Solarmodule, die als antike römische Dachziegel getarnt sind oder sich harmonisch in historische Skylines einfügen. Pompeji und Évora beweisen, dass Denkmalschutz und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können.
Jedes Jahr besuchen Millionen Touristen aus aller Welt Pompeji. Sie bewundern die Fresken und archäologischen Ruinen, doch nur wenige von ihnen werden jemals die Solarmodule bemerken, die auf dem Dach der antiken römischen Villa der Mysterien installiert sind.
„Von vorne sieht es genauso aus wie eine antike römische Dachziegel. Aber wenn wir von hinten draufgucken, sehen wir, dass es sich tatsächlich um ein kleines Photovoltaikmodul handelt“, erklärt Gabriel Zuchtriegel, Direktor des Archäologischen Parks von Pompeji.
„Es erzeugt Strom zur Beleuchtung dieser Villa, und ein großer Teil der hier benötigten Energie stammt direkt von der Dachanlage."
Während Pompeji erwägt, diese Lösung auf andere Bereiche des archäologischen Parks auszuweiten, die weit vom Stromnetz entfernt sind, hat auch die Stadt Évora in Portugal ähnliche Technologien eingeführt, um die optischen Beeinträchtigungen durch herkömmliche Solarmodule zu vermeiden. Auf dem Dach des Rathauses sind einige Dachziegel etwas heller.
„Das sind keine normalen Dachschindeln“, sagt Humberto Queiroz, Projektleiter im EDP-Forschungs- und Entwicklungszentrum. „Sie bestehen aus einem halbtransparenten Epoxidmaterial, in dessen Mitte Solarzellen eingebettet sind, die Strom für den Eigenverbrauch dieses Gebäudes erzeugen.“
Die Fläche umfasst rund 20 kWp (Kilowattpeak) an PV-Dachziegel, die so konzipiert sind, dass sie sich in die Landschaftsarchitektur des Gebäudes einfügen und das kulturelle Erbe von Évora schützen.
Seit 1986 gehört die Altstadt von Évora zum UNESCO-Weltkulturerbe. PV-Dachziegel gehören zu den Lösungen, mit denen das europäische Projekt POCITYF der Stadt hilft, Denkmalschutz und die modernen Herausforderungen der Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.
„Évora ist eine Weltkulturerbestadt und hat, wie die meisten historischen Städte in Europa, die Verantwortung, ihre Altstadt zu erhalten und ihr kulturelles Erbe zu bewahren“, erklärt Nuno Bilo, EU-Projektkoordinator bei der Stadtverwaltung von Évora.
„Sie darf jedoch nicht in der Zeit stehen bleiben. Wir müssen auch vorankommen und Lösungen finden, die es historischen Städten – und in diesem Fall Évora – ermöglichen, eine der größten Herausforderungen unserer Zeit anzugehen: die Dekarbonisierung.“
„Wenn es hier funktioniert, funktioniert es überall“
Zu den Lösungen, die das möglich zu machen können, gehört eine von einem kleinen Familienunternehmen mit Sitz im Nordosten Italiens. Matteo Quagliato, der bei Dyaqua arbeitet, erklärt den Prozess.
„Die Fliese besteht aus einer Harzmischung, die die erste Schicht bildet. Dann nehmen wir die Photovoltaikzellen, die bereits zuvor verlötet wurden, und legen sie hinein. Danach wird eine zweite Schicht aus einer speziell formulierten Mischung aufgetragen. Der letzte Schritt besteht darin, die Form abzusenken und das fertige Produkt zu entnehmen: eine Harzfliese, die die Photovoltaikzellen enthält.“
Produkte wie diese und die verschiedenen Technologien, die in Pompeji zum Einsatz kommen, senden eine ermutigende Botschaft an den Rest der Welt.
„Die Erkenntnis aus Pompeji lautet: Wenn diese Technologie hier funktioniert – an einem Ort, der so sensibel, so streng überwacht, so empfindlich und so weitläufig ist –, dann kann sie überall funktionieren“, sagt Gabriel Zuchtriegel.
Glasdächer mit integrierten Photovoltaikmodulen und Solarüberdachungen, die in den Innenhöfen von Schulen im historischen Zentrum installiert wurden, gehören zu den weiteren Lösungen, die derzeit in Évora getestet werden. Gemeinsam mit Alkmaar in den Niederlanden prüft die portugiesische Stadt diese Innovationen im Rahmen des POCITYF-Projekts, um ihr Potenzial für eine europaweite Umsetzung zu bewerten.