Die Staatsanwaltschaft Reggio Calabria ermittelt gegen Hacker, die Revolut monatelang über eine italienische PEC-Adresse ausspähten und nun 3 Millionen Dollar Lösegeld fordern.
Die Staatsanwaltschaft von Reggio Calabria ermittelt in einem Fall, der die in London gegründete Bankdienstleisterin Revolut betrifft, die nun offenbar erpresst wird.
Eine Hackergruppe verlangte von der Bank sensible Daten und nutzte dafür eine kompromittierte dienstliche E‑Mail-Adresse der Präfektur von Reggio Calabria.
Die Onlinebank bestätigt, dass Daten von rund 680 europäischen Kundinnen und Kunden betroffen sind. Ihre Guthaben blieben unangetastet.
Nach Angaben der Financial Times, die mit den Cyberkriminellen über Telegram Kontakt hatte, nennt sich die Gruppe „iamnotavillain“. Auf ihrer Webseite veröffentlichte sie am Mittwochnachmittag eine Lösegeldforderung über 3 Millionen Dollar, rund 2,61 Millionen Euro.
Bleibt die Zahlung innerhalb von 24 Stunden aus, drohen die Hacker, die sensiblen Daten an andere kriminelle Organisationen zu verkaufen.
Mit dem Fall befassen sich inzwischen auch die nationale Antimafia- und Antiterror-Behörde, da ein staatliches Organ betroffen ist. Die Cybercrime-Einheit der Polizei spricht von einem sehr ausgeklügelten Angriff, viele Details sind jedoch noch unklar.
Ungewöhnliche Lösegeldforderung
Die Gruppe stellte ihre Forderung im Darknet online. Die Financial Times (Quelle auf Italienisch) weist darauf hin, dass eine öffentliche Lösegeldforderung ungewöhnlich ist. Üblicherweise laufen Erpressungsversuche zunächst vertraulich und werden erst publik, wenn die Betroffenen die Zahlung verweigern.
In diesem Fall erhielt das britische Blatt jedoch eine Nachricht, in der Revolut zur Zahlung von „6.000 XMR / 3.000.000 Dollar … sonst werden alle Daten verkauft und eure Hände sind voller Blut“ aufgefordert wird.
XMR ist das Kürzel für die Kryptowährung Monero, die wegen ihrer schwer nachverfolgbaren Transaktionen häufig in illegalen Zusammenhängen auftaucht.
Die Täter erklärten der Zeitung außerdem, dies sei das erste Mal, dass sie ihre eigene Webseite für eine Lösegeldforderung nutzten. Mit der Bank hätten sie noch gar keinen direkten Kontakt aufgenommen, um über die Zahlung zu verhandeln.
Nachdem sie die Forderung veröffentlicht hatten, schickten die Hacker der Financial Times ein 60‑sekündiges Bildschirmvideo. Darin scrollt ein nicht identifizierter Nutzer durch eine Sammlung von Dokumenten, die offenbar zu Revolut gehören.
Den Unterlagen zufolge umfasst der Datensatz Passnummern, Führerscheindaten, weitere Ausweisdokumente und Fotos. Die Hacker behaupten, insgesamt über 147 Gigabyte Material zu besitzen.
Stand der Ermittlungen
Die Staatsanwaltschaft geht derzeit von dem Straftatbestand der „Eindringung in ein informationstechnisches System von öffentlichem Interesse“ aus. Laut einem ersten Bericht der Cybercrime-Polizei lief der Angriff über mehrere Monate und war sehr raffiniert. Noch ist unklar, ob ein Rechner der Präfektur von Reggio Calabria oder des Innenministeriums in Rom (Viminale) kompromittiert wurde.
Fachleute prüfen außerdem, ob die dienstliche E‑Mail-Adresse, von der die Anfragen ausgingen, gehackt oder gespiegelt wurde.
Neben der nationalen Antimafia- und Antiterror-Staatsanwaltschaft schaltete sich auch die Datenschutzbehörde ein. Sie leitete umgehend eine Prüfung möglicher Sicherheitslücken bei italienischen Banken ein und forderte die Datenschutzbeauftragten zu einer „zügigen Kontrolle“ auf. Werden Schwachstellen entdeckt, sollen sie der Behörde sofort gemeldet werden.
Der italienische Datenschutzbeauftragte nahm zudem Kontakt zu der zuständigen Behörde in Litauen auf, wo sich der rechtliche Sitz von Revolut befindet. Beide Seiten tauschen nun Informationen aus, um ihre Gegenmaßnahmen zu verstärken.
Die Ermittlungen sollen klären, wie genau der Angriff ablief und ob auch weitere öffentliche Stellen kompromittiert wurden.