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Schottland drängt USA: Haggis soll vor der WM wieder legal werden

Vor WM: Schottland fordert USA auf, Haggis wieder zu legalisieren
Schottland wirbt in den USA: Vor der WM soll Haggis wieder erlaubt werden Copyright  Canva
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Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Seit den siebziger Jahren ist Schottlands Nationalgericht Haggis in den USA verboten. Nun proben Metzger den tartanfarbenen Aufstand: Ohne Haggis, klagen sie, könne Schottland im Wettbewerb kaum gewinnen.

Einer der bekanntesten Metzger Schottlands startet eine Kampagne. Die USA sollen Haggis rechtzeitig vor der Weltmeisterschaft wieder zulassen.

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Hinter der Petition steht der in Perthshire ansässige Betrieb Simon Howie Butchers. Die Forderung: „Make Haggis Legal Again“. Oder kurz: „MHLA“ – für amerikanische Leser, die ein griffiges Vier-Buchstaben-Kürzel für ihre Cap brauchen.

Zuerst das Wichtigste. Wer das Vergnügen noch nicht hatte: Haggis ist eine herzhafte schottische Spezialität aus Schafsinnereien – Herz, Leber, Lunge – fein gehackt mit Zwiebeln, Hafer, Gewürzen und traditionell in den Magen des Tiers gefüllt und darin serviert.

Ja, das klingt nach einer Menge, die jeder Verdauung einiges abverlangt. Das „Larousse Gastronomique“ schrieb schon zweitausendeins, die Beschreibung sei „nicht auf den ersten Blick verlockend“.

Aber glauben Sie uns: Es schmeckt wirklich hervorragend.

Haggis-Genuss
Haggis-Genuss Canva

Warum ist Haggis dann in den USA verboten – wo doch das fast radioaktiv leuchtende Getränk Mountain Dew (übersetzt: neonfarbener Diabetes aus der Flasche) völlig in Ordnung geht?

Das Verbot gilt seit neunzehnhundertneunundsiebzig. Grundlage sind bundesweite Lebensmittelvorschriften für den Verzehr von Innereien, genauer von Schafslunge. Sie macht in traditionellen Rezepten bis zu 15 Prozent des Haggis aus. Deshalb dürfen schottische Produzenten ihr Haggis nicht in die USA exportieren; die Vorschriften des US-Landwirtschaftsministeriums verbieten es bis heute.

Das könnte sich nun ändern. Schottland fährt in diesem Sommer zum ersten Mal seit 1998 wieder zu einer WM – nach sechs erfolglosen Qualifikationsrunden.

Die Kampagne von Simon Howie Butchers wird vom schottischen Moderator und Journalisten Gordon Smart angeführt. Fußballfans, die in die USA reisen, bekommen Fähnchen mit der Aufschrift „no haggis, no party“ in die Hand gedrückt.

In einem neuen Instagram-Post schreibt Simon Howie Butcher: „Zum ersten Mal seit einer Generation zieht die Tartan Army auf die Weltbühne. Doch es gibt ein Problem, ein großes: Unser Nationalgericht Haggis ist in den USA verboten – ausgerechnet dann, wenn es am wichtigsten wäre.“

„Hier wird nicht nur Tradition missachtet, hier sind die Vorschriften völlig aus dem Ruder gelaufen. Doch Simon Howie bietet dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine echte Möglichkeit: Sie führen den Vorstoß an, Haggis wieder zu legalisieren.“

In einer weiteren Erklärung sagte Simon Howie: „Angesichts der Herzlichkeit und der langen Verbundenheit zwischen Amerikanern und Schotten appellieren wir an die USA, diese köstliche Spezialität anzunehmen und ‚Haggis wieder legal zu machen‘.“

Ob Sie sich über die astronomischen Ticketpreise der Weltmeisterschaft ärgern, die das Turnier wie ein elitär-groteskes Spektakel wirken lassen. Ob Sie der Meinung sind, dass die angebliche politische Neutralität der FIFA durch Präsident Gianni Infantino und seine Unterwürfigkeit gegenüber Donald Trump, dem ersten Friedenspreisträger der FIFA, längst Makulatur ist. Ob Sie sich der iranischen Verbandsführung anschließen, die erklärt hat, man könne sich „nicht mit Hoffnung auf die Weltmeisterschaft freuen“ und die alarmiert bleibt, weil mehr als 120 Organisationen gemeinsam eine „Reisewarnung“ (Quelle auf Englisch) veröffentlicht haben, ausgelöst durch das, was sie als „gewaltsame und missbräuchliche Einwanderungspolitik der Trump-Regierung“ bezeichnen: Hier kommt noch ein weiterer Aufreger dazu.

Ein Nationalgericht ist seit viel zu langer Zeit verboten, und die Amerikaner verpassen einen leckeren Exportschlager. Mehr noch: Schottlands Rückkehr zur Weltmeisterschaft verdient es, mitsamt seinen Traditionen gefeiert zu werden.

Oder, um unsere amerikanischen Cousins noch einmal mit einem Zitat des schottisch-amerikanischen Komikers Craig Ferguson zu überzeugen: Haggis ist im Grunde nur ein Hotdog mit einem schlechten PR-Agenten.

Na also. Klingt doch gar nicht mehr so schlimm, oder?

Ob die Amerikaner Magen und Mut dafür haben, wird sich zeigen.

Die Weltmeisterschaft beginnt am elften Juni und dauert bis zum neunzehnten Juli. Das Turnier findet in den USA, in Kanada und in Mexiko statt.

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