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Pint oder Pichet? In Frankreich überholt Bier erstmals Wein

Frankreich: Bierverkauf überholt erstmals Wein
Frankreich: Bierkonsum überholt erstmals Wein Copyright  Canva
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Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen greifen die Menschen in Frankreich lieber zu Bier als zu Wein. Oh. Mon. Dieu.

Repas sans vin, repas chagrin, wie man in Frankreich sagt.

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Übersetzt heißt das: Ein Essen ohne Wein ist ein trauriges Mahl.

Manche Klischees fallen nicht vom Himmel. Wein gehört in Frankreich zur nationalen Identität – genauso wie ein gutes Baguette, übermäßige Käsemengen und die Überzeugung, dass Knoblauch und Butter die Grundlage der meisten Gerichte bilden.

Ach ja, und reine, ungefilterte Wut auf die Macherinnen und Macher von Emily in Paris.

Doch der erste Teil dieses Spruchs stimmt nicht mehr so ganz ...

Zum ersten Mal überhaupt greifen die Menschen in Frankreich häufiger zu Bier als zu Wein. Damit gerät die alte Vorstellung ins Wanken, Bier sei das Lieblingsgetränk der Deutschen, der Belgier und ze rosbifs, also der Briten.

Tatsächlich haben die Französinnen und Franzosen nach neuen Zahlen der Organisation Internationale de la Vigne et du Vin (OIV (Quelle auf Englisch) – der Internationalen Organisation für Rebe und Wein) im vergangenen Jahr 22 Millionen Hektoliter Wein getrunken. Die Brauereivereinigung Brasseurs de France meldet für Bier einen Verbrauch von 22,1 Millionen Hektolitern im Jahr 2025. Damit ist ein historischer Moment erreicht.

Noch bemerkenswerter: Der Weinkonsum in Frankreich ist auf den niedrigsten Stand seit 1957 gefallen.

Für alle, die auf weniger Alkoholkonsum hoffen, ist das eine gute Nachricht. Für jene aber, die Louis Pasteur zustimmen – „In einer Flasche Wein steckt mehr Philosophie als in allen Büchern dieser Welt“ –, wirkt es wie eine schlechte Entwicklung.

Woran liegt das?

Die stetig wachsende französische Bierszene? Oui.

Menschen, die weniger Alkohol trinken, obwohl Studien nahelegen, dass Weintrinkerinnen und Weintrinker ein geringeres Herzrisiko haben als andere Alkoholkonsumentinnen und -konsumenten? En effet.

Der kulturelle Wandel, der eine Lehrkraft von Sciences Po dazu bringt, in Les Echos zu sagen: „Wein und seine 75-cl-Flasche sind noch immer mit einem Essen am Tisch verbunden, aber die Menschen essen seltener gemeinsam am Tisch“? Certainement.

Die meisten Biere haben zudem einen geringeren Alkoholgehalt. Und nach Angaben der Brasseurs de France verbinden viele Menschen sie stärker mit „geselligen Momenten“ wie Sportübertragungen.

Deutlich weniger erfreulich sind die wirtschaftlichen Gründe dafür, dass Bier den Wein überholt. La bière ist in der Regel günstiger, und die anhaltende Lebenshaltungskostenkrise verändert die Trinkgewohnheiten – besonders bei jungen Leuten.

Die OIV verweist außerdem darauf, dass US-Zölle den globalen Weinhandel zusätzlich unter Druck setzen.

„In den Daten für 2025 sehen wir eine Branche, die unmittelbar auf die Auswirkungen der US-Zollpolitik reagiert und sich zugleich an langfristige Veränderungen durch Klima und Konsumverhalten anpasst“, sagte OIV-Generaldirektor John Barker.

Frankreich blieb im vergangenen Jahr dennoch der größte Weinkonsument Europas. Das dürfte einige beruhigen. Wer demnächst nach Frankreich reist, muss jedenfalls keine Sorge haben, als unfein zu gelten, wenn er statt eines Pichets einen Pint Bier bestellt.

Les temps changent ...

Hinweis: Bitte verantwortungsvoll trinken.

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