Seit die EU-Sanktionen greifen, brechen Portugals Exporte nach Russland ein, doch die Lieferungen in mehrere russlandnahe Staaten steigen auffällig. Dort wachsen auch die Importe sanktionierter Waren, darunter ausgerechnet Kork, eines der portugiesischen Schlüsselprodukte.
Die portugiesischen Exporte in Länder mit engen Beziehungen zu Russland haben seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine deutlich zugenommen. Das habe das Finanzministerium veranlasst, mögliche Umgehungen internationaler Sanktionen zu prüfen, berichtet die Zeitung Público am Dienstag.
Seit Inkrafttreten der EU-Sanktionen gegen Moskau sind die direkten Ausfuhren nach Russland stark eingebrochen. Sie fielen von mehr als 26 Millionen Euro im Jahr 2021 auf zuletzt kaum noch messbare Werte. Gleichzeitig zeigen offizielle Handelsdaten des Nationalen Statistikinstituts (INE), die Público zitiert, deutliche Zuwächse in anderen Ländern. Genannt werden Kirgisistan, Kasachstan, Aserbaidschan, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Besonders auffällig ist Kirgisistan. Dorthin stiegen Portugals Exporte von rund 200.000 Euro im Jahr 2021 auf fast sechs Millionen Euro im Jahr 2025. Im Gesamtbild des Außenhandels ist das zwar keine große Summe. Es ist jedoch laut den Daten das Land mit dem stärksten Exportwachstum in den vergangenen Jahren.
Verdacht auf Umgehung über Drittstaaten
Die fünf Länder haben zwei Gemeinsamkeiten. Sie liegen in der Nähe Russlands und sie pflegen auch nach Kriegsbeginn 2022 weiter Handelsbeziehungen mit Moskau. Der starke Anstieg portugiesischer Exporte dorthin wird als mögliches Indiz gewertet, dass Sanktionen über Zwischenhändler umgangen werden könnten.
In der Praxis könnten Unternehmen Waren in diese Staaten liefern, die anschließend nach Russland weiterverkauft werden. Laut den INE-Daten importieren die genannten Länder seit 2022 zudem mehr Produkte, die Beschränkungen unterliegen. Gleichzeitig hätten sie ihre Exporte nach Moskau erhöht.
Zu den sanktionierten Warengruppen zählen unter anderem Mikrochips, Halbleiter, elektronische Geräte, Drohnen und Industriekomponenten. Auch andere Materialien, die in der Rüstungsindustrie genutzt werden können, fallen darunter. Ziel der Sanktionen ist es, Russlands Industrie und insbesondere das Militär beim Zugang zu westlicher Technologie zu bremsen. Bei einigen Kategorien wie Motoren und Generatoren seien die direkten Exporte nach Russland stark zurückgegangen, während sie in anderen Märkten zugleich gestiegen seien.
Kork als auffälliges Beispiel
Besonders deutlich sind die Veränderungen bei Kork. Portugal ist in diesem Bereich Weltmarktführer. Russland war früher ein regelmäßiger Abnehmer, unter anderem wegen der Weinproduktion. Seit dem Krieg in der Ukraine gilt Kork jedoch als sanktionierte Ware, weil er auch militärisch verwendet werden kann.
Während die Ausfuhren nach Russland stark zurückgingen, stiegen sie seit Mitte 2022 in andere Länder deutlich an. Genannt werden die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kirgisistan und Kasachstan.
Eine der jüngsten Untersuchungen zu Sanktionsumgehungen wurde in diesem Jahr von der EU-Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF koordiniert. Dabei ging es um die Ausfuhr gebrauchter Fahrzeuge aus der EU nach Russland. Laut den Ermittlungen wurden dafür unter anderem Routen über die Türkei, Armenien, Kasachstan und Kirgisistan genutzt. Das führte zu Strafverfahren in mehreren Mitgliedstaaten. Außerdem wurden die Kontrollen für solche Ausfuhren verschärft.
In Portugal überwacht die Steuer- und Zollbehörde die Einhaltung der Sanktionen bei Exporten nach Russland. Gegenüber "Público" bestätigte die Behörde, dass es Ermittlungen zu möglichen Unregelmäßigkeiten gibt. Veränderungen in Handelsdaten seien jedoch kein automatischer Beweis für Verstöße. Sie könnten zunächst nur als Risikoindikatoren dienen.