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Hochzeit zu Kana: Street-Art-Künstler JR verwandelt Venice-Venice-Hotel in Sozialprojekt

Kunstinstallation „Il Gesto“ von JR am Venice Venice Hotel
Venedig: JR zeigt Kunstinstallation „Il Gesto“ am Hotel Venice Venice Copyright  Courtesy: JR
Copyright Courtesy: JR
Von Indrabati Lahiri
Zuerst veröffentlicht am
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JRs jüngstes Projekt würdigt echte, vielschichtige Lebensrealitäten der Gegenwart. Zugleich versucht es, neue soziale Verbindungen zu stiften.

Das jüngste Projekt des französischen Street-Art-Künstlers und Fotografen JR ist jetzt im Palazzo Ca’ da Mosto, dem heutigen Venice Venice Hotel, im Rahmen der 61. Internationalen Kunstausstellung der Biennale von Venedig 2026 zu sehen.

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JR ließ sich von Paolo Veroneses Gemälde „Die Hochzeit zu Kana“ aus dem Jahr 1563 inspirieren. Die Fassade des Hotels dient nun als Projektionsfläche für JRs monumentale temporäre Installation „Il Gesto“.

Die Arbeit zeigt JRs typische Handschrift: Er überführt klassische Werke in zeitgenössische Bildwelten.

Il Gesto vereint Fotos und Tonaufnahmen von 176 Menschen aus der Community von Refettorio Paris, einem kulinarischen und kulturellen Projekt gegen Lebensmittelverschwendung. Freiwillige, Köchinnen und Köche sowie Gäste kommen hier zusammen und bilden eine gemeinsame Komposition, die zugleich persönliche Geschichten und Lebenswege würdigt.

Von 1563 in die Gegenwart

Il Gesto knüpft an das Bankett aus „Die Hochzeit zu Kana“ an, in dem Weinin Wasser verwandelt wird, und deutet diese Szene als Bild für eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung neu.

Damit spiegelt die Installation die Arbeit von Refettorio Paris: Überschüssige Lebensmittel werden zu raffinierten Menüs verarbeitet. Gleichzeitig entstehen Begegnungen, Beziehungen wachsen, soziale Teilhabe verbessert sich.

Im Gegensatz zu der sorgfältig arrangierten Fülle auf Veroneses Festtafel zeigt der Tisch in Il Gesto das heutige Leben – real, oft komplex. Er wird so zu einer Metapher für Gleichheit.

Il Gesto, JRs zeitgenössische Interpretation der „Hochzeit zu Kana“, ausgestellt im italienischen Venice Venice Hotel, Mai 2026,
Il Gesto, JRs zeitgenössische Interpretation der „Hochzeit zu Kana“, ausgestellt im italienischen Venice Venice Hotel, Mai 2026, Courtesy of JR

Die Installation fungiert zugleich als lebendiges Archiv. Sie hält Stimmen und Lebenswirklichkeiten von Menschen am Rand der Gesellschaft fest und bewahrt ihre Würde; in jedem Porträt steckt eine Tonaufnahme.

So erhält der Besuch eine zusätzliche Ebene: Die Gäste können gleichzeitig lesen, zuhören und die Arbeit räumlich erkunden.

Über eine digitale Plattform erfahren sie mehr über die Biografien der Beteiligten. JRs Portal (Quelle auf Englisch) gibt zudem Einblicke in den kreativen Prozess.

Im Inneren beginnt die Installation im zweiten Piano Nobile von Ca’ da Mosto, im großen Salon, und setzt sich bis in einen angrenzenden Raum fort. Dort können Besucherinnen und Besucher die Wirkung der großen Kronleuchter, des spiegelnden Tisches und des monumentalen Wandteppichs vollständig aufnehmen.

Der Teppich besteht aus Garnen aus Schurwolle, recyceltem Plastik, Washi-Papier und Bio-Baumwolle. Er verweist auf Venedigs Textilerbe und handwerkliche Traditionen.

Fassade wird zur Bühne

Das Venice Venice Hotel ist ein venezianisch-byzantinischer Palast aus dem 13. Jahrhundert. Innen treffen avantgardistische Interieurs des 20. Jahrhunderts im Stil der „postvenezianità“ aufeinander und formen gemeinsam ein Fünf-Sterne-„Art Hotel“.

Il Gesto spannt sich über die beiden Piani Nobili des Palastes und setzt sich als ausgedehntes lebendiges Kunstwerk fort. Gesten und Gesichter der Porträtierten verschmelzen mit dem alten Stein, tauchen in Fenstern auf und sind vom Canal Grande und den Ufern der Rialto-Brücke aus zu sehen.

Die Außeninstallation besteht aus ultraleichten Paneelen und verwandelt Venedig scheinbar in eine Freilichtbühne. Sie lädt Bewohnerinnen, Bewohner und Gäste der Stadt ein, Teil dieses gemeinsamen Erlebnisses zu werden.

„Indem ich Menschen unterschiedlicher Herkunft in einer einzigen Komposition zusammenbringe, stelle ich Fragen“, erklärt JR. „Welche Vorstellung von Gemeinschaft entwickeln wir heute? Wer ist wirklich sichtbar? Wer darf am Tisch Platz nehmen? Und was bedeutet es in der Tiefe, eine Mahlzeit zu teilen?“

„In dieser Arbeit wird das Festmahl zu einem notwendigen Ort der Begegnung. Schönheit ist dort kein Privileg mehr, sondern eine gemeinsame menschliche Erfahrung.“

Zu JRs bekannten früheren Arbeiten zählen „Portrait d’une Génération“, das Klischees über Jugendliche aus den Pariser Vorstädten hinterfragte, „Kikito“, ein riesiges, neugierig über die Grenzmauer zwischen USA und Mexiko blickendes Kind, sowie die Anamorphose-Installationen der Louvre-Pyramiden-Projekte.

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