Eine ungewöhnliche Meeresbewohnerin ist an den Stränden von Sylt aufgetaucht: Erstmals wurden dort subtropische Segelquallen nachgewiesen. Für Menschen sind die Tiere ungefährlich. Ihr Auftreten könnte dennoch einiges über den Zustand der Nordsee verraten.
Auf Sylt sind am Sonntag und Montag, dem 23. und 24. August, mehrere subtropische Segelquallen angespült worden. Nach Angaben der Schutzstation Wattenmeer handelt es sich um den ersten Nachweis der Art in Deutschland.
Die nur wenige Zentimeter großen Tiere sehen ungewöhnlich aus: Auf einem flachen, bläulichen Körper sitzt eine durchsichtige, segelartige Struktur. Damit lassen sie sich vom Wind über die Meeresoberfläche treiben. Ihren wissenschaftlichen Namen Velella velella verdanken sie ihrer besonderen Form: "Velella" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß "kleines Segel".
Mit dem Wind über den Atlantik
Segelquallen leben normalerweise in wärmeren Meeresregionen und können dort in großen Schwärmen auftreten. Anders als viele andere Quallen bewegen sie sich nicht aus eigener Kraft durch das Wasser. Ihr charakteristisches "Segel" fängt den Wind ein und trägt die Tiere über die Oberfläche.
Der Schwarm, der nun bis nach Sylt gelangte, hatte zuvor bereits einen ungewöhnlich langen Weg zurückgelegt. Mitte Juli wurden Segelquallen an der schottischen Küste entdeckt, Anfang August folgten Funde in Dänemark.
Segelquallen leben unter anderem in subtropischen als auch in tropischen Regionen, darunter vor den Küsten von Spanien, Portugal, Marokko, den USA, Japan und Australien.
Ein Zeichen für die Erwärmung der Meere?
Für den Meeresbiologen Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer ist der Fund bemerkenswert. Segelquallen benötigen nach seinen Angaben im Winter Wassertemperaturen von etwa 14 Grad Celsius, die in der Nordsee normalerweise nicht erreicht werden. Das Auftauchen der Tiere könne deshalb als Hinweis auf die zunehmende Erwärmung der Meere verstanden werden.
Der Fund bedeutet aber nach Einschätzung von Experten nicht, dass sich die Segelqualle nun dauerhaft in der Nordsee ansiedeln wird. Nach Aussage der Schutzstation ist das Gewässer für eine erfolgreiche Fortpflanzung zu flach.
Dass wärmeliebende Arten zunehmend weiter nach Norden gelangen, beobachten Meeresbiologen allerdings schon seit Jahren. Mit steigenden Wassertemperaturen scheinen sich die Lebensräume von Fischen, Krebsen, Muscheln und anderen Meerestieren zu verschieben.
Urlauber müssen sich keine Sorgen machen. Segelquallen besitzen zwar Nesseln, sind für Menschen nach Angaben der Schutzstation Wattenmeer jedoch ungefährlich. Auch für das Ökosystem der Nordsee wird von den nun angeschwemmten Tieren keine unmittelbare Gefahr erwartet.
Die eigentliche Warnung der Meeresbiologen richtet sich deshalb weniger gegen die Segelqualle selbst. Borcherding sieht in ihr vielmehr einen möglichen Vorboten für die Ausbreitung anderer wärmeliebender Arten. Als Beispiele nennt er die Portugiesische Galeere und die Mittelmeer-Leuchtqualle, die für Menschen deutlich schmerzhaftere Nesseln besitzen. Ob und wann solche Arten regelmäßig die deutsche Nordseeküste erreichen könnten, lässt sich nicht vorhersagen.
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