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Schluck ohne Schwips: Warum alkoholfreier Wein plötzlich boomt

Ein Besucher probiert alkoholfreien Wein auf der Messe Wine Paris 2026 auf dem Messegelände Porte de Versailles in Paris, Frankreich, Dienstag, 10. Februar 2026
Ein Besucher probiert alkoholfreien Wein auf der Messe Wine Paris 2026 auf dem Messegelände Porte de Versailles in Paris, Frankreich, Dienstag, 10. Februar 2026 Copyright  AP Photo/Aurelien Morissard
Copyright AP Photo/Aurelien Morissard
Von Tokunbo Salako mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Alkoholfreier Wein war lange eine Nische – jetzt erobert er die Messebühnen. Auf der "Wine Paris" zeigt sich, wie stark der Markt wächst und warum sich die Branche neu erfinden muss.

Noch vor ein paar Jahren musste man fast flüstern, wenn man alkoholfreien Wein bestellen wollte. Heute ist das vorbei: Die Branche stellt sich um, weil immer mehr Verbraucher nach Alternativen zu Alkohol suchen.

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Auf der Messe Wine Paris standen in dieser Woche Dutzende Flaschen alkoholfreier Rot-, Weiß- und Roséweine sowie Schaumweine gut gekühlt bereit. Der schnell wachsende Sektor alkoholfreier und alkoholreduzierter Weine, früher eher in eine Ecke verbannt, bekommt inzwischen eine prominente Bühne. Produzenten aus ganz Europa und darüber hinaus präsentierten ihre neuesten Produkte. Die Auswahl ist deutlich größer geworden – und geschmacklich vielfältiger.

Branchenvertreter sagen, die Nachfrage steige, weil Konsumenten gesundheitsbewusster sind und die negativen Folgen von Alkohol stärker wahrnehmen.

Vom "Orangensaft-Moment" zur echten Alternative

Katja Bernegger, Gründerin und Geschäftsführerin des österreichischen Unternehmens Zeronimo Wine, beschreibt das Problem so: "Wenn du in der Gesellschaft bist und keine Möglichkeit hast zu trinken, aus welchem Grund auch immer, dann stehst du im Moment mit deinem Orangensaft oder deiner Cola da. Da bist du raus."

Katja Bernegger, Gründerin von Zeronimo, auf der Messe Wine Paris 2026 auf dem Messegelände Porte de Versailles, Februar 2026
Katja Bernegger, Gründerin von Zeronimo, auf der Messe Wine Paris 2026 auf dem Messegelände Porte de Versailles, Februar 2026 AP Photo/Aurelien Morissard

Wer nichts trinke, müsse sich oft erklären, sagt Bernegger. Außerdem seien Softdrinks kaum als Begleitung zum Essen geeignet. "Man muss erklären, warum man nicht trinkt. Damit will man nicht jubeln. Es ist auch keine Essenskombination. Es funktioniert nicht. Es ist zu süß." Ihr Fazit: "Man hat also nur die Hälfte des Spaßes im Leben. Und das ist der Grund, warum wir ein paar raffinierte alkoholfreie Optionen brauchen."

In Frankreich – wie in vielen anderen europäischen Ländern – ist der Konsum von Wein und Spirituosen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Viele Erwachsene trinken nicht mehr zu den meisten Mahlzeiten Wein. Und jüngere Generationen trinken im Vergleich zu ihren Eltern weniger oder gar keinen Alkohol.

Alkoholfreie Weine werden auf der Messe Wine Paris 2026 im Messezentrum Porte de Versailles am 10. Februar 2026 vorgestellt.
Alkoholfreie Weine werden auf der Messe Wine Paris 2026 auf dem Messegelände Porte de Versailles am 10. Februar 2026 vorgestellt. AP Photo/Aurelien Morissard

"Es ist ein wachsender Markt, und ich würde sagen, es ist kein Trend. Er wird bleiben", sagt Bernegger. Der Grund: Viele Menschen achteten stärker auf ihren Körper und auf die Folgen von Alkohol. "Wenn du heute trinkst, hast du morgen wahrscheinlich Kopfschmerzen, und das wollen sie nicht." Der Alltag lasse wenig Spielraum: "Du musst funktionieren, du hast Kinder, du hast einen Job. Ja, wir sind eine Leistungsgesellschaft, deshalb wird Achtsamkeit immer mehr zu einem Thema."

Streit um den Geschmack – und doch eine Chance

Doch nicht alle sind überzeugt, dass weniger Alkohol automatisch besser ist. Manche Weinhändler sagen, alkoholfreie Varianten nähmen dem Produkt ein wesentliches Element: den Geschmack.

"Es ist oft eine etwas frustrierende Erfahrung, weil man das Gefühl hat, dass es einem an Geschmack, Aroma und Struktur fehlt", sagt der Luxemburger Weinhändler Guy Tabourin. "Der Alkohol in einem Wein ist der Träger des Weins. Wenn man das wegnimmt, was den Wein trägt, tötet man im Grunde den Wein."

Trotzdem sehen Händler eine klare Chance – vor allem für Menschen, die in Gesellschaft dazugehören wollen, ohne zu trinken. Justine Bobin, Inhaberin eines Feinkostladens, sagt: "Die Leute sind überzeugt, dass man in Frankreich keinen Spaß haben kann, wenn man keinen Alkohol trinkt." Sie hält dagegen: "Der Beweis ist, dass es uns gut geht und wir auch ohne einen Tropfen Alkohol bei Laune bleiben." Alkoholfreier Wein biete eine Alternative für alle, sagt sie, und könne Menschen zusammenbringen. "Ich denke, es ist eher ein Produkt zur Integration von Menschen, die keinen Alkohol trinken, und das ist großartig."

Slogans wie "No Alcohol, No Regrets" machen die Botschaft der Messe deutlich: Alkoholfreier Wein entwickelt sich von einer Nischenkuriosität zum Mainstream-Produkt.

Cutter • Yolaine De Kerchove Dexaerde

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