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National Portrait Gallery nimmt Kunstwerk nach Streit um Churchill-Erbe ab

Das Werk von Helen Cammock kritisiert Winston Churchills Rolle an der Hungersnot in Bengalen 1943.
Helen Cammocks Werk kritisiert Winston Churchills Rolle bei der Hungersnot in Bengalen 1943. Copyright  AP Photo
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Von Sarah Miansoni
Zuerst veröffentlicht am
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Ein Museum in London sorgt für Kritik: Eine Video-Installation macht Winston Churchill für eine Hungersnot in der Kolonialzeit in Indien verantwortlich.

Die National Portrait Gallery (NPG) in London hat eine Videoinstallation der britischen Künstlerin Helen Cammock abgenommen, nachdem ein Streit über die Darstellung von Winston Churchills Rolle bei der Hungersnot in Bengalen 1943 entbrannt war.

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Die Galerie hatte das Werk mit dem Titel „Persistence“ in Auftrag gegeben. Es gehört zu einem Projekt mit neun Künstlerinnen und Künstlern, die das Porträtgenre auf reflektierende Weise neu betrachten. Cammocks Arbeit war seit September 2025 im Museum zu sehen und sollte ursprünglich bis August 2026 bleiben.

Das Museum erklärte, das Projekt stelle die Position der National Portrait Gallery infrage, die vor allem für die Darstellung und Würdigung prominenter Porträtierte bekannt ist.

In dem 40-minütigen, von ihr selbst gesprochenen Film erinnert Cammock an die Feldzüge des englischen Staatsmanns Oliver Cromwell im 17. Jahrhundert in Irland. Sie vergleicht ihn mit Winston Churchill. Cromwell, sagt sie, habe „Menschen massenhaft verhungern lassen, ähnlich wie die absichtliche Aushungerung der indischen Bevölkerung durch Winston Churchill“.

Die konservative Zeitung The Telegraph bezeichnete diese Passage – die einzige Stelle im gesamten Video, an der Churchill vorkommt – in einem Artikel vom 14. Juni als falsch.

Die Kontroverse spitzte sich zu, als der Historiker Andrew Roberts in einem offenen Brief an die NPG forderte, das Werk zu entfernen. Den Brief unterschrieben 50 amtierende und ehemalige Mitglieder des House of Lords, darunter Churchills Enkel Nicholas Soames.

In dem Schreiben heißt es, die Darstellung des berühmten britischen Premierministers sei eine „ideologisch motivierte Tirade“.

Weiter steht dort: „Der Vorwurf, die Hungersnot sei den Bengalen absichtlich von Churchill auferlegt worden, ist infam und widerwärtig. Er ist zudem historisch absurd.“

Roberts, Biograf Churchills, erklärte, die Hungersnot in Bengalen 1943 sei vor allem durch einen Taifun ausgelöst worden. Die Regierung Churchill habe Maßnahmen ergriffen, um Getreide zu schicken, sobald sie von der Lage erfahren habe.

Churchills Rolle in der Tragödie, der Schätzungen zufolge rund drei Millionen Menschen in Indien zum Opfer fielen, ist jedoch bis heute umstritten.

Im Jahr 1981 argumentierte der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Ökonom Amartya Sen, die Hungersnot sei nicht durch Nahrungsmangel entstanden. Ausschlaggebend seien vielmehr stark steigende Preise gewesen, angetrieben durch Großbritanniens Kriegsausgaben und verschärft durch Ungleichheiten und politische Fehlentscheidungen.

Die National Portrait Gallery erklärte zunächst, Cammocks Werk spiegele „ihre persönlichen Reflexionen über historische und aktuelle Ereignisse“ wider.

„Wir unterstützen die Freiheit künstlerischer Ausdrucksformen, auch wenn wir nicht zwingend die in der Galerie vertretenen Ansichten der Künstlerinnen und Künstler teilen“, hieß es weiter.

Schließlich entschied sich die mit dem Turner-Preis ausgezeichnete Künstlerin jedoch, ihre Videoinstallation abzuziehen. „Wir respektieren ihre Entscheidung“, teilte die Galerie mit. „So wie wir auch die Meinungen derjenigen zur Kenntnis nehmen, die sich durch Äußerungen in dem Film verletzt fühlten.“

„Auf Künstlerinnen, Künstler und Kulturinstitutionen lastet ein enormer Druck, sich äußeren Forderungen zu beugen; im besten Fall harmlos zu sein und im schlimmsten Fall zu schweigen“, erklärte Cammock in einer Stellungnahme.

„Ich akzeptiere diesen Druck nicht. Fragen zu stellen, zu widersprechen und Ideen sowie Geschichten zu erkunden, ist für eine gesunde Gesellschaft unerlässlich – und Kunst ist dafür unverzichtbar.“

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