2024 gab es deutlich mehr Fälle. Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Spanien, das Vereinigte Königreich und Usbekistan gelten nicht mehr als masernfrei.
Masern sind längst nicht Vergangenheit. Quer durch Europa steigen die Fallzahlen, weil viele Länder ihre Impfziele verfehlen.
Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Spanien, das Vereinigte Königreich und Usbekistan verzeichnen nach den Fallzahlen von 2024 wieder eine endemische Übertragung von Masern. Das gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag bekannt.
Ein Land verliert den masernfreien Status, wenn das Virus zurückkehrt und die Übertragung mehr als ein Jahr ohne Unterbrechung anhält.
„Mit besserer Überwachung, einer verbesserten Ausbruchsreaktion und gezielten Bemühungen, unterimpfte Gemeinschaften zu erreichen, können alle Länder die Eliminierung erreichen und halten“, sagte Bhanu Bhatnagar, Sprecher der WHO Europa, gegenüber Euronews Health.
Die WHO warnt: Masern sind oft die erste Krankheit, die wiederkehrt, wenn die Impfquoten sinken. Das zeigt den dringenden Bedarf an mehr politischem und finanziellem Engagement der Länder und internationaler Organisationen.
Neue Länder mit Ausbrüchen
England verzeichnete im Jahr 2024 2.911 laborbestätigte Masernfälle. So viele wie seit 2012 nicht mehr.
Die jüngsten Zahlen für 2025 liegen bei 957 Fällen. Die meisten betreffen Kinder bis zehn Jahre.
„Anhaltende Impflücken führten 2024 in der gesamten Region zu einem Wiederaufflammen der Masern und anderer impfpräventabler Krankheiten und dazu, dass weniger Länder den Eliminationsstatus erreichten oder hielten“, sagte Bhatnagar.
In Spanien steigen die Fallzahlen Jahr für Jahr. Laut Regierungsdaten registrierte das Land 2025 rund 400 Fälle. Das ist doppelt so viel wie 2024 und ein sprunghafter Anstieg gegenüber 2023 mit elf Fällen.
Auch Österreich verzeichnete 2024 einen deutlichen Anstieg. Die Gesundheitsbehörden meldeten 542 Fälle, deutlich mehr als die 186 im Jahr zuvor.
Endemisch in Europa
Auch anderswo in Europa ist die Lage nicht besser.
Im Jahr 2024 wurden in der gesamten Europäischen Union insgesamt 35.212 Masernfälle gemeldet, so das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten. Das entspricht einem zehnfachen Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Am stärksten betroffen waren Babys unter einem Jahr. Dahinter folgten Kinder zwischen einem und vier Jahren.
Masern sind in zwölf Ländern endemisch: Bosnien und Herzegowina, Frankreich, Georgien, Deutschland, Italien, Kasachstan, Kirgisistan, Polen, Rumänien, Russland, Türkei und Ukraine.
Die meisten Fälle meldete Rumänien: 30.692 im Jahr 2024, nach 3.371 im Jahr 2023.
Da die große Mehrheit der Fälle Ungeimpfte betrifft, betont die WHO den Bedarf an einer Impfquote von mindestens 95 Prozent mit zwei Dosen des Masernimpfstoffs.
Was sind Masern und wie werden sie behandelt?
Masern sind äußerst ansteckend. Schätzungen zufolge stecken sich 90 Prozent der nicht immunen Menschen an, wenn sie Kontakt zu einer infizierten Person haben.
Die Symptome treten meist nach zehn bis zwölf Tagen auf. Sie reichen von erkältungsähnlichen Beschwerden wie Schnupfen, Husten und leichtem Fieber bis zu Lichtempfindlichkeit, Fieber und einem roten Ausschlag, der sich über den ganzen Körper ausbreitet.
Das Virus verbreitet sich von Mensch zu Mensch über Tröpfchen, die beim Husten und Niesen entstehen.
Es gibt keine Heilung und keine spezifische Behandlung. Ohne Komplikationen dauert die Erkrankung meist etwa zwei Wochen. Zwei Impfdosen beugen der Krankheit wirksam vor.