Der Manager der Band, Daniel Lambert, behauptet, Transport for London habe Werbeplakate für das neue Kneecap-Album „Fenian“ untersagt.
Hinweis: Dieser Artikel enthält Ausdrücke, die einige Leserinnen und Leser als anstößig empfinden könnten.
Das irische Hip-Hop-Trio Kneecap ist Skandale gewohnt – das zeigen ihre jüngsten juristischen Probleme. In deren Folge wurde die Anklage gegen Mitglied Mo Chara fallengelassen, und die britische Regierung scheiterte mit ihrer Berufung.
Abseits der Schlagzeilen untermauern sie ihren kämpferischen Eifer mit viel künstlerischer Klasse. Das beweist ihr neues Album „Fenian“.
Doch Transport for London (TfL) lässt sie offenbar nicht zur Ruhe kommen.
Nach Angaben des Bandmanagers mussten die Plakate für „Fenian“ zensiert werden, weil die Behörde, die den Großteil des Nahverkehrs in London verantwortet, sie in der ursprünglichen Form nicht zuließ.
Manager Daniel Lambert erklärte, das Promo-Material habe ursprünglich das Albumcover, den Titel und Zitate aus Rezensionen gezeigt – darunter ein Satz von Großbritanniens Premierminister Keir Starmer, der Kneecap als „vollkommen inakzeptabel“ bezeichnete. All das habe überarbeitet werden müssen.
Lambert erklärte auf X, TfL habe das ursprüngliche Design abgelehnt. Die Band habe überarbeitete Versionen einreichen müssen, in denen sowohl das Wort „Fenian“ als auch der Name Keir Starmer unkenntlich gemacht waren.
TfL übermittelte dem Belfast Telegraph (Quelle auf Englisch) eine Stellungnahme. Darin heißt es, die Behörde habe ausschließlich die bereits zensierte Version erhalten und keinerlei Änderungen verlangt.
„Der geschwärzte Stil des Plakats entspricht der Version, die uns zur Genehmigung vorgelegt wurde. Wir haben vor Beginn der aktuellen Werbekampagne keine Änderungen am Artwork verlangt“, sagte ein TfL-Sprecher dem Blatt.
Lambert beharrt jedoch darauf, dass TfL die unzensierte Fassung zunächst abgelehnt habe.
„Die Firma, über die wir unsere Anzeigen in der Londoner U-Bahn buchen, hat bestätigt, dass unser Original-Artwork von TfL NICHT akzeptiert wurde und ‘FENIAN’ entfernt werden musste“, schrieb er. „Dann haben wir ein geschwärztes Plakat geliefert – die Genehmigung dauerte eine Woche, Fristen waren dahin. Die Verzögerung entstand, weil TfL überhaupt erst entscheiden musste, ob selbst die geschwärzte Version zulässig ist.“
In einem weiteren Beitrag schrieb Lambert: „Die Fakten sind ziemlich klar. Ich habe gesagt, sie hätten die Plakate nur akzeptiert, wenn bestimmte Teile geschwärzt würden. Das ist wahr und korrekt.“
Dem Post fügte er einen Screenshot einer E-Mail mit dem Betreff „KNEECAP Tube Ads“ bei. In der Antwort heißt es: „Ich kann bestätigen, dass TfL das Wort FENIAN leider nicht zulassen wird. Alle Anzeigen müssen vollständig unparteiisch und frei von Unterstützung für irgendeine politische Bewegung sein.“
Trotz aller Kritik der Band an England, Starmer und dem britischen Justizsystem bleibt die Frage: Warum verbietet TfL ausgerechnet dieses Bild?
Ein Grund könnte im Begriff „Fenian“ liegen. Er verweist auf irische Revolutionäre des neunzehnten Jahrhunderts, die gegen die britische Herrschaft kämpften, um eine unabhängige irische Republik zu erringen.
Der Ausdruck diente lange auch als Schimpfwort. Mit dem Album „Fenian“ eignet sich Kneecap den Begriff nun wieder selbstbewusst an.
In den informativen, augenzwinkernden und sprachlich äußerst derben Liner Notes zu „Fenian“ liefern die Musiker eine eigene Definition des Wortes: „Ursprung: Bezeichnung eines antiken irischen Volkes. Historisch: Irisch-republikanische Revolutionäre, die für die Unabhängigkeit Irlands vom Britischen Empire (und der Kirche) kämpften. Modern: Mitglied einer geheimen sozialistischen Gesellschaft geiler Dreckssäcke mit weltweiter Aktivität. Abwertend: Schimpfwort für einen irischen Nationalisten – ‘Du Fenian-Wichser’.“
Das am ersten Mai erschienene Album beschrieb Euronews Culture als „fesselnd“, „unglaublich eingängig“ und als „meisterhaftes Album“.
„Ja, sie rappen über ‘international law they were abusing’. Ja, sie haben die Boulevardpresse auf die Palme gebracht. Und ja, sie haben mit ‘Fenian’ ein meisterhaftes Album vorgelegt, das zeigt, dass sie genau wissen, was sie tun – und dass ihr musikalisches Spektrum mit ihrem Elan Schritt hält.“
Die vollständige Rezension lesen Sie hier.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine Werbekampagne der Band in London scheitert.
Im vergangenen Jahr erklärte das Trio, es sei „banned“ worden, als es ein Plakat in der London Underground bewerben wollte.
TfL stufte das Kneecap-Plakat, das ihr häufig genutztes Logo mit einer Sturmhaube zeigt, als Motiv ein, das „bei vernünftigen Mitgliedern der Öffentlichkeit voraussichtlich weit verbreitete oder erhebliche Anstoß erregen“ würde.
In einem Instagram-Post veröffentlichte die Gruppe ein Foto des beanstandeten Plakats.
„[Es] wurde abgelehnt, weil es ‘voraussichtlich weit verbreitete oder erhebliche Anstoß bei vernünftigen Mitgliedern der Öffentlichkeit erregen würde – sei es wegen des beworbenen Produkts oder der Dienstleistung, des Inhalts oder des Designs der Anzeige oder mittelbar’“, schrieben sie. „See it. Say it. Censored.“
Die Gruppe, seit Langem Unterstützerin Palästinas, vermutete damals, sie werde dafür bestraft, dass sie zum anhaltenden Völkermord in Gaza Stellung beziehe.
„Wer sich gegen Völkermord äußert, erlebt, dass sie jede nur denkbare Masche nutzen, um dich zum Schweigen zu bringen. Tritt der IOF [abwertender Begriff für die Israeli Defence Force] bei, töte Kinder, flieg nach London und nichts passiert – du wirst willkommen geheißen und bejubelt.“
Kneecaps „Fenian“ ist bereits erschienen.