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Hollywoods Odyssee-Fieber lenkt Blick auf Türkei: schrieb Homer in Höhle bei Izmir?

Homer-Tal
Homer-Tal Copyright  Wikimedia Commons / Wikipedia
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Von Burcu Basaran
Zuerst veröffentlicht am
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Christopher Nolans Film „The Odyssey“ entfacht erneut die Debatte um Homers Herkunft und lenkt den Blick auf Izmir. Archäologin Prof. Aylin Ümit Erdem erläutert, welche Spuren dorthin weisen – und warum der endgültige Beweis noch fehlt.

An den olivenbestandenen Hängen vor den Toren von İzmir liegt eine feuchte Höhle im Bornova-Tal, die in den Erzählungen der Bewohner seit langem als heiliger Ort gilt.

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Seit Generationen hält sich der Glaube, dass genau in dieser Grotte der Dichter Homer „Die Odyssee“ verfasst hat.

Christopher Nolans Verfilmung The Odyssey zählt zu den größten Erfolgen dieses Jahres – beim Feuilleton ebenso wie an den Kinokassen weltweit. Die Begeisterung entfacht eine alte literarische Debatte neu: Wo ist dieser Grundtext der Weltliteratur tatsächlich entstanden?

Für die türkische Archäologin Prof. Aylin Ümit Erdem von der Ege-Universität ist dieser Kinohype eine Chance: Sie will die historischen, sprachlichen und archäologischen Spuren zwischen Homer und dem antiken Smyrna, dem heutigen İzmir, neu bewerten.

„Wenn wir Homer betrachten, sprechen wir über den allgemein anerkannten Autor der ‚Ilias‘ und der ‚Odyssee‘“, sagte Prof. Erdem im exklusiven Gespräch mit Euronews. „Seit langem diskutieren Forschende, wie ein Dichter des achten Jahrhunderts v. Chr. den Trojanischen Krieg – ein Ereignis, das 400 Jahre früher stattfand – so plastisch und mit solcher Tragik schildern konnte. Manche verweisen auf eine 400-jährige ununterbrochene mündliche Überlieferung, andere sehen in den Epen eine Sammlung von Geschichten verschiedener Sänger.“

Unabhängig von der Autorschaft betont Prof. Erdem, dass die antiken Quellen mit großer Mehrheit auf İzmir verweisen.

„Vom Historiker Herodot aus dem fünften Jahrhundert v. Chr. bis zum Geografen Strabon im ersten Jahrhundert v. Chr. erklärten antike Autoren ausdrücklich, Homer stamme aus Smyrna. Andere Orte wie Chios oder Kyme kamen zwar ins Spiel, doch Smyrna gilt seit der Antike als einer der stärksten Kandidaten.“

Smyrna-Verbindung: Sprache und Stadtbild als Indizien

Nach Angaben von Prof. Erdem liegen die wichtigsten wissenschaftlichen Argumente für eine Verbindung Homers mit İzmir in der Sprache der Texte und in der Stadtstruktur des achten Jahrhunderts v. Chr.

„Die Epen sind überwiegend im ionischen Dialekt verfasst, enthalten aber viel äolisches Vokabular und archaische griechische Begriffe“, sagte Prof. Erdem Euronews. „Geografisch lag das Smyrna des achten Jahrhunderts v. Chr. – am heutigen Bayraklı Höyük – genau an der Grenze zwischen dem äolischen Norden und dem ionischen Süden. Bayraklı wurde zunächst als äolische Siedlung gegründet und trat später dem Ionischen Bund bei. Ein Sänger, der hier schuf, würde ganz selbstverständlich diesen besonderen Doppel-Dialekt verwenden.“

Außerdem weist Erdem darauf hin, dass Bayraklı Höyük im achten Jahrhundert v. Chr. das einzige befestigte, aktiv genutzte Stadtzentrum im Becken von İzmir war. Wer Homer dort verortet, bewegt sich also in dem wichtigsten historischen Lebensraum der Region.

Populären Behauptungen, es gebe direkte Spuren, begegnet Prof. Erdem jedoch mit großer wissenschaftlicher Vorsicht. Sie zieht eine klare Trennlinie zwischen der Verehrung in späterer Antike und harten Belegen aus dem achten Jahrhundert v. Chr.

„Eines muss klar sein: Wir haben bislang keinen unmittelbaren, greifbaren archäologischen Beweis, dass Homer in Smyrna lebte oder schrieb“, betonte Prof. Erdem gegenüber Euronews. „Direkte Funde aus dem achten Jahrhundert v. Chr. mit Homers Namen wurden in Bayraklı nicht gemacht – vor allem, weil diese tiefen, frühen Schichten noch nicht großflächig freigelegt sind.“

Spätere Funde wie hellenistische Münzen aus Smyrna mit Homers Porträt oder die sitzende Kultstatue im nahegelegenen Heiligtum von Klaros zeigen nach ihren Worten, dass spätere Generationen den Dichter als eigenen Sohn beanspruchten. Sie liefern jedoch keinen Beweis aus seiner Lebenszeit.

„Es ist entscheidend, die Ausgrabungen mit Unterstützung unseres Kultur- und Tourismusministeriums sowie der lokalen Behörden fortzuführen“, fügte Prof. Erdem hinzu. „Wenn es jemals einen direkten Fund zu Homer geben sollte, werden wir ihn nur finden, wenn wir tiefer in diese Schichten vordringen.“

Die Wissenschaft wartet auf eindeutige Grabungsbefunde. In İzmir erreicht die Begeisterung der Menschen derweil einen Höhepunkt – genährt von Jahrhunderten lokaler Überlieferungen.

An den Hängen vor der Stadt verehren die Bewohner seit langem eine feuchte Grotte im Bornova-Tal als Ort, an dem Homer seine Meisterwerke gedichtet haben soll. In antiken Texten taucht er oft unter dem Namen Melesigenes auf, also „vom Meles geboren“ – eine Anspielung auf den Fluss, der an Bayraklı vorbeifließt.

„Homers Erbe zu bewahren, ist eine Aufgabe, die wir der Menschheit schulden“, sagte Bornovas Bürgermeister Ömer Eşki der Nachrichtenagentur AFP und erläuterte die Pläne der Stadt, die Höhle für internationale Kulturtouristen zu restaurieren. „Die Geschichten, die er erzählt, gehören zu dieser Landschaft.“

Lokale Forschende verweisen zudem auf antike Reliefs, deren Formen an die Konturen der Bornova-Höhle erinnern.

„Dieser Ort hieß immer Homers Tal. Für mich besteht kein Zweifel, dass er aus dieser Gegend stammt“, erklärte der türkische Forscher Altan Altın gegenüber AFP und ergänzte, dass das Erbe des Dichters die Geschichte der Region verbinde. „Homer ist 2.800 Jahre alt, moderne Grenzen existieren erst seit einem Jahrhundert. Homer ist Grieche. Homer ist Anatolier.“

Archäologen wie Mehmet Akif Erdem verweisen ebenfalls auf Münzen und Statuen, die belegen, dass die Menschen der Antike Homer als einen der Ihren sahen. Doch, so unterstreicht Prof. Erdem für Euronews, führen zwar viele historische und sprachliche Spuren immer wieder zum alten Smyrna – der letzte Beweis liegt jedoch weiterhin tief im Boden.

Weitere Quellen • AFP

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