, dass ihre Empfehlungen keinen Einfluss auf aktuelle geldpolitische Entscheidungen haben werden.

ARCHIV - Fed-Chef Kevin Warsh, der Gouverneur der Bank of England Andrew Bailey und der Gouverneur der Bank of Canada Tiff Macklem am Freitag, 28. August 2026, in Moran, Wyoming.
ARCHIV - Fed-Chef Kevin Warsh, der Gouverneur der Bank of England Andrew Bailey und der Gouverneur der Bank of Canada Tiff Macklem am Freitag, 28. August 2026, in Moran, Wyoming. (AP Photo/Amber Baesler)

Warsh präsentierte anschließend zahlreiche Belege für seine positive Einschätzung der US-Wirtschaft.

Die Unternehmensinvestitionen in Ausrüstung und immaterielle Güter wachsen derzeit um rund 9 Prozent, so schnell wie seit 2021 nicht mehr. Mehr als die Hälfte des diesjährigen Anstiegs der Investitionen geht auf den Aufbau von KI-Infrastruktur zurück.

Die Gewinne der S&P-500-Unternehmen stiegen im Jahresvergleich um mehr als 20 Prozent, die Kreditaufschläge liegen nahe historischen Tiefstständen, und Banken lockern ihre Vergabestandards. Wohnungsmarkt und Landwirtschaft stehen unter Druck, räumte Warsh ein, doch insgesamt „würde es mir schwerfallen, die breiten Finanzierungsbedingungen als restriktiv zu bezeichnen“.

Die Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent ist im historischen Vergleich niedrig, die Zahl der neuen Arbeitslosenanträge liegt nahe den Tiefstständen der vergangenen Jahrzehnte. Damit bleibt die Inflation der Ausreißer.

Keine Vorausblicke: Fed-Chef hält sich bewusst bedeckt

Ein großer Teil der Rede drehte sich um Warshs Entscheidung, keine Hinweise auf künftige Schritte zu geben – eine Haltung, die seit seinem Amtsantritt im Mai Kritik auslöst.

Vorausschauende Hinweise seien während der Finanzkrise 2008 von seinen damaligen Kollegen, einschließlich ihm selbst, eingeführt worden und damals unverzichtbar gewesen, sagte Warsh. Inzwischen habe diese Praxis jedoch „ihr Haltbarkeitsdatum überschritten“ und berge das Risiko, „im Namen von Klarheit neue Unklarheit zu schaffen“.

Warsh warnte vor einem Spiegelkabinett-Effekt: Märkte lesen die Fed, während die Fed die Märkte liest, und beide übersehen neue Entwicklungen.

„Wir sollten kein System befördern, in dem Marktteilnehmer in erster Linie auf die nächste Ansage der Fed für ihren nächsten Trade warten“, sagte er. Die Kosten solcher Irrtümer trügen nicht die „Finanz-Eliten“, sondern Haushalte, die mit hoher Inflation oder unsicheren Jobs leben müssen.

Warsh wies zudem Forderungen zurück, eine explizite Reaktionsfunktion zu veröffentlichen, und argumentierte, die Wirtschaftswissenschaft lasse keine mechanische Regel zu.

Stattdessen nannte er sechs Grundsätze: Neue Daten kritisch prüfen statt sich auf veraltete Zahlen zu verlassen, die Abwägung von Angebot und Nachfrage als ungenau akzeptieren, das Ziel von zwei Prozent beim PCE-Preisindex als fest betrachten, beide Mandate verfolgen, ohne sie als Gegenspieler zu sehen, sich auf kurzfristige Zinsen statt auf unkonventionelle Instrumente stützen und nicht vergessen, dass Geld selbst von Bedeutung ist.

„Ich stehe heute hier und bekenne mich zu einer Disziplin, nicht zu einer Entscheidung“, sagte Warsh zum Abschluss.

Die Entscheidung fällt am 16. September bei der nächsten Fed-Sitzung.

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