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Studie: Tetris-Spielen mindert aufdringliche Trauma-Erinnerungen

Tetris zu spielen kann belastende Erinnerungen nach einem Trauma verringern.
Tetris kann quälende Erinnerungen nach einer posttraumatischen Belastungsstörung abschwächen. Copyright  Cleared/Canva
Copyright Cleared/Canva
Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
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Das Videospiel Tetris kann belastende Erinnerungen nach einem Trauma abschwächen; laut neuer Studie lassen die Symptome nach sechs Monaten deutlich nach.

Wer sein Gehirn mit Tetris beschäftigt, lässt belastende Erinnerungsbilder gar nicht erst aufkommen – und kann so seelische Traumata lindern. Das zeigt neue Forschung.

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Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift The Lancet Psychiatry, untersucht eine Behandlung gegen aufdrängende, lebhafte und unerwünschte Erinnerungen an Traumata – ein Kernsymptom der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Die Methode, Imagery Competing Task Intervention (ICTI) genannt, entwickelte ein Team der Universität Uppsala in Schweden gemeinsam mit der Forschungsorganisation P1vital. Getestet wurde sie zusammen mit der University of Cambridge und der University of Oxford.

Psychische Traumata, etwa ein plötzlicher Todesfall vor den eigenen Augen oder eine Gewalterfahrung, können aufdringliche Erinnerungen auslösen. Sie halten oft Tage oder sogar Jahre an und beeinträchtigen die psychische und körperliche Gesundheit.

Solche aufdringlichen Erinnerungen, meist als Flashbacks bezeichnet, tauchen unwillkürlich und wiederholt auf. Meist erscheinen sie als innere Bilder des traumatischen Erlebnisses.

„Schon eine einzige, flüchtige aufdrängende Erinnerung an ein früheres Trauma kann den Alltag massiv beeinträchtigen. Sie reißt die Aufmerksamkeit an sich und macht Betroffene den aufkommenden Gefühlen ausgeliefert“, sagte Studienleiterin Emily Holmes, Professorin für Psychologie an der Universität Uppsala.

Sie erklärte, dass Menschen weniger aufblitzende Trauma-Bilder erleben, wenn diese Sinneseindrücke durch eine kurze visuelle Intervention an Intensität verlieren.

Das Forschungsteam konzentrierte sich auf Beschäftigte im Gesundheitswesen, die während der COVID-19-Pandemie belastende Erlebnisse am Arbeitsplatz hatten.

Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen eingeteilt: Gruppe eins erhielt die mentale Intervention, Gruppe zwei hörte klassische Musik, Gruppe drei bekam die übliche Behandlung.

Die Studie zeigte, dass ICTI die Zahl aufdringlicher Erinnerungen deutlich senkte – von einem Ausgangswert von vierzehn pro Woche auf eine pro Woche nach vier Wochen. Das waren zehnmal weniger als bei den Teilnehmenden in den anderen Gruppen.

Sechs Monate nach Studiendebeginn hatten siebzig Prozent der Menschen in der neuen Behandlungsgruppe keine aufdringlichen Erinnerungen mehr.

„[Unsere] Intervention richtet sich an mentale Bilder, nicht an Worte, und sie ist so sanft, kurz und praktisch wie möglich gestaltet, damit sie in den vollen Alltag der Menschen passt“, ergänzte Holmes.

Wie funktioniert die Behandlung?

Der Hauptbestandteil der Behandlung ist das Videospiel Tetris. Die Spielenden drehen darin Bausteine unterschiedlicher Form, damit sie lückenlos in ein Raster passen.

Im ersten Schritt riefen sich die Teilnehmenden die belastende Erinnerung kurz ins Gedächtnis, ohne sie beschreiben oder ins Detail gehen zu müssen.

Dann lernten sie die Technik der mentalen Rotation, also das gedankliche Drehen von Objekten im „inneren Auge“. In der ICTI wenden sie diese Fähigkeit anschließend beim Tetris-Spielen an – langsamer als üblich und in Sitzungen von etwa zwanzig Minuten.

Die Methode soll die visuell-räumlichen Bereiche des Gehirns beschäftigen. Diese konkurrieren mit den inneren Bildern des Flashbacks, wodurch die Erinnerungen weniger lebhaft, weniger emotional belastend und seltener werden.

Eine insgesamt wirksame Behandlung

Die Forschenden beobachteten, dass die Behandlung nicht nur die Anzahl der aufdringlichen Bilder verringerte, sondern auch die allgemeinen PTBS-Symptome.

Wenn sich aufdringliche Erinnerungen reduzieren, wirkt sich das demnach positiv auf weitere PTBS-Beschwerden aus.

Angst, Depressionen und die allgemeine Funktionsfähigkeit hatten sich bis zur vierten Woche verbessert – unabhängig davon, wie stark die PTBS zu Beginn ausgeprägt war.

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