Neue Einblicke in die römische Vergangenheit des heutigen Bayern: Archäologen haben Überreste eines Tempels aus der Zeit zwischen 80 und 171 nach Christus ausgegraben. Damals huldigten vor allem römische Legionäre dem Sonnengott Mithras.
Bei Ausgrabungen in der Regensburger Altstadt sind Archäologen auf einen dem Gott Mithras geweihten Tempel gestoßen.
Weil das Gebäude ursprünglich aus Holz errichtet war, sind nur wenige bauliche Reste erhalten geblieben. Funde wie ein beschrifteter Votivstein und Fragmente metallener Weihetafeln sprechen jedoch eindeutig für eine kultische Nutzung.
Auf den bis heute geheimnisumwobenen Mithras-Kult deuten insbesondere auch Bruchstücke eines Keramikgefäßes mit Schlangenverzierungen, Räucherkelche und Henkelkrüge hin. Fachleute gehen davon aus, dass rituelle Gelage ein fester Bestandteil der Verehrung Mithras waren.
Münzfunde, darunter Exemplare aus der Regierungszeit Kaiser Hadrians (117–138 n. Chr.), erlauben eine Datierung des Tempels auf die Zeit zwischen 80 und 171 n. Chr. Damit gilt er als das älteste der bislang neun bekannten Mithräen in der römischen Provinz Raetien, dem heutigen Bayern.
Raetien, eine römische Provinz in Mitteleuropa, die etwa vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. bestand, umfasste Teile des heutigen Süddeutschlands, der Schweiz, Österreichs und Norditaliens.
Der Mithras-Kult (Mithraismus) war eine Mysterienreligion. Der Kult war vor allem in Militär- und Handelszentren verbreitet, römische Legionäre gehörten oft zu seinen Anhängern. Zugelassen waren ausschließlich Männer. Eine Gemeinde bestand aus etwa 15 bis 40 Mann.
Im alten Persien hieß Mithras "Mitra" und war ein Gott des Bundes, der Treue und des Rechts. Die Römer machten aus ihm einen Sonnengott. Der römische Mithras-Kult übernahm zwar viele Elemente aus der persischen Mythologie, entwickelte aber auch eigene grundlegende Rituale und Symbole. Das Motiv der "Tauroktonie" (lat.: taurus, der Stier) wurde zentral: Mithras tötet den Stier, als Akt der kosmischen Erneuerung.
Die Römer hatten ein gestuftes Weihegrad-System, überliefert sind sieben Stufen: Corax (Rabe), Nymphus (Bräutigam), Miles (Soldat), Leo (Löwe), Perses (Perser), Heliodromus (Sonnenläufer) und Pater (Vater), wobei jeder Grad eigene Symbole, Rituale und vermutlich auch Prüfungen besaß.
Mit der Christianisierung verschwand der Geheimkult.
Erst jetzt wurde die Bedeutung des Fundes klar
Die Funde waren im Vorfeld eines Bauprojekts gemacht worden: In Städten mit einer langen Geschichte wie Regensburg werden zunächst Archäologen engagiert, bevor Neubauten errichtet werden dürfen. Bereits im Jahr 2023 hatten Fachleute die Entdeckung gemacht, aber erst jetzt, nach eingehenden Untersuchungen, hat sich herausgestellt, welche Bedeutung diese hat.
Wie andere Mithras-Tempel war auch dieser rund sieben Meter lange Holzbau langgestreckt konzipiert und teilweise in den Boden eingetieft. Die Anhänger des Mysterienkults gelangten vermutlich über eine Rampe hinab in das Heiligtum.
In der Mitte befand sich eine grabenartige Vertiefung, während an den Seiten erhöhte Podeste angelegt waren, auf denen die Gläubigen sitzen oder liegen konnten. Mithras-Tempel orientierten sich in ihrer Gestaltung an Höhlen, da eines der zentralen Motive der Mythologie die Tötung eines Stiers durch Mithras in einer Höhle ist, erklärte Stefan Reuter, der die Funde im Nachgang analysierte, dem BR.
Der Tempel wurde einst mit Kerzen und Öllampen erleuchtet. Dass es ausgiebige rituelle Gelage gab, dafür sprechen die gefundenen Keramikgefäße und Henkelkrüge. Die Untersuchungen der gefundenen Essensbehälter laufen derzeit noch. Fest steht offenbar schon, dass hochwertige Speisen konsumiert wurden.
Die Funde aus dem Tempel sollen künftig im Historischen Museum der Stadt Regensburg präsentiert werden, das derzeit seine Römerausstellung neu konzipiert. In der neuen Ausstellung wird das Mithras-Heiligtum eine besondere Rolle einnehmen.