Der vom Kreml unterstützte Musiker Jaroslaw Dronow, bekannt als Shaman, setzt in seinem neuen Musikvideo „Mother Russia“ („Rossiya – Mama“) massiv auf KI-Deepfakes, was heftige Debatten auslöst.
Viele Länder versuchen derzeit, den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Kunst zu regulieren, um die Integrität von Künstlerinnen und Künstlern, ihr geistiges Eigentum und sogar ihre Stimmen zu schützen. Ein russischer Künstler geht jedoch einen anderen Weg.
Jaroslaw Dronow, 34, ist ein Sänger, der zuvor in den russischen Ausgaben von „The X Factor“ und „The Voice“ auftrat. Unter dem Künstlernamen Shaman ist er dafür bekannt, die russische Invasion in die Ukraine offen zu unterstützen. Außerdem tritt er regelmäßig bei Veranstaltungen auf, die die derzeitige Regierung organisiert.
Shaman nahm auch an Intervision 2025 teil, der von Wladimir Putin angeordneten Eurovision-Alternative, die „Respekt für traditionelle universelle, spirituelle und familiäre Werte“ propagiert. 2025 trat er sogar in Pjöngjang in Nordkorea auf.
Die Europäische Union, Kanada und Australien führen Shaman auf ihren Sanktionslisten. In der Folge wurden 2024 seine offiziellen Vertriebskanäle im Westen, darunter Spotify und YouTube, geschlossen.
In seinem jüngsten Musikvideo zum Lied „Mother Russia“ („Rossija – Mama“) entwickelt Shaman fotografische Porträts russischer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die das Land nach der russischen Invasion in die Ukraine verlassen haben.
Das Video zeigt nicht jede Person, die die russischen Behörden als „ausländischen Agenten“ eingestuft haben. Zu sehen sind jedoch unter anderem der Komiker Maxim Galkin, die Rapper Noize MC und Morgenshtern, der Journalist und Blogger Juri Dud, die Unternehmer Oleg Tinkow und Michail Chodorkowski sowie die Politologin Jekaterina Schulman.
An einer Stelle im Video pinnt Shaman die Fotos dieser Personen an eine Tafel. Ihre mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugten Deepfakes beginnen daraufhin gemeinsam wie ein Chor zu singen. Ein Hinweis im Video macht deutlich, dass KI-generierte Inhalte verwendet wurden.
Auf der Plattform VK, dem größten sozialen Netzwerk Russlands, schrieb der Sänger, dass „sie [‚ausländische Agenten‘] für Geld gegen Russland auftreten, in meinem Musikvideo aber kostenlos für Russland singen“.
Die Reaktionen der im Video gezeigten Personen fallen unterschiedlich aus.
Einige ärgern sich darüber, dass alte Fotos von ihnen verwendet wurden. Andere sagen, für sie sei es gute Werbung.
Noch weiter ging der Blogger Ilja Warlamow. Er behauptete, der Sänger sei „einer von ihnen“ und Shaman unterstütze offen die Rechte der LGBTQIA+-Community. Außerdem meinte er, der Sänger habe damit faktisch ermöglicht, dass die „ausländischen Agenten“ wieder im russischen Fernsehen auftauchen.
Eine auffällige Auslassung im Video ist die Sängerin Monetotschka, mit bürgerlichem Namen Jelisaweta Gyrdymowa. Sie zeigte sich später enttäuscht darüber, nicht berücksichtigt worden zu sein.
Monetotschka, die derzeit in Litauen lebt, steht auf der Liste der „ausländischen Agenten“ des russischen Justizministeriums. 2024 eröffnete Russland ein Strafverfahren gegen sie, weil sie angeblich „den Pflichten eines ausländischen Agenten“ nicht nachkomme.
Schamans Musikvideo hat im Netz eine neue Debatte darüber entfacht, wie legal der Einsatz von KI-generierten Deepfakes ist und ob öffentliche Personen wegen der unerlaubten Nutzung ihrer Bilder klagen können. Viele Rechtsexperten betonen, dass nach russischem Recht grundsätzlich Klagen möglich wären, falls die Betroffenen diesen Schritt gehen.
Andere Kommentatoren bezweifeln jedoch, dass solche Klagen Aussicht auf Erfolg hätten. Sie verweisen auf Schamans enge Verbindung zur russischen Regierung.
Shaman erklärte dazu, er habe „kein Recht, diesen Verrat zu verschweigen“ und werde „von der Wahrheit erleuchtet sein wie ein Kreml-Stern“.
Bis Redaktionsschluss lag keine offizielle Klage vor.