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Synthetische Drogen verändern Weltmärkte und setzen Gesundheitssysteme unter Druck

Am Check-Your-Substance-Stand untersucht ein Team eine Probe der synthetischen Droge MDMA (Archiv).
Am Stand „Check Your Substance“ testet ein Mitarbeiter eine Probe der synthetischen Droge MDMA (Archiv) Copyright  AP Photo/Aurea Del Rosario
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Von Rushanabonu Aliakbarova
Zuerst veröffentlicht am
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Neue Konsummuster von Drogen machen Gesundheitsrisiken komplexer und schwerer vorhersehbar. Fachleute warnen: Die Gesundheitssysteme kommen kaum hinterher, Therapien und Prävention bleiben für viele unerreichbar.

Synthetische Drogen verändern die weltweiten Drogenmärkte in rasantem Tempo. Sie bringen neue, schwer vorhersehbare Gesundheitsrisiken mit sich und setzen ohnehin stark belastete Gesundheitssysteme zusätzlich unter Druck.

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Bei einem internationalen Forum zur Bekämpfung grenzüberschreitender Drogendelikte in Samarkand warnte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, dass Störungen durch Substanzkonsum eine große und wachsende Herausforderung für die öffentliche Gesundheit darstellen. Sie betreffen Menschen, Familien und ganze Gemeinschaften in allen Weltregionen.

Weltweit haben nach Schätzungen des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung rund 300 Millionen Menschen im vergangenen Jahr mindestens einmal Drogen konsumiert. Zwischen 40 und 64 Millionen leben mit einer Substanzgebrauchsstörung. Jedes Jahr stehen etwa 600 000 Todesfälle im Zusammenhang mit Drogenkonsum, etwa durch Überdosierungen oder drogenbedingte Krankheiten wie HIV und Virushepatitis.

WHO-Generaldirektor hält eine Rede auf dem Forum
WHO-Generaldirektor hält eine Rede auf dem Forum World Health Organisation

„Diese Leben können gerettet werden“, sagte Tedros und verwies auf Prävention, Behandlung und Maßnahmen zur Schadensminimierung, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist. Dennoch bleibt der Zugang begrenzt. Nur ein kleiner Teil der Betroffenen erhält die notwendige Versorgung.

Hürden wie Stigmatisierung, Diskriminierung und Kriminalisierung schrecken gefährdete Gruppen weiterhin von Gesundheitsangeboten ab. Frauen, junge Menschen und Personen mit zusätzlichen Erkrankungen sind besonders stark gefährdet.

Synthetische Drogen: Drogenmarkt im Umbruch

Auch die Gesundheitssysteme in Zentralasien haben Mühe, mit der schnellen Entwicklung der Drogenmärkte Schritt zu halten.

Laut Salome Flores, Leiterin des UNODC-Informationszentrums für die Erforschung und Analyse grenzüberschreitender Drogendelikte, hat sich die Lage in der Region in den vergangenen Jahren deutlich verändert.

Der Rückgang der Opiumproduktion in Afghanistan hat die Lieferketten verschoben, gleichzeitig breiten sich synthetische Drogen immer stärker aus. Anders als klassische Substanzen lassen sie sich vor Ort aus Vorläuferchemikalien herstellen. Das erschwert Überwachung und Kontrolle.

Zur gleichen Zeit zeigt sich ein weiterer Trend: der Missbrauch von Medikamenten.

„Wir sprechen auch über die Nutzung von Arzneimitteln zu nichtmedizinischen Zwecken“, erklärte Salome Flores Euronews. „Menschen gehen in Apotheken und kaufen Beruhigungsmittel, Antidepressiva oder Schlafmittel, und in bestimmten Dosierungen können sie bestimmte Rauschwirkungen hervorrufen.“

Die Mischung aus synthetischen Substanzen und Medikamentenmissbrauch führt zu einer komplexeren Gesundheitslage. Sie erfordert strengere Regulierung und einen Ausbau medizinischer Angebote.

Gesundheitspolitik neu ausrichten

Fachleute halten die bisherigen Antworten der Gesundheitssysteme für nicht mehr ausreichend.

Viele nationale Strategien entstanden ursprünglich, um Heroin, Kokain und Amphetamine zu bekämpfen. Der Aufstieg synthetischer Drogen, der Mehrfachkonsum verschiedener Substanzen und neue Vertriebswege haben das Problem jedoch grundlegend verändert.

Gesundheitssysteme müssen nun Angebote für psychische Gesundheit, Substanzkonsum und Infektionskrankheiten stärker verzahnen, vor allem in der hausärztlichen Versorgung. Ebenso wichtig ist die Arbeit in den Gemeinden, um gefährdete Gruppen zu erreichen und Behandlungsergebnisse zu verbessern.

Behandlung, betonen Expertinnen und Experten, sollte freiwillig, wissenschaftlich fundiert und an Menschenrechten orientiert sein. Reine Strafmaßnahmen verringern die Abhängigkeit kaum und verbessern die öffentliche Gesundheit nicht.

Usbekistan setzt stärker auf Behandlung und Rehabilitation

In Usbekistan sehen Behörden Drogenkonsum zunehmend als Gesundheits- und Sozialproblem und nicht mehr nur als Straftat.

Nach Angaben von Asilbek Khudayarov, Gesundheitsminister Usbekistans, hat das Forum den Bedarf an neuen Ansätzen deutlich gemacht.

Die Diskussionen hätten gezeigt, so Khudayarov, dass Drogenabhängigkeit ein komplexes Phänomen ist, das eng mit der Gesundheit der Menschen und der Zukunft junger Generationen verbunden ist und koordinierte, umfassende Antworten verlangt.

„Angesichts der Verbreitung synthetischer Drogen müssen wir die Systeme für Behandlung und Rehabilitation weiter verbessern“, sagte er.

Khudayarov hob zudem hervor, wie wichtig es ist, internationale medizinische Erfahrungen zu bündeln und eine integrierte Versorgung anzubieten, die medizinische, psychologische und soziale Unterstützung für Menschen mit Abhängigkeit umfasst.

Als entscheidend gelten zudem stärkere Prävention, frühzeitige Diagnostik und der Ausbau ambulanter Angebote. Das erhöht den Druck auf die Gesundheitssysteme.

Im Rahmen dieses Ansatzes hat Usbekistan die Gründung einer zentralasiatischen Vereinigung der Suchtmediziner vorgeschlagen, um den Wissensaustausch zu fördern und Rehabilitationsangebote in der Region zu verbessern.

Prävention und Einbindung junger Menschen

Prävention ist eine weitere zentrale Säule, gerade in einer Region mit einer vergleichsweise jungen Bevölkerung.

Nach Ansicht von Zhandos Aktayev, Vorsitzender des öffentlichen Fonds „Esbol Qory“ in Kasachstan, ist die direkte Arbeit mit jungen Menschen unverzichtbar.

„Zentralasien ist eine Region mit einer sehr jungen Bevölkerung, deshalb müssen alle unsere Länder den Schwerpunkt auf junge Menschen legen und sie als handelnde Akteure der Präventionsarbeit einbeziehen“, sagte er.

Programme und Schulungen mit belegter Wirksamkeit sollen das Wissen erhöhen und jungen Menschen helfen, Fähigkeiten zu entwickeln, um riskante Situationen zu vermeiden.

Fachleute betonen, dass frühe Prävention langfristige Gesundheitsrisiken senken und die sozialen Folgen von Drogenkonsum begrenzen kann.

Hin zu einem gesundheitsorientierten Ansatz

Die Diskussionen in Samarkand spiegeln einen breiteren Wandel im Verständnis drogenbezogener Herausforderungen wider.

Statt ausschließlich auf Strafverfolgung zu setzen, wächst die Einsicht, dass wirksame Strategien auch die gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Ursachen von Drogenkonsum in den Blick nehmen müssen.

Dazu gehören ein besserer Zugang zu Behandlung, stärkere Gesundheitssysteme und weniger Stigmatisierung. Gleichzeitig müssen die Antworten an neue Risiken durch synthetische Substanzen angepasst werden.

Da sich die Drogenmärkte weiter verändern, hängt die Wirksamkeit der Maßnahmen davon ab, wie schnell sich Gesundheitssysteme anpassen können und wie gut Staaten zusammenarbeiten, um besonders gefährdete Menschen zu schützen.

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