In den nächsten zwölf bis 18 Monaten restaurieren Fachleute 20 ornamentale Fresken aus dem Zweiten Kaiserreich. Außerdem erneuern sie die Ränge, die polychrome Deckenbespannung und setzen Glasfenster wieder ein.
Fast 200 Jahre nach seiner Eröffnung im Jahr 1852 beginnt der Pariser Traditionssaal Cirque d’Hiver mit einer umfassenden Renovierung. Ziel ist es, seinen ursprünglichen Glanz zurückzugewinnen.
Den Auftakt bilden rund 20 dekorative Fresken aus der Zeit des Zweiten Kaiserreichs, die über den Rängen angebracht sind. Sie erzählen gewissermaßen die Geschichte der Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Reitsport galt lange als Lieblingsspektakel der Pariser.
„Wir gehen schrittweise vor: Wir nehmen alles ab, wir untersuchen den Ort, wir führen eine Art Bewertung durch – sowohl des Sicherheitszustands als auch des Gesamtzustands: Ist etwas beschädigt, stark beschädigt, restaurierbar oder nicht mehr zu retten“, erklärt Stéphane Millet, Architekt und Ingenieur, der die Renovierung des Cirque d’Hiver leitet.
Größtmögliche Vorsicht
„Das Wichtigste, das Schwierigste, ist das Abnehmen der Bilder. Warum? Weil die Leinwand eine gewisse Steifigkeit bekommen hat“, führt er aus. „Sie weist erhebliche Verformungen auf. Direkt darüber, wie ich sagte, liegen die Fenster. Dort kam es zu Ablaufspuren und unkontrollierter Kondensation, das Wasser ist heruntergelaufen und hat das Werk beschädigt.“
Gemeinsam mit seinem Team bringt er einen Schutzfilm auf die Fresken auf, der die Leinwände wieder geschmeidiger machen soll. Nach Angaben des Architekten lässt sich dieser Film leicht entfernen und ist für die Werke ungefährlich. So können die Fresken als Ganzes entlang der Ränge abgenommen werden.
„Und anschließend bringen wir sie natürlich in Restaurierungswerkstätten, in denen wir den Schutzfilm entfernen und mit einer Restaurierung beginnen, die äußerst komplex ist. Denn wir entdecken dort zum Beispiel, dass bereits Überarbeitungen vorgenommen wurden“, erläutert Stéphane Millet.
Umfassende Restaurierung
Die Restaurierung ist auf zwölf bis 18 Monate angelegt. Danach werde das Bild dem Original zu nahezu 100 % entsprechen, versichert der Architekt.
Danach folgen die Erneuerung der Ränge und die Wiedereinsetzung von Buntglasfenstern in den Öffnungen über den Fresken, um den „ursprünglichen Glanz“ zurückzubringen. Auch die polychrome Leinwanddecke wird restauriert, damit sie ihr früheres Aussehen wieder erhält. Diese Arbeiten werden sich allerdings über sechs bis sieben Jahre hinziehen und jeweils im Sommer stattfinden, um den Spielbetrieb des Cirque nicht zu stören.
Die Kosten werden auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Initiiert hat die Arbeiten die Familie Bouglione, die den Cirque d’Hiver seit fast 100 Jahren besitzt. Unterstützung kommt von der regionalen Kulturbehörde und von der Region Île-de-France.